Die traurige Geschichte hinter dem Gedenkstein in Finthen

Mitten im Mainzer Stadtteil Finthen, nicht weit vom Bürgerhaus entfernt, liegt der Rodeneck-Platz. Dort steht am Wegesrand ein großer Gedenkstein, auf dem die Worte „Judith +9.9.1989“ zu lesen sind. Was passierte hier vor fast 30 Jahren?

Die traurige Geschichte hinter dem Gedenkstein in Finthen

Am Rodeneck-Platz in Finthen ist er nicht zu übersehen: Zwischen Büschen und Sträuchern, direkt neben dem Fußweg, steht ein großer grauer Stein mit der Aufschrift „Judith +9.9.1989“. Weitere Hinweise gibt es nicht. Was passierte damals, vor rund 30 Jahren, auf dem Rodeneck-Platz in Finthen?

Merkurist-Leserin Manuela erinnert sich genau an die traurige Geschichte, die mit dem Gedenkstein verbunden ist. „Ich war mit Judith befreundet, wir gingen zusammen zur Berufsschule“, erzählt sie. Das war etwa 1986, damals waren die beiden 15 Jahre alt. Nach der Lehre verloren sich die Freundinnen aus den Augen. Drei Jahre später dann der Schock: Judith ist tot.

Tragischer Unfall

Der Unglücksfall erschütterte damals Finthen und ganz Mainz. „Judith war in der Finther Kerbejugend aktiv. Sie half an diesem 9. September 1989 mit, den Kerbebaum aufzustellen.“ Was dann passierte, erfuhr Manuela von ihrem Freund, der damals bei der Feuerwehr Finthen und an diesem Abend im Einsatz war. „Tragischerweise fiel der Baum um und genau auf Judith“, so Manuela.

„Das war wirklich ein dramatisches Ereignis“, erinnert sich auch Jörg Heck. Er war damals ein kleiner Junge und zufällig vor Ort, als die Rettungskräfte eintrafen. Heute ist er stellvertretender Wehrführer der Finther Feuerwehr. „Die junge Frau verstarb noch im Rettungswagen.“ Wie sich Manuela erinnert, versammelten sich am Samstagabend Judiths Jahrgang und andere Kerbejahrgänge auf dem Rodeneck-Platz. „Die Kerbejugend saß zusammen und trauerte gemeinsam.“ Die Veranstaltungen am Sonntag wurden abgesagt.

Gedenken an Judith

Auch in den Jahren danach war die Finther Kerb nicht mehr dieselbe. „Bis heute gibt es vor Beginn der Kerb einen Impuls am Freitagnachmittag - mit Gedenken an Judith und andere Menschen, die nicht mehr mit uns zusammen sein können“, sagt Julia Müller vom Finther Kerbeverein. Der Impuls werde vom Jugendliturgiekreis der Gemeinde St. Martin in Finthen vorbereitet. „Sie geben sich da immer sehr viel Mühe. Das ist toll.“ In Finthen sei es zudem üblich, dass jeder Jahrgang einen eigenen Kerbe-Pulli mit Motto, Logo und einer Jahrgangsfarbe erhalte. „Judith war damals im 'roten Jahrgang'. Daher ist die Farbe rot für uns in Finthen die 'verbotene Jahrgangsfarbe'. Sie steht nicht mehr zur Auswahl.“

Folgen hatte das Unglück auch für die Sicherheit. Wurde damals der Kerbebaum noch von den Jahrgangsmitgliedern selbst aufgestellt, werden sie seitdem vom Mainzer Umweltamt unterstützt. „Jeden Kerbesamstag kommen mindestens zwei Männer, die uns beim Stellen des Baumes behilflich sind. Hierfür sind wir sehr dankbar“, so Julia Müller.

Gedenkstätte wird zur Kerb hergerichtet

Wegen der Baustelle am Bürgerhaus sei der Gedenkstein momentan etwas in den Hintergrund gerückt. Das soll sich aber bald ändern. „Zur Kerb wird die Gedenkstätte wieder von Verein und Jahrgang hergerichtet und sobald die Baustelle nicht mehr vorhanden ist, auch dauerhaft wieder angelegt“, so Julia Müller. Das sei auch dem Ortsvorsteher Herbert Schäfer ein großes Anliegen.

Zu Judiths Eltern habe Julia Müller bis heute noch Kontakt. „Sie freuen sich darüber, dass trotz des schlimmen Unglücks die Kerb erhalten geblieben und die Tradition durch den Jahrgang weitergeführt wird.“ Bis vor ein paar Jahren seien die Eltern noch zum Gedenken gekommen und hätten allen Beteiligten viel Spaß und Erfolg gewünscht.

„Sie war so ein netter und lustiger Mensch“ - Freundin Manuela

Auch Judiths Freundin Manuela geht noch jedes Jahr auf die Finther Kerb. Wenn sie an dem Gedenkstein vorbeiläuft, kommen die alten Erinnerungen wieder hoch. „Wir haben zusammen viel Blödsinn gemacht, die Berufsschule öfter geschwänzt, als dass wir da waren“, sagt Manuela. „Judith war so ein netter und lustiger Mensch. Ich vermisse sie.“

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