Rhine-Cleanup findet am 14. September statt

Bei der Premiere 2018 waren 350 freiwillige Helfer dabei, um das Rheinufer von Laubenheim bis Mombach zu säubern. Ein fünfköpfiges Team organisiert den Tag.

Rhine-Cleanup findet am 14. September statt

Eine Möwenmutter, die ihr Junges mit einer abgebrannten Zigarettenkippe füttert. Diese Szene erschütterte Anne Stege heftig. Weitere Schreckensbilder aus den Medien kamen hinzu. Etwa von Müllstrudeln im Pazifik, die fast fünfmal so groß sind wie Deutschland. Oder von gestrandeten Walen, die elendig mit einem Magen voller Plastik verenden mussten.

Stege ist schon seit Jahren private Müllsammlerin und in den einschlägigen Netzwerken vertreten. Im August 2018 erfuhr die 65-Jährige von einem länderübergreifenden Projekt, dem sogenannten „Rhine-Cleanup-Tag“. Der Initiator dahinter, Ingo Lentz, hat 20 Jahre in Düsseldorf den Dreck-weg-Tag organisiert. Doch dann wollte er „größer denken“ und sagte der Umweltverschmutzung am Rhein den Kampf an. Rund eine Million Kilogramm Müll werden jährlich allein mit dem Rhein in die Nordsee gespült.

Lentz schrieb damals 100 Städte in Deutschland an, um Mitstreiter zu rekrutieren. Nach einem Aufruf der Allgemeinen Zeitung bildete sich spontan eine Fünfergruppe, zu der Anne Stege gehört. „Wir hatten den Rhein in fünf Abschnitte aufgeteilt und die Organisation auf verschiedene Schultern verteilt“, erzählt Stege. Neben der Müllsammlerin gehören noch Carsten Döbel, Michael Lange, Willi Kohlmann und Michael Kohlhas zum harten Kern. 350 Mainzer nahmen an der Premiere teil. In den insgesamt fünf Ländern, durch die der 1232 Kilometer lange Fluss fließt, wurden insgesamt sogar 10.000 Helfer aus rund 60 Kommunen gezählt. Gesammelt wurden circa 100 Tonnen Müll.

Entsorgungsbetrieb holt den gesammelten Müll ab

In diesem Jahr wollen die Veranstalter am Samstag, 14. September, von 10 bis 13 Uhr, die Zahlen aus dem Vorjahr verdoppeln. Die Mainzer Orga-Gruppe spielt beim Rekrutieren weiterer Gemeinden eine zentrale Rolle, sagt Initiator Ingo Lentz stolz: „Sie sind überdurchschnittlich aktiv.“ Willi Kohlmann und Michael Kohlhas wollten die Kette entlang des Rheins möglichst flächendeckend schließen. Also organisierten die beiden zwei Informationsveranstaltungen in Boppard und Guntersblum. Eingeladen waren Vertreter der Kommunen, die sich der Aktion gegenüber auch aufgeschlossen zeigten. „Letztlich muss sich vor Ort immer jemand finden, der die Organisation in die Hand nimmt“, sagt Kohlmann. Meistens seien Privatpersonen oder Umweltorganisationen die zuverlässigsten Ansprechpartner.

In Mainz hat sich wie im vergangenen Jahr der Entsorgungsbetrieb bereit erklärt, die Müllsäcke an vereinbarten Sammelpunkten abzuholen. Die Sparkasse Mainz spendet 1500 Euro. Von dem Geld sollen etwa Westen, Handschuhe und Greifzangen angeschafft werden.

Für 2019 konnte auch Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) als Schirmherr gewonnen werden. „Die Damen und Herren Politiker haben inzwischen gemerkt, dass sie an dem Thema nicht mehr vorbeikommen“, sagt Kohlhas. Das sei auch der „Fridays-for-Future-Bewegung“ zu verdanken, meint er. „Wenn die jungen Leute alle bei uns mitmachen, dann ist aber was los.“

Während 2018 der Fokus auf großen Teilen lag, möchte die Mainzer Gruppe dieses Mal den Schwerpunkt einer besonders umweltschädlichen Müllsünde widmen: Zigarettenkippen. Tatsächlich besteht ein Drittel des unachtsam weggeworfenen Mülls in Deutschland aus Zigarettenkippen. „Sie haben die Problematik, dass sie schrecklich giftig sind“, weiß Stege. „Denn in ihren Filtern befinden sich 7000 giftige Chemikalien. 50 davon sind nachweislich krebserregend.“ Diese landen dann mit dem Regen im Grundwasser und werden von den Pflanzen, die als Nahrungsmittel dienen, wieder aufgezogen. „Man hat ja auch schon bei einigen Menschen im Darm Mikroplastik nachgewiesen“, sagt Stege. „Und was das mit unserem Körper anrichtet, das wissen wir noch nicht.“

Freiwillige können sich per E-Mail anmelden: germic@ t-online.de. Zur Facebook-Gruppe geht's hier lang. (df)

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