Hassmails und 9Gag-Post: Ärger wegen Stellenausschreibung des Frauenreferats

Hassmails und zahlreiche Kommentare - das waren die Reaktionen auf eine Stellenausschreibung des AlleFrauenReferats der Uni Mainz. Nun hat das Referat Stellung dazu bezogen.

Hassmails und 9Gag-Post: Ärger wegen Stellenausschreibung des Frauenreferats

Zwei hauptamtliche Angestellte für die Bibliothek und eine Reinigungskraft - das suchte das „autonome AlleFrauenReferat“ der Uni Mainz. Eine Ausschreibung sollte potenzielle Bewerber auf diese Stellen bringen. Was dann folgte, waren Hassmails und Kommentare auf der Online-Plattform „9Gag“.

Doch warum? In ihrer Stellenausschreibung wies das Referat, das sich bei „queer-feministischen, lesbischen und frauenzentrierten Themen“ sowie gegen Diskriminierung und für Gleichstellung einsetzt, darauf hin, dass „die Frauenbibliothek ein sicherer Raum für Frauen, Trans- und Inter-Personen sein möchte“ und man deshalb keine Bewerbungen von „Cis-Männern“ berücksichtigen könne. „Cis“ bedeutet hierbei das Gegenteil von „trans“, meint also Menschen, die sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, identifizieren.

Dieser Text wurde samt E-Mail-Adresse des Referats auf „9Gag“ hochgeladen, einer Online-Plattform, auf der Nutzer Bilder, GIFs und Videos teilen und kommentieren. 100 Kommentare sammelten sich bisher unter dem Post. „Kann man als Mann eine Diskriminierungsklage durchbringen?“, fragt ein Nutzer. „Ich fühle mich als ‘Cis-Mann’ diskriminiert. Aber da ist es was anderes vermutlich“, schreibt ein anderer. Und einer meint: „Glücklicherweise gibt es keine ‘Cis-Männer’, von daher kann sich jeder bewerben.“ Darüber hinaus erreichten das Referat zahlreiche Mails, von denen mindestens eine zur Anzeige gebracht werde, so das Frauenreferat in einem Facebook-Post.

Das sagen Frauenbibliothek und das „AlleFrauenReferat“

In diesem Facebook-Post beziehen Frauenbibliothek und -referat auch noch einmal gemeinsam Stellung. Es habe die klare Absicht gegeben, das Referat wie die Frauenbibliothek mit dem Post „öffentlich zu diffamieren und zu attackieren sowie zur weiteren Diskreditierung und Schmähung einzuladen“, schreiben die Verantwortlichen. „Die Kommentare auf ‘9Gag’ sowie die Hassmails, die das Referat nach dem Upload erhielt, enthalten zahlreiche beleidigende, sexistische und besonders transfeindliche Aussagen. Wir distanzieren uns hiermit mit Nachdruck von jeglichen Aussagen solcherart und verurteilen diesen Hass entschieden.“

Die Frauenbibliothek verstehe sich als „Safer Space, als Raum, zu dem nur Frauen, nicht-binäre, Trans- und Interpersonen Zugang haben, um sich frei austauschen, denken und sprechen zu können“, heißt es weiter. Man könne „Cis-Männern“ den Zugang zur Bibliothek nicht gestatten oder sie bei den Bewerbungen um die Stellen berücksichtigen. Mehrfach sei der Vorwurf formuliert worden, hierbei handele es sich um Diskriminierung gegen „Cis-Männer“. „Menschen, die strukturell diskriminiert werden, erleben tagtäglich Diskriminierung in allen Lebensbereichen.“ Es sei besorgniserregend, dass die Erschließung „eines einzigen Raumes der Universität für Menschen, die unter sexistischer Diskriminierung leiden, so viele bedrohliche Reaktionen nach sich zieht“.

Die Hauptamtlichen betonen zum Schluss des Posts, dass Medien der Frauenbibliothek von allen Interessierten ausgeliehen werden können. „’Cis-Männer’ können uns via Mail oder Social Media kontaktieren, wir unterstützen bei der Recherche und organisieren eine Medienübergabe.“ (nl)

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