Ärger um Nazi-Vergleich von Mainzer CDU-Politiker

Der Mainzer CDU-Politiker Thomas Gerster sorgt mit einem Nazi-Vergleich für scharfe Diskussionen. Erste Parteien reagieren auf den Tweet Gersters und bezeichnen seinen Kommentar unter anderem als „Entgleisung“ und „Verharmlosung des Holocausts“.

Ärger um Nazi-Vergleich von Mainzer CDU-Politiker

Aufregung um einen Twitter-Post des Mainzer CDU-Vorsitzenden Thomas Gerster: Im Zusammenhang mit einer der Regenbogenflagge der LGBTQIA+-Community ähnlichen Flagge zieht der Politiker einen Nazi-Vergleich. Die Mainzer Grünen und die SPD reagieren umgehend und kritisieren Gerster hart für seinen Kommentar.

Um was es geht

Ausgangspunkt der Debatte war ein Tweet des ehemaligen Chefredakteurs der Bild-Zeitung, Julian Reichelt, vom Montag. Darin kommentierte er: „Innenministerin Faeser hat am 6. April genehmigt, die Regenbogen-Flagge zu bestimmten Anlässen an Bundesbehörden zu hissen. Das Familienministerium missbraucht diesen Erlass und hisst eine andere, politisch deutlich radikalere Flagge („Intersex Inclusive Pride Flag“, Anmerkung der Redaktion). Ist das erlaubt, Nancy Faeser?“

Gerster meldete sich nun auf diesen Tweet hin zu Wort und kommentierte am Dienstagmorgen: „Man hat schon einmal schwarz-rot-gold durch andere Farben ersetzt. Auch damals war das Ziel die Durchsetzung einer eigenen Weltanschauung. Spoiler: Es ging nicht gut.“ Inzwischen reagierte die Mainzer SPD auf Twitter: „Dieser Vergleich ist eine klare Grenzüberschreitung des Vorsitzenden der CDU Mainz. Wir stehen solidarisch an der Seite der LGBTIQ* Community“. Auch die Mainzer Grünen kritisieren den Kommentar Gersters deutlich. In einem Pressestatement heißt es, dass der Kommentar nicht nur den Holocaust verharmlose, sondern auch Menschen, die LGBTQIA* sind, mit den Nazis und dem nationalsozialistischem Regime auf eine Stufe stelle.

Kritik von SPD und Grünen

„Es ist sehr bedauerlich, dass Thomas Gerster sich von der ‚Intersex Inclusive Pride Flag‘ so bedroht fühlt, dass er denkt, das Dritte Reich kommt wieder“, kommentiere Stefanie Gorges, stellvertretende Kreisvorsitzende der Mainzer Grünen. Bei den Grünen werte man Gersters Aussage als Verharmlosung des Holocaust und als eine Gleichsetzung von LGBTQIA* mit der faschistischen Naziregierung. Das sei besonders perfide, weil im Dritten Reich LGBTQIA* auf staatliches Geheiß verfolgt und ermordet wurden. „Wir hoffen sehr, dass die Mainzer CDU dieses Thema nun intern diskutiert. Ebenso werfen diese Äußerungen nun auch noch mal ein ganz anderes Licht auf das Fernbleiben der CDU bei den Kundgebungen gegen die NSP am 16. Juli in Mainz und zwei Wochen später relativiert ihr Vorsitzender den Holocaust indem er LGBTQIA* mit Nazis gleichsetzt“, so Gorges.

Auch die Mainzer Altstadt SPD lässt Gersters Tweet nicht unkommentiert. In einer öffentlichen Erklärung bezeichnet die Ortsverein-Vorsitzende Talisa Schwall Gersters Äußerung als „ungeheuerlich“. „Sie ist abstoßend und entschieden zu verurteilen.“ Nicht nur, dass das Hissen der speziellen Regenbogenflagge offenbar nicht ins Weltbild der Mainzer CDU passe. Auch der Vergleich mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zeuge von einer Geschichtsvergessenheit, die sie so bei der CDU Mainz nicht erwartet hätte, so Schwall. „Herr Gerster sollte sich tunlichst von seiner Äußerung distanzieren und bei den Mainzerinnen und Mainzern umgehend hierfür entschuldigen“, fordert die SPD-Politikern.

Gerster meldet sich erneut zu Wort

Inzwischen hat sich auch noch einmal Thomas Gerster zu Wort gemeldet. Auf Twitter schrieb er am Mittag: „Sollte ich mit meinem zugegeben überspitzten Kommentar zur Beflaggung Regenbogenflagge verletzt haben, tut es mir leid. Ich wollte nie LGBTQII mit Nazis gleichsetzen. Mir geht es darum, vor öffentlichen Gebäude nur Fahnen zu hissen, deren Definition dem Staat unterliegt.“

LGBTQIA*: Die aus dem englischen stammende Abkürzung steht für lesbian, gay, bisexual, transgender/transsexual, queer/questioning, intersex, asexual. Das * (manchmal auch +) dient dabei als Platzhalter für weitere Geschlechtsidentitäten.

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