Verkehrschaos in Bretzenheim

Seit Dezember 2018 ist die Überleitung von der A63 auf die A60 nach Bingen gesperrt. Eine Umleitung ist ausgeschildert, doch viele Autofahrer halten sich nicht daran und kürzen die Strecke ab. Das führt in Bretzenheim mittlerweile zu Chaos.

Verkehrschaos in Bretzenheim

Ortsvorsteherin Claudia Siebner (CDU) und viele Bretzenheimer sind sauer. Seit mehr als drei Monaten kommt es in der Haifa Allee auf Höhe der Auffahrt zur A63 beziehungsweise zur A60 zu massiven Verkehrsproblemen.

Der Grund dafür ist die seit Dezember des vergangenen Jahres gesperrte Überleitung von der A63 auf die A60.

Anstatt die ausgewiesene Umleitung über die Ausfahrt Alte Ziegelei zu nutzen, um unter der Brücke wieder auf die A63 zu kommen, fahren viele Autofahrer bereits eine Ausfahrt vorher ab. Dabei fahren einige dann aber nicht am Gutenberg-Center vorbei, um wieder auf die Autobahn zu gelangen, sondern biegen nach wenigen Metern verkehrswidrig nach links auf einen Wirtschaftsweg ab, der direkt an der Auffahrt liegt. Wieder andere fahren ein paar Meter weiter, um in einem Wohngebiet (Spielstraße Färberweg) zu wenden, das nahe an der Auffahrt liegt.

Lage morgens besonders schlimm

Für die Ortsvorsteherin Siebner sind das untragbare Zustände. „Die ausgeschilderte Umleitung scheinen die Autofahrer entweder nicht zu bemerken oder sie ignorieren sie“, so Siebner im Gespräch mit Merkurist. Anders könne sie sich die aktuelle Situation nicht erklären. Nach ihrer eigenen Zählung verursachen jeden Morgen über 70 Fahrzeuge während des Berufsverkehrs Chaos. „Entweder nehmen sie Abkürzungen über die Wirtschaftswege oder sie fahren viel zu schnell in den verkehrsberuhigten Bereich und wenden dort.“ Manch einer mache sogar einfach mitten auf der Straße einen „U-Turn“, eine 180 Grad Drehung, so Siebner.

Vor allem zwischen 7 und 8 Uhr morgens wäre die Lage besonders schlimm, ebenso abends während der Hauptverkehrszeit. Den Lösungsvorschlag einiger Fahrer, den Wirtschaftsweg einfach auch offiziell freizugeben, sieht die Ortsvorsteherin sehr kritisch. Das sei weder rechtlich noch praktisch möglich.

Mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) und der Polizei hätte man sich schon beraten, sagt Siebner. Die nun angebrachten Poller, die den Zugang zum Wirtschaftsweg erschweren sollen, hätten aber nur dazu geführt, dass noch mehr Autos in der verkehrsberuhigten Straße wenden.

Autofahrer uneinsichtig

Die Pressestelle der Stadt Mainz sagt gegenüber Merkurist, dass man bereits einiges getan hätte, um dieses Problem zu lösen — sowohl durch Beschilderung als auch bauliche Maßnahmen sowie Kontrollen der Polizei. Ein Problem scheine jedoch zu sein, dass sich vor allem ortsfremde Fahrer hauptsächlich durch ihre Navigationsgeräte leiten ließen und Schilder und Umleitungen übersehen, wie die Pressestelle vermutet. Diese Annahme decke sich auch mit den Beobachtungen der Anwohner, die nach eigener Aussage vor allem auswärtige Nummernschilder beobachtet hätten, sagt Ortsvorsteherin Siebner.

Unabhängig davon macht Claudia Siebner und die Anwohner eines besonders wütend: die Reaktionen der Autofahrer. Viele seien schroff und reagierten beleidigend auf den Protest der Anwohner. „Ich habe mit einigen Autofahrern gesprochen, habe mich dabei unter anderem den Pkw- und Lkw-Fahrern in den Weg gestellt, so Siebner. Den Antwortton und die Wortwahl der Gespräche wolle sie aber nicht wiedergeben. Auch mangle es an der Einsichtsfähigkeit der Fahrer.Wenn die Sperrung nur ein paar Wochen oder Monate bliebe, wäre das ja noch auszuhalten, sagt Siebner. „Aber zwei Jahre lang, wie der LBM plant, das geht nicht.“ Man wolle aber nicht aufgeben.

Unfälle habe es bisher immerhin noch nicht gegeben. Dennoch ereigneten sich tagtäglich sehr gefährliche Situationen für Fußgänger, Radfahrer und Anwohner im verkehrsberuhigten Bereich Färberweg/ Gartengewann sowie auf dem Wirtschaftsweg. Wie Siebner glaubt, sei es deshalb nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Unfall geschieht. Am Dienstag (9. April) lädt die Ortsvorsteherin nun um 7 Uhr zu einem „Kaffeestopp im Verkehrschaos“ ein, damit sich jeder selbst ein Bild von der Lage vor Ort machen kann. (mm)

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