Wieso für manche Mainzer die Welt eine Scheibe ist

Kann ein Sport ohne Schiedsrichter auskommen? Der einzige selbstregulierte Sport der Welt kann es: Ultimate Frisbee-Spieler diskutieren auf dem Feld, ob ein Foul vorliegt. Auch in Mainz gibt es Teams, die sich die Scheibe erfolgreich zuwerfen.

Wieso für manche Mainzer die Welt eine Scheibe ist

Für Pferdeliebhaber liegt das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde. Für Ultimate Frisbee-Spieler ist die Welt eine Scheibe. „Für beide Hobbys gilt, dass auf hohem Niveau viel Zeit und Geld investiert werden muss“, so Robin Jacoby, der in Mainz einer Anfängergruppe zeigt, wie die 175 Gramm schweren Scheiben am besten fliegen.

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Als Trainer des wettkampforientierten Mannschaftssports freut er sich dabei über windige Bedingungen: „Bei Wind fällt das Werfen schwerer, das ist gut, dann lernen wir mehr.“ Dass die Mainzer Ultimate Frisbee-Spieler des Vereins Feldrenner DiscSport viel gelernt haben, beweist ihr Erfolg: „In den 2000er Jahren erzielten wir die meisten Titel“, so Robin.

Deutscher Rekordmeister aus Mainz

Was Bayern München im Fußball ist, sind die Mainzer im Ultimate-Frisbee: Das Open-Team des Vereins, die Feldrenner, sind deutscher Rekordmeister. Sie blicken auf neun Meistertitel zurück. Eigentlich dürfen in der Open-Division Männer und Frauen in einem Team, das beim Frisbee aus sieben Sportlern besteht, spielen, aber: „Auf hohem Wettkampfniveau sind es in der Regel reine Herrenmannschaften“, so Robin. Vier weitere Mannschaften starten für den 1995 gegründeten Verein, so zum Beispiel die „Mainzelmädchen“, das Damen-Team. Die Mainzerinnen sind amtierender Deutscher Hallenmeister und wurden mehrfach als fairstes Team bei größeren Turnieren ausgezeichnet.

"Ehrgeiz darf niemals über dem Fair-Play stehen." - Robin Jacoby

Der ehrenhafte Umgang miteinander ist den Ultimate Frisbee-Spielern wichtig: „Das ist der fairste Sport der Welt. Ehrgeiz darf niemals über dem Fair-Play stehen“, sagt Robin, der unter anderem wegen dieses „Spirit“, also dem Ehrenkodex, vom Fußball zum Frisbee wechselte. Auch wenn es Ähnlichkeiten zum American Football gibt – bei beiden Sportarten gibt es am Ende des Feldes eine Endzone, in der durch Fangen des Wurfgeräts Punkte erzielt werden können – ist Frisbee dennoch körperlos. Raufereien sind nicht erlaubt und falls es doch zu einem Kontakt kommt, stoppen die Spieler kurz („Freeze“) und diskutieren, ob ein Foul vorliegt. „Diesen Sport betreibt ein besonderer Schlag von Leuten“, so Robin.

Spaßturniere mit Festival-Atmosphäre

Auch Kyo gehört zu diesen Leuten. Sie ist fasziniert von Ultimate: „Das ist nicht nur ein Sport, sondern auch ein Lebensstil“, sagt die 28-jährige, die auf dem Kunstrasenplatz der Uni zusammen mit den anderen Fortgeschrittenen trainiert. Als Nationalspielerin weiß sie von internationalen Turnieren zu berichten, etwa der Weltmeisterschaft in London letztes Jahr. Sie freut sich aber auch auf kleinere Spaßturniere, die in der Halle, auf dem Feld oder am Strand stattfinden: „Die Strand-Turniere haben oft Festivalatmosphäre“, sagt Robin. Gemeinsam mit der Gruppe verbringen die jungen Sportler ein ganzes Wochenende zusammen, zelten rund um die Wettkampffelder und fungieren als Zuschauer, da die Anzahl der Frisbee-Fans in Deutschland überschaubar ist.

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Trotzdem hat sich der in den Sechzigern unter amerikanischen Studenten aufgekommene Scheibenwurf vom Hippie-Hobby zum ernsthaften Wettkampfsport entwickelt. „Früher habe ich diesen Sport belächelt, heute weiß ich, wie anstrengend er ist“, sagt Moe. Er spielt in der Anfängergruppe im Rahmen des Hochschulsports der Uni Mainz. Wer sich weiterentwickeln möchte und über Sprintstärke und Kondition, aber auch Koordination, Taktik und Fairness verfügt, steigt in die Leistungsgruppe auf und kann schließlich dem Verein beitreten. „Dass Frisbee eine Randsportart ist, sehe ich als Möglichkeit: Die Einstiegshürde ist sehr gering. Wir schicken niemanden weg und wer gut ist, kann ziemlich schnell an Turnieren teilnehmen“, so Robin.

Wer sich für das Ultimate Frisbee-Training interessiert, findet hier weitere Informationen dazu.

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