Mainzer entwickelt neue Lernsoftware

„Bessere Leistungen in weniger Zeit“ – das will der Mainzer Alexander Seidmann mit seiner digitalen Lernplattform erreichen, die Wirtschaftswissenschaftler bei der Klausurvorbereitung unterstützen soll. Die Uni bewertet die Software kritisch.

Mainzer entwickelt neue Lernsoftware

Für die meisten Studenten ist die Klausurenphase eine harte Zeit. Oftmals folgt zum Ende des Semesters eine Klausur auf die andere, dazwischen bleibt wenig Zeit zum Lernen. Damit das trotzdem gut funktioniert, ist einiges an Vorarbeit nötig, sagt Alexander Seidmann, der selbst im vierten Semester Wirtschaftswissenschaften (WiWi) studiert.

Mit seiner digitalen Lernplattform „Red Thread“, die zum Sommersemester 2019 startet, möchte er den WiWi-Studenten der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) die Vorbereitung erleichtern. Pro Modul bietet Red Thread einen Kurs an, der von Studenten entworfen wurde, die das Modul selbst vor kurzem mit der Note 1,7 oder besser abgeschlossen haben.

„Spart Nerven und ermöglicht bessere Leistungen in weniger Zeit“ – Alexander Seidmann, Red Thread

Mit Hilfe verschiedener Medien, wie beispielsweise Bildern, Grafiken, Zusammenfassungen oder Videos werden die klausurrelevanten Informationen erklärt. Das gelernte Wissen kann dann durch passende Übungsaufgaben überprüft und gefestigt werden. So sparen die Studenten das Zusammenfassen der Lerninhalte und das Heraussuchen von klausurähnlichen Aufgaben und Lösungen und können direkt mit dem Verstehen, Auswendiglernen und Wiederholen des Stoffs beginnen. „Eine digitale Lernplattform spart dir Nerven, sehr viel Zeit und im Vergleich zu anderen Weiterbildungsmöglichkeiten auch Geld und ermöglicht somit Studenten bessere Leistungen in weniger Zeit“, sagt Seidmann.

Gutscheincodes zum Semesterstart

Eines der besonderen Herausstellungsmerkmale von Red Thread ist laut Seidmann, dass die Inhalte speziell auf die JGU und die jeweiligen Module abgestimmt sind. Er kann sich vorstellen, das Angebot nach einer Testphase auch auf weitere Studienfächer und Universitäten auszuweiten. „Allerdings werden wir das nicht tun, bis die Studenten mit unserem derzeitigen Angebot zufrieden sind“, so Seidmann.

Über ein Jahr habe er gemeinsam mit zwei Webdesignern der Mainzer Firma „Digital Leap“ und Werkstudenten an der Entwicklung von Red Thread gearbeitet. Die Kurse „Empirische Wirtschaftsforschung“, „Recht“, „Mikro I“ und „Externes Rechnungswesen“ seien bereits fertiggestellt, für die restlichen Module des Sommersemesters würden noch Kursersteller gesucht.

Für 20 Euro monatlich können alle verfügbaren Kurse belegt werden. Seidmann kündigt zudem zum Semesterstart Gutscheincodes für einen kostenlosen Probemonat an.

JGU bewertet Red Thread kritisch

Die Uni Mainz steht indes digitalen Lernplattformen wie Red Thread kritisch gegenüber. Laut JGU-Sprecherin Petra Giegerich sind solche Angebote nur beschränkt für universitäre Lernansprüche geeignet, da sie ausschließlich auf gute Klausurergebnisse und nicht auf langfristiges Lernen ausgerichtet sind. „Das Konzept von Lehren und Lernen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zielt nicht darauf ab, dass Studierende allein auf die Klausuren hin lernen“, so Giegerich. Digitale Lernplattformen stünden „einem modernen Ansatz von gutem und tiefem Lernen klar entgegen“, so Giegerich.

Gegen einen Austausch von Wissen unter Studierenden oder gegen das gemeinsame Lernen spreche aber natürlich nichts. Für Mathematik-Studenten organisiert der Fachbereich 08 zum Beispiel eine Lernwerkstatt. Auch durch entsprechende Räumlichkeiten fördere die JGU den Austausch zwischen den Studierenden, beispielsweise stünden zum Sommersemester neue Lernräume im Gebäude der Rechts- und Wirtschaftswissenschaft zur Verfügung, so Giegerich.

Auch durch das Einbeziehen elektronischer Medien solle das Lehrangebot der JGU ausgeweitet und verbessert werden, erklärt Giegerich. „Der Fokus der JGU liegt dabei aber klar im Bereich Blended Learning, in der Kombination von digitalen Angeboten und Präsenzveranstaltungen.“ (mm)

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