Ist die Mainzer Innenstadt noch zu retten?

Hat sich die Mainzer Innenstadt als Einkaufsstandort wieder etabliert? „Nein“ sagen zumindest 80 Geschäftsleute, die unzufrieden mit der Entwicklung der City sind. Aktuell sehen sie wenig Perspektiven. Nun wenden sie sich vereint an die Stadt.

Ist die Mainzer Innenstadt noch zu retten?

„Ein ‘weiter so’ darf es auf keinen Fall mehr geben“, sagt Dieter Grünewald und denkt mit Bauchschmerzen an die Zukunft der Mainzer Innenstadt als Einkaufsstandort. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Mainzer City-Carré sieht momentan eher schwarz für die Weiterentwicklung der City im Kampf um zahlende Kunden.

Rund 80 Geschäftsleute bewerten dies nun ähnlich. Gemeinsam wenden sie sich an die Stadt Mainz und Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und fordern, die aktuellen Missstände in der City abzustellen und Mainz wieder wettbewerbsfähig zu machen.

„Reiner Aktionismus mit Events hilft nicht weiter“

Wie Grünewald sagt, merke er täglich die Unzufriedenheit der Geschäftsleute. „Bei persönlichen Gesprächen mit den Betriebsinhaber wird mir immer wieder verdeutlicht, dass sich diese insbesondere vom Wirtschaftsdezernat, dem Ordnungsamt, aber auch dem Verkehrsamt im Stich gelassen und vernachlässigt fühlen. Die Ämter würden Aufgaben nicht sinnvoll miteinander koordinieren, wenn es darum ginge, Kunden und Besuchern Sicherheit, Sauberkeit und eine Wohlfühl-Atmosphäre zu bieten. Die kürzlich vorgestellten 67 Maßnahmen zur Aufwertung der Innenstadt (wir berichteten) seien eher illusorisch. „Die Gelder müssen richtig eingesetzt werden. Reiner Aktionismus, in dem man jetzt irgendwelche Events veranstaltet, helfen langfristig nicht weiter.“

Ähnlich bewertet Karsten Lange vom Gewerbeverein Mainz-Neustadt e.V. die aktuelle Situation. „Wir müssen die Käuferströme von der Neustadt in die Altstadt und umgekehrt verbessern.“ Beide Gebiete müssten problemlos zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar sein. Außerdem brauche es eine Spezialisierung der einzelnen Quartiere. Dort müssten bestimmte Themen und Schwerpunkte gesetzt werden. So könnten beispielsweise der Bereich rund um den Gartenfeldplatz als Hipster-Viertel und die Altstadt als „Römer-Quartier“ fungieren. Wichtig sei es zudem, das Bleichenviertel aufzuwerten, sagt Lange. „Es wäre schön, wenn sich die Politik hierzu einmal konkret äußern könnte.

Grundsätzlich die gleichen Ziele wie Grünewald - etwa Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung in der Innenstadt - hat Citymanagerin Sandra Klima. Grünewalds Vorgehensweise finde sie jedoch „verwunderlich“. Es wäre eher angebracht, proaktiv am Prozess mitzuarbeiten. Die Kritik an dem Maßnahmen-Katalog zur Aufwertung der Innenstadt könne sie nicht nachvollziehen, sagt Klima. Zumal diese Maßnahmen auch gemeinsam mit Vertreten der Innenstadt-Geschäftsleute erarbeitet worden seien. „Insofern ist es schade, das jetzt kritisch zu bewerten.“

Man könne durchaus Beschwerden an die entsprechenden Stellen in der Stadt richten. Es sei wichtig, mit der Stadt in den Dialog zu treten und Gespräche zu führen, so Klima. Und genau dies haben Grünewald und die unzufriedenen Geschäftsleute nun vor. So soll es bald eine Diskussionsrunde geben, bei der alle Themen auf den Tisch kommen. „Wir wollen jetzt den Finger in die Wunde legen“, sagt Grünewald.

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