Geflüchtete in Mainzer Turnhalle: Wo sollen die Menschen hin?

Sie sind sich fremd, leben aber auf engsten Raum miteinander. Weil es nicht mehr genügend Unterkünfte für ukrainische Flüchtlinge gibt, wurde vor drei Wochen die erste Turnhalle geöffnet. Malteser und Ehrenamtliche kümmern sich dort um das Nötigste.

Geflüchtete in Mainzer Turnhalle: Wo sollen die Menschen hin?

Vor fast drei Wochen verkündete die Stadt Mainz: Alle Wohnkapazitäten für geflüchtete Menschen in Mainz seien ausgeschöpft, neu ankommende Ukrainer müssten nun in Turnhallen untergebracht werden (wir berichteten). Als erstes geöffnet wurde die Sporthalle des TSG Drais. 85 Menschen sind dort inzwischen nach Angaben der Stadt untergebracht (Stand: 3. Juni). Versorgt werden sie von den Maltesern. Auch etliche Ehrenamtliche sind vor Ort, die sich um die Menschen kümmern, Spenden sammeln und mit den Kindern spielen.

85 Menschen auf engstem Raum

Behrouz Asadi ist Leiter der Flüchtlingshilfe der Mainzer Malteser Werke und damit zuständig für die Koordination der Helfer. Er sei völlig erschöpft, berichtet er. Manchmal wird er sogar mitten in der Nacht angerufen, weil neue Menschen am Hauptbahnhof eingetroffen sind. „Gestern hat mich die Bundespolizei um Mitternacht angerufen, ob ich die Leute abholen kann. Das kann ich nicht auch noch leisten.“ Im Fünf-Minuten-Takt klingelt sein Handy, er organisiert die Helfer, spricht mit dem Gesundheitsamt, der Stadtverwaltung, den Behörden. Eine weitere Malteser-Helferin unterstützt ihn mit den Formularen für die Ankommenden. Das laut Asadi „hervorragende“ Essen bringt ein Caterer im Auftrag der Stadtverwaltung.

Die Menschen leben in der Draiser Sporthalle auf engstem Raum zusammen, Familien wie Alleinreisende, Männer wie Frauen, Kinder wie Alte. Die meisten sind sich fremd, viele sind traumatisiert. Es sei ein Kommen und Gehen, sagt Asadi. Die Turnhalle dient als eine Art „Auffanglager“ für die Geflüchteten, die in Mainz ankommen. Von dort aus sollen sie möglichst schnell in Unterkünfte oder Wohnungen vermittelt werden. Es sei ein großer Wartebereich, so Asadi. „Vor allem alte und kranke Menschen und solche mit Behinderung können nicht lange hier bleiben.“ Für die Kinder haben die Malteser ein Spielmobil angeschafft, damit sie etwas Beschäftigung haben. Das steht nun auf dem Parkplatz der Halle, wo genügend Platz ist zum Rollerfahren, Hüpfen und Seilspringen.

Sichtschutzwände schaffen minimale Privatsphäre

Auch Stadtsprecherin Sarah Heil sagt, dass die Turnhalle zunächst einmal lediglich zur vorübergehenden Unterbringung von Geflüchteten diene. Daher sei die Ausstattung in der Halle „zweckmäßig“, Sichtschutzwände etwa würden etwas Privatsphäre schaffen. „Die Möglichkeiten sind jedoch aus Gründen des Brandschutzes begrenzt“, so Heil. Wie Asadi sagt, gibt es zudem eine Waschmaschine und ein winziges Lager für Waschmittel, Windeln und Dinge des täglichen Bedarfs. Der Vorstand des TSG Drais ist nun dabei zu klären, ob im angrenzenden, leerstehenden Bistro ein Raum freigemacht werden kann, damit der Arzt des Gesundheitsamts einmal wöchentlich die Menschen nach Bedarf medizinisch untersuchen kann.

Stadt rechnet mit noch mehr Flüchtlingen in Mainz

Die Stadt geht davon aus, dass noch weitere Menschen aus der Ukraine im Stadtgebiet Mainz ankommen werden. Die Turnhallen in Mombach und Laubenheim sind bereits für eine mögliche Belegung vorgesehen. Zudem wurden ehemalige Gemeinschaftsunterkünfte wie das Allianzhaus reaktiviert und es sind neue eingerichtet worden. Doch der Platz reicht für die vielen Menschen nicht.

„Es besteht seit dem Rechtskreiswechsel zum 1.6. außerdem die Möglichkeit zur eigenen Anmietung von Wohnraum“, so Sarah Heil. Denn aufgrund einer bundesweit gültigen Gesetzesänderung ist seit Anfang Juni nicht mehr die Ausländerbehörde der Stadt für die Unterstützung der geflüchteten Menschen zuständig, sondern das Jobcenter und damit die Agentur für Arbeit. Da bedeutet: Alle aus der Ukraine geflüchteten Menschen müssen sich nun beim Jobcenter anmelden und sich selbst um eine Krankenversicherung kümmern. Das Jobcenter ist damit sowohl verantwortlich für die finanzielle Unterstützung zum Lebensunterhalt und für Unterkünfte als auch für die Vermittlung in eine Beschäftigung und in Sprachkurse sowie bei der Suche nach Kinderbetreuung (wir berichteten).

Die Malteser bieten für alle ukrainischen Geflüchteten im Allianzhaus kostenlose psychosoziale Beratung an. Diese findet montags, mittwochs und freitags jeweils von 13 bis 15 Uhr statt. Medizinische Untersuchungen durch das Gesundheitsamt werden dienstags und donnerstags von 13 bis 15 Uhr durchgeführt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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