Ist die B9 eine Risikostraße?

Gleich zwei schwere Unfälle auf der B9 bei Nierstein innerhalb von drei Tagen. Ist die Bundesstraße gefährlicher als andere? Das sagt die Mainzer Polizei.

Ist die B9 eine Risikostraße?

Zwei schwere Unfälle an einem Wochenende - und beide ereigneten sich auf der B9 bei Nierstein. Am vergangenen Freitagmorgen wollte ein Motorradfahrer zwischen Nierstein und Nackenheim eine Fahrzeugkolonne auf der Bundessstraße überholen und verlor dabei die Kontrolle über seine Maschine. Er kollidierte mit einem entgegenkommenden Lastwagen und starb bei dem Unfall (wir berichteten).

Drei Tage später, am Pfingstmontag, kam es bei Nierstein erneut zu einem schweren Unfall. Ein 51-jähriger Porsche-Fahrer fuhr am Abend von einem Parkplatz am Niersteiner Ortsausgang auf die B9 und wollte dort trotz durchgezogener Linie wenden. Dabei übersah er das Auto eines 52-Jährigen. Die Autos stießen zusammen, zwei Menschen wurden verletzt.

Kracht es auf der B9 häufiger?

Viele Leser haben den Eindruck: Auf der B9 kracht es häufiger als anderswo. „Immer wieder B9“, kommentiert ein User auf Facebook, eine andere Leserin schreibt: „Die B9 ist die Straße der Bekloppten, sorry, aber da müsste man mal nen Blitzer montieren.“ Doch haben die Leser recht? Ist die B9 eine besonders gefährliche Straße?

Der Pressesprecher der Mainzer Polizei, Rinaldo Roberto, sagt auf Merkurist-Anfrage: „Das ist schwer zu beantworten, da man dafür eine Vergleichsstraße brauchte, die genauso aufgebaut ist und durch die gleichen Ortschaften führt.“ Auf dem Abschnitt der B9, für den das Polizeipräsidium Mainz zuständig ist, also zwischen Worms und St. Goar, gab es in diesem Jahr bisher 218 Unfälle. In selben Zeitraum waren es im vergangenen Jahr 200 und im Jahr davor 214 Unfälle.

Besondere Gefahrenstellen gibt es laut den Polizei-Statistiken nicht. „Dass es bei Nierstein mehr Unfälle gibt als anderswo, ist nur ein subjektiver Eindruck“, so Roberto. Die beiden Unfälle, die sich am Wochenende ereigneten, hätten auch an anderen Stellen und Straßen passieren können. „Das waren keine B9-spezifischen Unfälle.“

Motorradfahrer häufig beteiligt?

Für die 218 Unfälle auf der B9 in diesem Jahr habe es auch sehr unterschiedliche Ursachen gegeben. In 72 Fällen wurde nicht genügend Abstand eingehalten, 20-mal wurde die Vorfahrt missachtet, in zwölf Fällen war überhöhte Geschwindigkeit die Ursache, elf Unfälle sind auf Fehler beim Überholen zurückzuführen. Den Rest ordnet die Polizei unter „sonstige Fehler“ ein, dazu zählt etwa die Ablenkung durch das Handy.

Auch ein weiterer subjektiver Eindruck hält der statistischen Überprüfung nicht stand: nämlich, dass Motorradfahrer besonders häufig an Unfällen auf der B9 beteiligt seien. Bei den 218 Unfällen in diesem Jahr trifft das nur siebenmal zu - also in 3 Prozent der Fälle. Auch in den vergangenen beiden Jahren ist die Anzahl der beteiligten Motorradfahrer „in einem ganz niedrigen Bereich“. Dennoch sagt Roberto: „Generell haben Motorradfahrer auf Landstraßen ein höheres Gefahrenrisiko.“ (df)

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