EM-Held Gosens wäre fast Polizist in Rheinland-Pfalz geworden

Wenn Deutschland heute Abend gegen Ungarn um den Einzug ins Achtelfinale spielt, werden Millionen Fußballfans auch Robin Gosens zujubeln. Doch beinahe wäre er gar nicht Fußballprofi geworden – sondern Polizist in Rheinland-Pfalz.

EM-Held Gosens wäre fast Polizist in Rheinland-Pfalz geworden

Kein anderer begeistert die deutschen Fußballfans bei dieser EM bisher so wie Robin Gosens. Der linke Außenverteidiger von Atlanta Bergamo überzeugte im Spiel gegen Portugal mit Vorlagen, einem Tor und einer insgesamt herausragenden Leistung. Abseits des Platzes spricht er Klartext und erinnert mit seinen Sprüchen an Weltmeister Lukas Podolski. Was viele Fußballfans ebenfalls fasziniert: Gosens hat bisher eine völlig untypische Karriere hinter sich.

Der Linksverteidiger war weder in einer Nachwuchsakademie noch hat er jemals in der Bundesliga gespielt. Noch im April 2012 spielte er mit 17 Jahren in der A-Jugend des VfL Rehde in der Niederrheinliga – bis er schließlich nach einem Match von einem Scout des niederländischen Vereins Vitesse Arnheim angesprochen wurde. Am Abend vorher hatte Gosens noch in der Disco gefeiert, wie er in seiner Biographie („Träumen lohnt sich: Mein etwas anderer Weg zum Fußballprofi“) schreibt. „’Okay‘, dachte ich, ‚der Gute meint das ernst. Jetzt muss ich irgendwie versuchen zu kaschieren, dass ich bis sechs Uhr feiern war und noch immer Restalkohol im Blut habe.’“

Traumberuf: Polizist

Gosens konnte seine Fahne verbergen und wechselte noch 2012 in die U19 von Vitesse. Nach dem Zwischenstopp bei Heracles Almelo schaffte er 2017 den Sprung nach Italien zu Atalanta Bergamo. Jetzt ist er mit 26 Jahren einer der Stars in der deutschen Nationalmannschaft. Dabei hätte er fast eine ganz andere Karriere eingeschlagen. Als Polizist.

„Ich wollte immer Polizist werden. Das war mein Traum. Der Traum“, schreibt er in seiner Biographie. „So wie andere Kinder Feuerwehrleute oder Fußballer cool fanden, bewunderte ich meinen Opa Klaus. Er war Polizist und nahm mich oft in seinem Streifenwagen mit, so einem großen Van, im klassischen Polizeigrün.“ Kurz vor dem Abi sah Gosens Plan dann so aus: „Grundausbildung, Hundertschaft und dann Kripo.“

Im Abiturjahr schickte er Bewerbungen raus an die Polizei in Nordrhein-Westfalen, im Saarland und in Rheinland-Pfalz. In NRW wurde er gar nicht erst eingeladen – offiziell wegen einer „Beinlängen-Differenz“. Anders in Rheinland-Pfalz: Hier wurde er zum Einstellungstest eingeladen und fuhr hin. In seiner Biographie schreibt Gosens: „Dieser Test besteht zunächst aus Theorie mit Mathematik und dem ganzen Stoff, allerlei anderem Kram und einer medizinischen Untersuchung. Das war alles kein Problem für mich…“

Hohe Durchfallquote

So geht es nicht allen Bewerbern. Wie Fabian Emmel, Sprecher der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz (HDP) gegenüber Merkurist sagt, fallen im Schnitt etwa ein Drittel aller Bewerber durch das Auswahlverfahren. Die Bewerber durchliefen heute alle einen schriftlichen Eignungstest am PC. Dieser beinhalte einen Intelligenz-,Konzentrations- und einen Sprachverständnistest. Danach folgen ein Sporttest sowie ein strukturiertes Interview. Der zweite Testtag findet drei bis vier Wochen später statt und besteht aus der polizeiärztlichen Untersuchung.

2012 sei das Verfahren noch etwas anderes gewesen und mit dem heutigen nicht mehr vergleichbar, so Emmel. Gosens hat die Prüfung damals entweder in Mainz-Hechtsheim, Enkenbach-Alsenborn oder Wittlich-Wengerohr gemacht. Das geht aus seiner Biographie nicht hervor, die HDP kann dazu aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Angabe machen. Nach der Prüfung können alle Bewerber angeben, in welchem Wunschpräsidium sie später eingesetzt werden möchten. Gut möglich also, dass Gosens bei der Mainzer Polizei hätte landen können.

In seiner Biographie schreibt er, dass ihm noch ein psychologischer Test bevorgestanden wäre. Doch dazu kam es nicht mehr. Stattdessen folgte das Probetraining bei Vitesse Arnheim und später der Durchbruch in Bergamo. Für die rheinland-pfälzische Polizei vielleicht ein großer Verlust – nicht aber für Millionen Fußballfans.

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