Manuela Matz: „Die Innenstadt wird deutlich attraktiver“

Anfang April wird das Ludwigsstraßen-Projekt „Lu.erleben“ Form annehmen: Dann wird der Sieger des Architektenwettbewerbs gekürt. Wir haben mit Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz über das Projekt gesprochen.

Manuela Matz: „Die Innenstadt wird deutlich attraktiver“

Es ist eines der wichtigsten Mainzer Bauvorhaben in den nächsten Jahren: Der Umbau des Karstadt-Areals. Der frühere Projektentwickler ECE hatte noch den Plan, ein Einkaufszentrum mit mehr als 30.000 Quadratmetern Fläche zu bauen. Der neue Investor RNI GmbH (bestehend aus J. Molitor Immobilien GmbH und Sparkasse Rhein-Nahe) hat andere Pläne: „Lu.erleben“ soll ein kleinteiligeres Zentrum mit Karstadt als Ankermieter werden, dazu Pop-up-Stores, Kultur, Gastronomie, ein Hotel und sogar ein Club. Anfang April steht der Architektenwettbewerb an. Doch was sagt die Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU)? Wir haben mit ihr über das neue Projekt und seine Chancen gesprochen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Ludwigsstraßen-Projekts? Der vorherige Entwickler ECE hatte ja ein viel größeres Einkaufszentrum geplant. Jetzt soll es kleiner und kleinteiliger werden.

Die Frage ist immer: Was passt zu Mainz? Das ECE-Projekt, die große mächtige Mall mitten in der Stadt, hatte sich vielleicht schon wieder überholt. Das war sehr massiv und hätte einen gewissen Fremdkörper dargestellt. Das Konzept der neuen Investoren passt meiner Meinung nach deutlich besser – und gefällt mir auch deutlich mehr als die aktuell bestehende Architektur mit den Pavillons. Die Innenstadt wird dadurch attraktiver.

Karstadt wird als Ankermieter bleiben.

Ja, es gibt noch den bestehenden Mietvertrag. Aber das ist auch wichtig, denn schließlich muss das ja auch finanziert werden. Hinzukommen werden kleinere Geschäfte, etwa Pop-up-Stores, dazu ein Hotel. Das sehe ich sehr positiv. Und wenn man ehrlich ist: Auch Karstadt und Kaufhof sind schon längst mit dem Shop-in-Shop-Konzept unterwegs. Die klassischen Warenhäuser gibt es gar nicht mehr.

Bei dem Projekt in der Ludwigsstraße sollen auch die Meinungen der Bürger miteinfließen. Wie haben Sie die Bürgerforen erlebt?

Ich muss schon sagen, dass ich nach der Bürgerbeteiligung ein bisschen desillusioniert war. Vorher dachte ich: Wir werfen alle Vorschläge zusammen und schauen dann am Ende, was der kleinste gemeinsame Nenner ist. Aber so war es dann doch nicht. Der eine sagte: „Möglichst modern soll es werden“, der nächste: „Ach, wie es vor dem Krieg war, das war doch toll.“ Wiederum der nächste fragte sich, warum denn überhaupt etwas getan werden müsse. Die Pavillons seien tolle Zeugen der Nachkriegsarchitektur, man müsse nur ein bisschen anstreichen, dann ist es doch gut. Dann hieß es: „Entsiegeln, Park draus machen.“ Der nächste: „Wohnungen bauen, wieso brauchen wir dort überhaupt Einzelhandel?“. Da wird es natürlich schwierig mit dem gemeinsamen Nenner (lacht).

Am Ende gab es aber schon einen gemeinsamen Nenner.

Ja, mittlerweile sind sich die meisten darin einig, dass wir einen guten Mix hinbekommen müssen zwischen attraktivem Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und Events. Wir brauchen einen Anziehungspunkt in der Stadt. Früher war das klassische Kaufhaus gefragt, das funktioniert jetzt nicht mehr. Mir gefällt das sehr offene Konzept mit kultureller Nutzung und Gastronomie. Mein persönliches Highlight ist die geplante Dachterrasse.

Was ist am Ende das wichtigste: Handel oder Ästhetik?

Ich glaube beides. Wenn etwas nicht ansprechend ist, geht kein Mensch hin. Wichtig ist aber auch: Was finde ich da? Das Ganze finanziert sich nur, wenn die Leute dort auch einkaufen. Auch eine erfolgreiche Kette wäre möglich als Zusatzangebot.

Die meisten Bürger fragen sich: Wann geht es endlich los? Gibt es so etwas wie einen Fahrplan?

Die ersten Arbeiten finden ja schon statt – bei der Deutschen Bank. Danach geht es sukzessive weiter. Wenn der Entwurf fertig ist, wird es relativ schnell gehen. Aber einen genauen Zeitplan kann man jetzt noch nicht festlegen. Aber ich hoffe, es geht schnell. Ich erinnere mich: Als ECE gekippt wurde, interviewte ein Fernsehteam eine Karstadt-Mitarbeiterin. Die hatte irgendwann in den 70ern oder 80ern ihre Lehre begonnen. Schon damals hieß es, der Karstadt werde umgebaut und modernisiert. Dann dachte sie sich: Gehe ich da hin, dann habe ich einen schönen neuen Arbeitsplatz. In dem Interview stand sie dann schon vor der Rente – und es hatte sich immer noch nichts getan.

Das Interview führten Michael Meister und Ralf Keinath. (mm)

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