Mainzer Forscher: Wie Feinstaub und Lärm das Herz schwächen

Eine neue Studie der Unimedizin Mainz zeigt: Umweltfaktoren wie Lärm und Feinstaub erhöhen das Risiko für Herzschwäche. Besonders betroffen sind demnach Menschen mit geringerem Einkommen.

Mainzer Forscher: Wie Feinstaub und Lärm das Herz schwächen

Umweltbedingungen wie Feinstaub, Lärm und Hitze haben einen größeren Einfluss auf die Entstehung von Herzschwäche als bisher angenommen. Das ist das Ergebnis einer Übersichtsstudie von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Mainz.

Gemeinsam mit einer internationalen Forschungsgruppe haben die Mainzer Wissenschaftler untersucht, wie sich die Gesamtheit aller Umwelt- und Lebensbedingungen, das sogenannte Exposom, auf die Gesundheit auswirkt. Bislang standen bei der Prävention von Herzschwäche vor allem individuelle Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder genetische Veranlagungen im Fokus. Die neuen Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Reviews Cardiology veröffentlicht.

Langfristige Belastung durch viele Faktoren

Die Forschungsgruppe wertete zahlreiche Studien zum Einfluss von Umweltbelastungen wie Feinstaub, Verkehrs- und Fluglärm, extremen Temperaturen, künstlichem Nachtlicht sowie toxischen Metallen wie Blei und Cadmium aus. Ein zentrales Ergebnis: Diese Einflüsse treten nicht einzeln auf, sondern wirken oft gleichzeitig und über viele Jahre hinweg auf den Menschen ein.

„Die kontinuierliche Interaktion des Menschen mit den Einflussfaktoren seiner Umwelt führt zu einer erheblichen kumulativen Belastung auf Bevölkerungsebene“, erklärt Dr. Omar Hahad, Wissenschaftler am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz und Erstautor der Studie.

Soziale Ungleichheit als Risikofaktor

Demnach sind Menschen mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status besonders gefährdet. Sie leben häufiger in Gebieten mit schlechterer Luftqualität, höherer Lärmbelastung und weniger Grünflächen. Gleichzeitig ist ihr Zugang zu medizinischer Vorsorge und Behandlung oft eingeschränkt, was zu einer höheren Sterblichkeit führt.

Die Autoren der Studie empfehlen daher, die Prävention von Herzinsuffizienz ganzheitlicher zu gestalten. Außer medizinischen Behandlungen seien auch Maßnahmen zum Schutz der Luftqualität sowie vor Lärm und Hitze notwendig. Weltweit sind mehr als 64 Millionen Menschen von Herzschwäche betroffen, in Deutschland über vier Millionen.