Mainzer Handwerker unzufrieden: „Arbeiten wird schwerer gemacht“

Die Handwerksbetriebe in Mainz schätzen die Stadt als Standort, doch die Rahmenbedingungen werden zunehmend kritisch gesehen. Eine neue Umfrage zeigt, wo die Probleme liegen.

Mainzer Handwerker unzufrieden: „Arbeiten wird schwerer gemacht“

Die Mainzer Handwerksbetriebe schätzen ihren Standort, sehen die wirtschaftlichen und kommunalpolitischen Bedingungen aber immer kritischer. Das zeigt eine aktuelle Befragung der Handwerkskammer Rheinhessen. Demnach sind zwar rund 54 Prozent mit Mainz als Betriebsstandort zufrieden, gleichzeitig sagen aber 53 Prozent, dass sich die Bedingungen in den vergangenen drei Jahren verschlechtert haben.

„Die Betriebe wollen in Mainz wirtschaften und sehen die Stärken des Standorts. Gleichzeitig erleben sie zunehmend Rahmenbedingungen, die ihnen das Arbeiten schwerer machen. Genau hier muss Kommunalpolitik ansetzen“, sagt Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen.

Verkehr und Steuern als größte Belastung

Zu den größten Belastungen für die Betriebe zählen laut der Umfrage der Verkehr und Baustellen (66 Prozent), die Gewerbesteuer und kommunale Abgaben (61 Prozent) sowie Bürokratie und Genehmigungsverfahren (55 Prozent). Besonders beim Verkehr ist die Kritik groß: Rund zwei Drittel fühlen sich durch Staus und Verkehrsüberlastung stark beeinträchtigt. Ähnlich viele beklagen fehlende Parkmöglichkeiten.

Auch die bereits zum 1. Januar 2025 erhöhte Gewerbesteuer hat spürbare Folgen: 81 Prozent der Befragten geben an, dass die Erhöhung finanzielle Auswirkungen auf ihren Betrieb hatte. 65 Prozent berichten von weniger finanziellem Spielraum, fast die Hälfte reduziert oder verschiebt deswegen Investitionen. Die Befragung fand dabei noch vor der jüngsten Ankündigung statt, die Gewerbe- und Grundsteuer in Mainz erneut zu erhöhen. „Wer einen attraktiven Wirtschaftsstandort will, darf die Belastungsschraube nicht immer weiter anziehen“, warnt Anja Obermann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Rheinhessen.

„Klarer Auftrag an die Kommunalpolitik“

Auch bei der Stadtverwaltung sehen die Betriebe Verbesserungsbedarf. Rund ein Drittel bewertet die bisherigen Erfahrungen als negativ, nur etwa zwölf Prozent als positiv. Kritisiert werden vor allem die Dauer von Bearbeitungen, die digitalen Verfahren und das mangelnde Verständnis für die Belange des Handwerks.

Mehr als die Hälfte der Betriebe fühlt sich von der Mainzer Kommunalpolitik schlecht berücksichtigt. Als wichtigste Handlungsfelder nennen sie daher die Verbesserung von Verkehr und Erreichbarkeit, den Abbau von Bürokratie, mehr Park- und Ladeflächen sowie eine Senkung von Gewerbesteuer und kommunalen Abgaben. „Die Ergebnisse sind ein klarer Auftrag an die Stadtpolitik. Mainz braucht Betriebe, die investieren, ausbilden und Arbeitsplätze schaffen. Deshalb müssen ihre wirtschaftlichen Belange bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden“, erklärt Obermann.