Vergewaltigungsvorwurf: AStA fordert Exmatrikulation des Beschuldigten

Er habe versucht, sie im Auslandssemester zu vergewaltigen. Diesen Vorwurf erhob eine Mainzer Studentin im Februar 2020. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingestellt, der AStA hingegen fordert die Exmatrikulation des Beschuldigten.

Vergewaltigungsvorwurf: AStA fordert Exmatrikulation des Beschuldigten

Es soll vor eineinhalb Jahren im Auslandssemester in Swansea passiert sein: Eine Studentin aus Mainz beschuldigt einen Mainzer Kommilitonen, sie dort vergewaltigt zu haben. Diesen Vorwurf reichte sie im Februar 2020 schriftlich bei der Polizei ein. Auch bei der Polizei in Swansea hatte die Studentin bereits Strafanzeige erstattet, erklärt Andrea Keller, Leitende Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Mainz, auf Merkurist-Anfrage.

Das Sexualdelikt soll sich in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar 2020 in ihrem Zimmer in einem Studierendenwohnheim in Swansea (Vereinigtes Königreich) ereignet haben. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Mainz „nach einer eigenen Prüfung und Bewertung“ das Ermittlungsverfahren eingestellt. Nach den vorliegenden Erkenntnissen habe ein „strafbares Verhalten des Beschuldigten“ nicht sicher nachgewiesen werden können, so Keller. Da der Beschuldigte die Vorwürfe bestritten habe, stünde Aussage gegen Aussage. „Zudem gab es Umstände, die gegen die Glaubhaftigkeit der Angaben der Studentin sprachen.“

AStA erhebt schwere Vorwürfe gegen die JGU

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) sei „bestürzt und wütend“, wie er in einer Pressemitteilung nun verkündete - vor allem über den Umgang der Universität mit „Überlebenden sexualisierter Gewalt“. Die Universität schiebe die Verantwortung von sich. Die Studentin hatte sich im Juni an das „Autonome Alle Frauen*Referat (AFR)“ gewandt und um Unterstützung gebeten. Ein Kommilitone soll sie unter Einsatz von K.O.-Mitteln versucht haben zu vergewaltigen und habe ihr anschließend mit Mord gedroht, berichtete sie dort.

Der AStA fordert nun die Exmatrikulation des beschuldigten Studenten und den Schutz der Studentin vor „Anfeindungen und Drohungen des Täters oder anderer Institutionen“, heißt es in der Pressemitteilung. „Wir glauben Überlebenden und Opfern sexualisierter Gewalt uneingeschränkt.“ Die Universität Mainz hingegen sei „auf ganzer Linie gescheitert, die Studentin zu unterstützen und zu schützen.“ Auch fürchtet der AStA, dass die Universität in Swansea dem Beschuldigten mehr Glauben schenke als der Studentin. Er habe ausgesagt, die Studentin wollte Rache, weil er sie nicht heiraten wolle. Und diese Weigerung habe sie wohl traumatisiert.

JGU: Wir haben uns dem Fall umfassend angenommen

Die Johannes Gutenberg-Universität (JGU) weist die Vorwürfe des AStA von sich: „Hätte der AStA vor seiner öffentlichen Stellungnahme das Gespräch mit dem Präsidium gesucht, wäre deutlich geworden, dass die Universität mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dem Vorfall an der Partneruniversität nachgegangen, der Betroffenen und ihrer Familie Hilfe angeboten und hochschulrechtliche Konsequenzen geprüft hat“, sagt Pressesprecherin Petra Giegerich gegenüber Merkurist.

Sowohl das Präsidium als auch die Gleichstellungsbeauftragten und die „Stabsstelle Gleichstellung und Diversität“ hätten sich dem Fall angenommen. Zudem habe das Präsidium mit dem Vorstand des AStA gesprochen, „um grundsätzliche Bedenken in Hinblick auf den Umgang der JGU mit sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt auszuräumen“.

Anlass, den Aussagen der Betroffenen keinen Glauben zu schenken, habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben, so Giegerich. Für eine Exmatrikulation des Beschuldigten habe die Universität jedoch „derzeit keine rechtliche Grundlage“.

Weiter teilt die JGU mit, dass sie weder sexualisierte Gewalt noch sexualisierte Belästigung dulde. Mit allen „zur Verfügung stehenden Mitteln“ werde sie sowohl präventiv als auch situationsbezogen bekämpft. „Betroffene Personen erfahren an der JGU jederzeit professionelle Unterstützung.“ Auch Führungskräfte und Lehrende würden in diesem Bereich sensibilisiert, in Form von Beratungen, Weiterbildungen und Informationsmaterial.

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