Mainzer Uniklinik „kaputt gespart“? Führung wird ausgewechselt

In Kritik geratener Kaufmännischer Vorstand erhält 500.000 Euro Abfindung

Mainzer Uniklinik „kaputt gespart“? Führung wird ausgewechselt

In der Führungsetage der Mainzer Uniklinik wird es in den nächsten Wochen einige Wechsel geben. Das hat das rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerium am Mittwoch bekanntgegeben. Hinter diesem Schritt des Aufsichtsrates stehen unter anderem die Schulden, die die Universitätsmedizin angehäuft hat – doch auch interne Streitigkeiten sollen dazu beigetragen haben, berichtet der SWR.

Kaufmännischer Vorstand geht freiwillig

Der erste Wechsel ist für November angekündigt. Dann soll der aktuelle Kaufmännische Vorstand Christian Elsner seinen Posten verlassen. Seine Nachfolge soll die Kanzlerin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), Waltraud Kreutz-Gers, übernehmen. Wie der SWR berichtet, verlasse Elsner die Unimedizin auf eigenen Wunsch und soll eine Abfindung von 500.000 Euro erhalten. Zuvor sei Elsner vor allem bei den Ärzten der Uniklinik in Kritik geraten. Der Vorwurf: Er habe die Universitätsmedizin kaputt gespart.

Gegenüber dem SWR erklärte Denis Alt (SPD), Staatssekretär des Ministeriums für Wissenschaft und Gesundheit sowie momentan noch Aufsichtsratschef der Uniklinik, dass das Land die Verantwortung für die Schulden nicht bei Elsner sehe. Die Probleme lägen eher im Gesundheitssystem und der fehlenden Refinanzierung durch die Krankenkassen. Auch andere Unikliniken hätten ähnliche Probleme.

Wissenschaftsminister Hoch übernimmt Aufsichtsrat

Alt selbst wird seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender zum Jahreswechsel an seinen Vorgesetzten, Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD), abgeben. „Mir ist wichtig, dass die Universitätsmedizin wieder zur Ruhe kommen kann und künftig vor allem durch medizinische und wissenschaftliche Erfolge in die Schlagzeilen gerät“, so Hoch in einer Pressemitteilung. Außerdem wolle das Ministerium mit dieser Entscheidung signalisieren, dass das Land hinter der Universitätsmedizin stehe.

Ebenfalls zum Jahreswechsel soll der Posten des medizinischen Vorstands und Vorstandsvorsitzenden neu besetzt werden. Drei Monate früher als geplant wurde Norbert Pfeiffer vom Aufsichtsrat abberufen und soll ab dem 1. Januar 2024 von Ralf Kiesslich, ärztlichem Direktor der Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) Wiesbaden, abgelöst werden.

Zum 1. April 2024 wird dann der Wissenschaftliche Vorstand Ulrich Förstermann ausscheiden – allerdings planmäßig. Für seine Nachfolge soll Thomas Kamradt vorgeschlagen werden, aktuell Wissenschaftlicher Vorstand der Uniklinik in Jena. Den Vertrag mit Pflegevorständin Marion Hahn hingegen hat der Aufsichtsrat bis zum 31. Januar 2025 verlängert.

Hintergrund

Im August verkündete der Aufsichtsrat, dass die Mainzer Universitätsmedizin das Wirtschaftsjahr 2022 mit einem Verlust von 65 Millionen Euro abgeschlossen hat. Für das Jahr 2023 rechnete der Vorstand mit einem Verlust von mindestens 57 Millionen Euro. Grund dafür seien vor allem gestiegene Betriebskosten wie Energie oder die Instandhaltung von Gebäuden, doch auch der Fachkräftemangel in der Pflege wirke sich negativ auf die finanzielle Situation aus.

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