Wie geht es den Mainzer Brauereien in der Corona-Krise?

Bier wird in der Weinstadt Mainz immer beliebter – und dafür sorgen vor allem die lokalen Brauereien. Doch wie geht es ihnen in der Corona-Krise zwischen Lockdown und Einschränkungen? Wir haben nachgefragt.

Wie geht es den Mainzer Brauereien in der Corona-Krise?

Seit März 2020 hat die Corona-Krise das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Deutschland fest im Griff. Seitdem gab es immer wieder Lockdowns oder Teil-Lockdowns, die unter anderem die Gastronomie hart getroffen haben. Auch die Mainzer Brauereien litten unter der Schließung der Gaststätten – denn vielerorts wird das lokale Bier ausgeschenkt.

Wir haben bei den Mainzer Brauereien nachgefragt: Wie geht es ihnen in der Corona-Krise? Und welche Pläne haben sie für die Zukunft?

Kuehn Kunz Rosen

Laut Geschäftsführer Wendelin Quadt hatte „Kuehn Kunz Rosen“ (KKR) durch die Gastro-Schließung einen Einbruch von etwa 30 bis 40 Prozent. Denn KKR beliefert nicht nur andere Gaststätten, sondern hat im Alten Rohrlager auch einen eigenen Biergarten mit elf Zapfhähnen und warmen Speisen. Das fiel in der Lockdown-Zeit alles weg. Zudem sagt Quadt: „Uns hat auch einfach die direkte Interaktion mit unseren Kunden gefehlt.“

Mittlerweile habe sich KKR wieder erholt – auch wenn die Gastro-Umsätze noch nicht auf dem Vor-Corona-Niveau seien. „Wir konnten die Ausfälle teilweise durch höhere Flaschenbier-Verkäufe kompensieren“, so Quadt. „Der Handel hat sich sehr robust gezeigt.“ Zum einen verkaufte man gut über das Onlinegeschäft, zum anderen gab es regelmäßige wieder Mitnahme-Verkäufe an der Brauerei. So verkaufte KKR zum Beispiel sogenannte Growler, größere Bierkrüge zum Mitnehmen. „Die gibt es auch weiterhin, aber das ist jetzt seit dem Ende des Lockdowns eher wieder ein Randthema.“ Auch das Onlinegeschäft habe man beibehalten.

Während des Lockdowns überraschte KKR die Kunden auch immer wieder mit neuen Sorten, etwa mit dem „Äbbeltizer“ (Heller Bock mit Apfel), dem „Zitrönsche“ oder dem Fastnachtsbier „Meenzer Gutsje“. Am beliebtesten sei aber immer noch das Mainzer Pils, so Quadt. „Wir bringen immer wieder Specials raus, es wird auch wieder herbstliche und winterliche Biere geben.“ In der Corona-Zeit habe man die Kapazität etwas ausbauen können. Zudem soll es weiterhin kulinarische Veranstaltungen und Biertastings geben. Große Pläne werde es aber in der Pandemie nicht geben. „Es ist derzeit einfach schwierig, langfristig zu planen.“

Eulchen

Auch Eulchen-Bier erging es in der Pandemie ähnlich wie Kuehn Kunz Rosen: Einerseits hat die Mainzer Privatbrauerei eine eigene Gastronomie, andererseits ist das Bier auch in anderen Gaststätten stark vertreten. „Wir haben die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie mit aller Härte zu spüren bekommen“, sagt Leonidas Lazaridis von Eulchen-Bier. Seit 2019 gibt es den Brauereiausschank an der Kupferbergterrasse, schon 2016 hatte Eulchen den Biergarten am Kurfürstlichen Schloss wiederbelebt.

Doch konnte man die großen Einnahmeverluste während des Lockdowns kompensieren? „Gar nicht“, sagt Lazaridis. „Die Aufnahme von neuen Krediten war unumgänglich. Aber auch durch Optimierungen in allen Bereichen konnten wir diese lange Durststrecke durchhalten.“ So habe zum Beispiel die Umstellung der Speisekarte „den Titel zur beliebtesten Pizza in Rheinland-Pfalz eingebracht“.

Zudem wurde auch das Eulchen-Flaschenbier im Lockdown stärker nachgefragt. „Zu der Zeit konnte man natürlich kein Fassbier mehr in der Gastronomie genießen. Aber auch unsere Aktion Mainzer Rettungsbier, mit der wir die Mainzer Gastronomie unterstützt haben und das gestiegene Bewusstsein für gute, regionale Lebensmittel im Einzelhandel haben dazu beigetragen.“ Einen klaren Eulchen-Favoriten hätten die Kunde nicht. „Wir freuen uns sehr, dass alle unsere Sorten sich großer Beliebtheit erfreuen, vom Hellen über Pils und Pale Ale, bis hin zu limitierten Sorten wie das Hazy Little Owl“, so Lazaridis. Man arbeite weiter an der Kreation neuer Biere und hochprozentiger Spirituosen. „Unser neuer Kräuterbierlikör steht in den Startlöchern.“

Eisgrub

Auch die Mainzer Gasthausbrauerei Eisgrub in der Weißliliengasse wurde schwer von der Coronakrise getroffen. „Zumal wir in den ersten Monaten ohne staatliche Unterstützung dastanden“, sagt Geschäftsführer Benno Frank. Seit Beginn der Krise bietet das Eisgrub zwar einen Liefer- und Abholservice an. Aber: „Dieser fängt in keiner Weise unsere entstanden Verluste auf.“

Zwar ist das Eisgrub seit dem Neustart der Gastronomie wieder gut besucht, doch für die Hausbrauerei sei es schwierig, langfristig zu planen. Frank sagt: „Es besteht eine Unsicherheit bezüglich der Zukunft der Gastronomie und Hotellerie, die einen weiteren Lockdown in keiner Weise verkraften würden.“ In der Brauerei könne man nur tageweise vorausplanen. „Wir hoffen für uns und unsere gastronomischen Kollegen auf eine positive Zukunft.“

Schwarze Rose

Das Craftbier-Unternehmen Schwarze Rose ist noch recht neu in Mainz. „Zu Beginn der Krise waren wir gerade einmal etwas über ein Jahr am Markt“, sagt Daniel Schier von Schwarze Rose. Zu Beginn des ersten Lockdowns hatte man gerade einen neuen Sud abgefüllt – darunter auch Fassware für die Gastronomie. Doch die musste dann schließen, die Ware blieb im Lager. „Allgemein machte der Absatz in der Gastro zu dem Zeitpunkt einen nicht unerheblichen Anteil aus, was natürlich schmerzhaft war“, so Schier. Da das Unternehmen keine eigene Brauerei habe, sondern „Kuckucksbrauer“ sei, habe man aber flexibel auf den Markt reagieren können. „Darüber hinaus betreiben wir Schwarze Rose fast ausschließlich nebenberuflich. In Zeiten der Corona-Krise definitiv ein Vorteil.“

Ohnehin habe sich die Bier-Nachfrage durch Schließung der Gastronomie auf den Versandhandel verlagert. Schier sagt: „Wir haben von Beginn an auf einen eigenen Webshop gesetzt, was sich während der Krise ausgezahlt hat, da wir auf ein bereits funktionierendes Shopsystem zurückgreifen konnten.“ Seit dem dritten Quartal 2020 füllt Schwarze Rose auch in Dosen ab, was einen „ordentlichen Boost“ gegeben habe. „So brauen wir seitdem mindestens zwei Biere im Monat und konnten dadurch unseren Ausstoß während Covid sogar verdoppeln.“

Generell denkt Schwarze Rose auch über eine eigene Gastronomie, einen Brew Pub, nach. „Es wäre eine tolle Möglichkeit, der Marke auch ein Gesicht zu geben und stationär präsent zu sein. Ich glaube vielen in Mainz und dem Umland sind wir bislang gar kein Begriff, da wir mit unseren sehr hopfenbetonten und progressiven Bieren eher einen Nischenmarkt und weniger die breite Masse ansprechen“, so Schier. „Es wäre spannend, den Leuten unser Verständnis von Craft Beer näher zu bringen. Konkrete Pläne gibt es hier allerdings nicht, es sind eher Gedanken beziehungsweise ein mittelfristiges Vorhaben, wir werden schauen, was kommt.“

Rheinhessen-Bräu

Auch die Ebersheimer Brauerei Rheinhessen-Bräu macht in der Corona-Krise eine schwere Zeit durch. „Der Fassbierabsatz ist durch die Schließung der Gastronomie und durch das Verbot von Veranstaltungen zeitweise komplett eingebrochen“, teilen die Geschäftsführer Christian und Matthias Karl mit. „Die Verluste konnten durch die Akquise neuer Supermärkte und den vermehrten Flaschenverkauf aufgefangen, aber nicht ausgeglichen werden.“

Die Kunden hätten der Brauerei auch in der Corona-Krise die Treue gehalten und zuhause Rheinhessen-Bräu getrunken. Beliebt sei vor allem das Helle, gefolgt von wechselnden Spezialbieren. Aktuell laufe auch der Fassbierverkauf langsam wieder an, weil die Gastronomen wieder geöffnet haben und Feste in bestimmtem Rahmen wieder stattfinde können. „Wir hoffen, dass 2022 in dieser Hinsicht wieder ein einigermaßen normales Jahr wird.“

Rheinhessen-Bräu arbeite ständig an den Vermarktungswegen, sodass der ein oder andere Händler oder Gastronom dazukommen könnte. Auch neue Sorten seien immer wieder im Sortiment. „Aktuell gibt es das ‘Mainzer Alt’, bevor es im September/Oktober wieder das traditionelle ‘Festbier’ geben wird.“

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