Bistum Mainz will Studie zu sexuellem Missbrauch vorstellen

Rund 300 Beschuldigte und 400 Betroffene

Bistum Mainz will Studie zu sexuellem Missbrauch vorstellen

Seit mehr als drei Jahren bereits ist der Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber dabei, die Fälle sexuellen Missbrauchs im Bereich der Diözese Mainz ab 1945 unabhängig zu untersuchen. Bald sollen die Ergebnisse vorgestellt werden. Das erklärt der Anwalt in einer Pressemitteilung.

Bei der Untersuchung habe sich für Weber und sein Team schnell herausgestellt, dass die Vorfälle umfangreicher und komplexer seien als in der vorherigen Studie. Bereits in seinem Zwischenbericht von Oktober 2020 ging er von 273 Beschuldigten und 422 Betroffenen aus. Bis dahin hatten Weber und sein Team Kontakt zu 50 Betroffenen und 75 Wissensträgern. Unter den Betroffenen seien neben Kindern und Jugendlichen auch Erwachsene, zu den Beschuldigten gehören Kleriker, Angestellte und ehrenamtlich Tätige.

„Nicht anklagen, sondern verstehen“

„Zahlreiche neu hinzugekommene Meldungen, auch von Betroffenen, haben die bis zum Zwischenbericht vorhandenen Erkenntnisse zusätzlich geschärft und ergänzt und wir führen aktuell immer noch Gespräche“, so Weber, der bereits zuvor die Studie zur körperlichen und sexuellen Gewalt bei den Regensburger Domspatzen geführt hatte.

Nun sollen noch die Ergebnisse einer großangelegten Fragebogenaktion aus dem Frühjahr 2022 ausgewertet werden, die in allen dem Bistum angeschlossenen Pfarreien und Caritas-Verbänden durchgeführt wurde. Auch hier seien noch weitere Gespräche notwendig.

Im Abschlussbericht werde es nicht nur um Zahlen, Taten und die Benennung Verantwortlicher oder deren öffentlicher Verurteilung gehen, so Weber. „Wir wollen in erster Linie nicht anklagen, sondern verstehen.“ Denn Betroffene, Kirche und das gesellschaftliche Umfeld müssten nun die Geschehnisse bewältigen. Auch soll die Dokumentation und Bewertung es ermöglichen, künftig besser Situationen zu erkennen, „die sexuellen Missbrauch begünstigen oder ermöglichen“. Im besten Fall sollen Menschen also lernen, wie sie mit kritischen Situationen gut umgehen können. Daher auch der Titel der Studie: „EVV“ steht für „Erfahren, Verstehen, Vorsorgen“.

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