Ukraine-Krieg: „Viele Menschen möchten ihre Häuser nicht verlassen“

Der „Ukrainische Verein Mainz“ will eigentlich die ukrainische Kultur und Tradition in Deutschland repräsentieren. Jetzt veranstalten die Mitglieder Demos gegen den Krieg in der Heimat und versuchen, aus dem Ausland heraus etwas zu bewegen.

Ukraine-Krieg: „Viele Menschen möchten ihre Häuser nicht verlassen“

„Alle sind in einem Angstzustand“, sagt Lyudmyla Kolos, 2. Vorsitzende des „Ukrainischen Vereins Mainz“. Eigentlich ist der junge Mainzer Kulturverein dafür da, der neuen Generation die ukrainische Kultur, Sprache und Tradition beizubringen und das Land in Deutschland zu repräsentieren. In diesen Tagen will der Verein vor allem eines: Aufmerksamkeit schaffen und die Menschen im Krieg in der Ukraine unterstützen.

In vielen Städten engagiert sich der Verein deshalb bei Kundgebungen, die Veranstaltung auf dem Gutenbergplatz am Donnerstagabend organisierte er mit. Noch vor der Kundgebung sprach Lyudmyla Kolos mit Antenne Mainz* darüber, welche Nachrichten sie aus der Ukraine erhält und wie der Verein aus der Ferne heraus helfen möchte.

„Alle versuchen, zu tanken und zu flüchten.“ - Lyudmyla Kolos, Ukrainischer Verein

„Meine Mama und meine Schwester berichten, dass Tankstellen überfüllt sind und die Autos in der Schlange stehen. Alle versuchen, zu tanken und zu flüchten“, sagt die gebürtige Ukrainerin. Das sei aber nicht so einfach, weil überall militärische Posten stehen würden, die Autos überprüfen. Auf der anderen Seite gebe es aber auch Menschen, die nicht versuchen zu fliehen. „Sobald Häuser verlassen werden, werden sie von anderen Menschen geplündert, ausgenutzt und ausgeraubt“, sagt die Vereinsvorsitzende. Das kenne man bereits aus dem Osten des Landes. „Davor haben viele Menschen Angst und möchten ihre Häuser nicht verlassen. Sie sagen stattdessen ‘Wir werden hier warten und gucken, was auf uns zukommt’“.

Hoffnung auf Hilfe

Auf die Frage, ob die Ukraine auf diesen Krieg vorbereitet war, sagt Lyudmyla Kolos: „Vorbereitet sind wir schon. Unsere Armee wurde ein bisschen aufgerüstet, aber das ist nichts im Vergleich zur russischen Armee und deshalb brauchen wir Hilfe von Europa und Amerika, auch militärische.“ Darauf will der Verein mit Kundgebungen auch Politiker aufmerksam machen. Darüber hinaus stehe der Verein in Kontakt mit den ukrainischen Honorar- und Generalkonsulen, um zu klären, ob man Geflüchtete hier aufnehmen kann – eventuell auch privat. Zudem werden Spenden gesammelt. „Wir hoffen, wir können hier aus dem Ausland etwas bewegen.“

*Antenne Mainz hat uns einen Mitschnitt des Gesprächs für den Artikel zur Verfügung gestellt.

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