Ukrainische Großfamilie findet neue Bleibe in Mainz

Vor einiger Zeit haben wir von neun Frauen berichtet, die aus der Ukraine geflohen sind, vorübergehend in Finthen unterkamen und dann eine neue Bleibe suchten. Unser Aufruf hatte Erfolg, bald ist Umzugstermin.

Ukrainische Großfamilie findet neue Bleibe in Mainz

Sieben Frauen aus einer Familie machten sich vor einigen Wochen auf den Weg: von Odessa und Nikolajew nach Rumänien, dann über Bukarest nach Wien. Nach vielen Tagen Reise kamen sie schließlich in Mainz an. Mit ihnen reisten zwei Freundinnen, die sich ihnen spontan angeschlossen hatten. Neun Frauen und Mädchen zwischen 12 Jahren und Ende 60, die nun eine Wohnung suchten. Sie kamen schließlich auf dem Finther Layenhof unter: im Nachbarhaus von Familie Dölle, deren Bewohner für einige Monate verreist waren (wir berichteten).

Seit knapp einem Monat wohnen sie nun dort – und müssen ihre neue Bleibe bereits in zwei Wochen wieder verlassen. Denn die Bewohner des Hauses kommen zurück und dann würde der Platz für so viele Menschen nicht mehr reichen. Kurz nachdem der Merkurist-Artikel über die Situation der Frauen erschienen war, meldeten sich tatsächlich mehrere Leute bei uns, die bereit wären, sie bei sich wohnen zu lassen. Nun beziehen sie bald ihr neues Heim in der Bretzenheimer Straße, und zwar in einem Haus der wiwi Immo KG, deren Inhaber Matthias Willenbacher ist. Willenbacher ist seit Januar 2021 auch Inhaber von Merkurist.

Ein Wohnhaus wird für die Frauen hergerichtet

Das Grundstück, auf dem das Gebäude steht, hatte die wiwi Immo KG vor sechs Jahren gekauft. Hier sollten eigentlich die Büros der Unternehmen von Matthias Willenbacher errichtet werden, auch das von Merkurist. Letztendlich haben die Mitarbeiter im vergangenen Herbst dann doch die Räume in der Rheinstraße bezogen. Das Haus, in das nun die Familie zieht, ist ein dreistöckiges Mietshaus im Umbau.

Als sie von dem Aufruf gehört hat, lud die Geschäftsführerin der wiwi Immo KG, Sara Kukovec, die Frauen kurzerhand zur Besichtigung ein. Anne Jährling aus dem Office-Management kümmert sich nun gemeinsam mit Anna Dölle und den Frauen selbst darum, dass alles rechtzeitig fertig wird. „Zusammen erledigen wir die bürokratischen Dinge und machen es schön für die Familie“, sagt sie. Über Spenden erhalten sie Möbel und Küchengeräte, die sie über verschiedene Social-Media-Plattformen suchen, Freunde und Bekannte fragen. Auch bei einer Wohnungsauflösung durften sie bereits kostenlos eine Menge Sachen aus der Küche mitnehmen. Der Geschäftsführer von Möbel Martin hat bereits zugesagt, Möbel zu spenden und zum Haus liefern zu lassen.

„Die Frauen sind total erleichtert, überglücklich und dankbar“ – Anna Dölle

„Die Frauen sind total erleichtert, überglücklich und dankbar“, berichtet Anna Dölle. Froh seien sie vor allem darüber, dass sie in Mainz bleiben können, wo sie in engem Kontakt mit Familie Dölle bleiben können. Perfekt sei auch die Lage, da fußläufig ein Supermarkt erreichbar und die Straßenbahnhaltestelle fast vor der Tür ist. „So können sie auch einfacher Kontakt zu anderen ukrainischen Familien aufnehmen, sind schnell in der Stadt und können auch zu mir einfach mit Straßenbahn oder dem Bus fahren“, so Dölle.

Zwei Jahre kann die Familie laut Willenbacher nun mindestens kostenfrei im Haus wohnen. „Am liebsten würden sie natürlich schon morgen nach Hause zurück, zu ihren Männern, ihren Vätern und Söhnen“, sagt Anna Dölle. Sie richten sich nun in Deutschland ein, wollen einen Deutschkurs beginnen und sich beim Jobcenter anmelden. „Aber sie wollen in ihre Heimat zurück, sobald es möglich ist.“

Auch die beiden Freundinnen haben bereits eine Bleibe gefunden. Über das Mainzer Bürgeramt wurden sie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Unterkunft in der Generaloberst-Beck untergebracht. „Es ist so gut geworden, ich bin super happy und dankbar sowohl der Stadt als auch dem Hausbesitzer“, so Dölle.

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