Was passiert mit dem ehemaligen Wald in Marienborn?

Zu Beginn des Jahres wurde der kleine Wald neben dem Wertstoffhof in Marienborn zum Unmut vieler Anwohner gerodet. Nun fragen sich diese, wo die angekündigte Blütenwiese bleibt.

Was passiert mit dem ehemaligen Wald in Marienborn?

Im Januar wurde der kleine Wald neben dem Wertstoffhof Nahe der A63 in Marienborn gerodet, um dort eine Ausgleichsbepflanzung vorzunehmen (wir berichteten). Ralf Peterhanwahr, Pressesprecher der Stadt, sagte im Februar gegenüber Merkurist, dass auf der Fläche des ehemaligen Waldes eine Blumenwiese geplant sei.

Viele Mainzer können die Gründe für die Rodung sowie die Pläne für die Neubepflanzung auch heute noch nicht ganz verstehen, wie zum Beispiel Merkurist-Leser Dr. Burkhard Renk: „Hier in der Bevölkerung ist es unverständlich, einen Wald zu roden, den Robinien dominierten, jetzt neun (neue) Bäume zu pflanzen, zumal Robinien wertvolle Bienennahrung sind (Akazienhonig) in einer Zeit wenn sonst nicht mehr viel blüht.“ Außerdem fragt sich Renk, wann mit der angekündigten Blütenwiese zu rechnen ist.

Warum wurde der Wald gerodet?

Für den Bau des Wertstoffhofs in Marienborn und die damit verbundene Flächenversiegelung wurde 2017 bereits ein Teil der Grünfläche an der A63 gerodet. Als Ausgleichsfläche für diese erste gerodete Fläche wurde der angrenzende kleine Wald mit den Robinien ausgewählt. Um die Ausgleichsbepflanzung vorzunehmen, wurde der Wald im Januar gerodet.

Wie Marc André Glöckner, Pressesprecher der Stadt gegenüber Merkurist sagt, sei dort ein extrem dichter, junger Spontanaufwuchs von Robinien gerodet worden. Laut Glöckner verdrängt diese nichtheimische Baumart heimische Bäume, Sträucher und Wiesen nicht nur durch ihr sehr rasches Wachstum, sondern auch durch Abgabe wachstumshemmender Substanzen über das Wurzelgeflecht. „Damit können andere, vor allem einheimische Pflanzen sich nicht selbst einsamen oder aufwachsen“, sagt Glöckner weiter.

Auch für die Insektenwelt seien die Robinien problematisch gewesen: Denn Wildbienen und auch Schmetterlinge seien auf eine artenreiche Mischung von Kräutern, Wildblumen, Gräsern, heimischen Sträuchern und Bäumen als Nahrungs- und Lebensraum angewiesen. Auch auf Vögel, Reptilien und weitere Tiere hätten die Robinien sich laut Glöckner negativ auswirken können, da Insekten wiederum den Anfang der Nahrungskette darstellten.

Deshalb entschied sich das Grün- und Umweltamt für die Rodung des kleinen Waldes.

Blütenwiese geplant

Die Rückdrängung des Robinienbestandes und die anschließende Herrichtung einer artenreichen Wiese mit einzelnen Bäumen stellt laut Glöckner eine „fachlich sinnvolle Aufwertungsmaßnahme für den Arten- und Biotopschutz dar“.

Inzwischen seien im ehemaligen Marienborner Wald entsprechend den Festsetzungen des Fachbeitrags Naturschutz neun einheimische Bäume gepflanzt worden. „Dabei bietet allein die verwendete Baumart Feldahorn mehr als 20 verschiedenen Schmetterlingsarten Nahrung, die anderen Tierarten nicht eingerechnet“, sagt Glöckner.

Zur Erhöhung der Artenvielfalt beziehungsweise Biodiversität sei im betroffenen Gebiet des Wertstoffhofes eine kräuterreiche Wiese mit einzelnen Bäumen erforderlich. „Ein zu hoher Baumbestand wäre diesem hinderlich“, so Glöckner weiter.

Fertigstellung der Wiese

Die Büsche und Bäume seien im April gepflanzt und die Wiese im Mai eingesät worden. „Es erfolgt die fachgerechte fünfjährige Fertigstellungs- und Entwicklungspflege von Pflanzungen und Saaten, im Anschluss daran die dauerhafte Unterhaltung“, sagt Glöckner. Erste Entwicklungszeichen der künftigen Wiese können voraussichtlich zum Sommerende dieses Jahres zu sehen sein. Die Entwicklung zu einer richtigen Wiese dauere jedoch mindestens fünf Jahre. Je nachdem, wie hoch die Belastung des Bodens durch die Robinien bereits gewesen sei, könne es aber auch länger dauern. Laut Glöckner wird sich die Stadt Mainz „als Eigentümerin der Fläche“ um die Pflege kümmern. (df)

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