Lanz attackiert Dreyer wegen Biontech

Hätte Malu Dreyer schon früher Bescheid wissen müssen, dass Biontech ein geeigneter Produzent für einen Corona-Impfstoff ist? Mit dieser Frage konfrontierte jedenfalls Markus Lanz Ministerpräsidentin Malu Dreyer in seiner Talkshow.

Lanz attackiert Dreyer wegen Biontech

Impfstoffbeschaffung, Inzidenzwert und Impfgipfel: das waren die Themen, über die sich Talkshow-Moderator Markus Lanz am Dienstag mit seinen Gästen unterhielt. Zugeschaltet aus Mainz war auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Und die wurde wenig später von Lanz hart attackiert - ausgerechnet wegen dem Mainzer Corona-Impfstoffproduzenten Biontech.

Wer hat Schuld am „Impfdesaster“?

Gleich zu Beginn der Sendung ging es um das deutsche „Impfdesaster“. Dreyer sollte dabei über die Ergebnisse des Impfgipfels vom vergangenen Montag berichten, den Lanz „Placebo-Gipfel“ nannte. Die Ministerpräsidentin bezeichnete den Impfgipfel hingegen als „mehr als notwendig“. Es gebe nun viel mehr Klarheit. „Wir wollen, dass das Impfen gelingt. Wir impfen mit Hochdruck“, so Dreyer. Man wolle allen, die geimpft werden wollen, bis zum 21. September ein Impfangebot machen.

Auf die Frage von Lanz, wer denn aber nun die Verantwortung für das „Impfdesaster“ trage, entgegnete Dreyer, dass sie vermute, dass die Europäische Union zu wenig Impfstoff bestellt hat. Dennoch sei es eine großartige Leistung, dass es die Unternehmen in kurzer Zeit geschafft hätten, einen Impfstoff auf den Markt zu bringen. „Wir sind jetzt auf dem richtigem Weg“, so Dreyer.

Doch dann hakte Lanz noch einmal nach und machte Dreyer fast schon Vorwürfe für deren Umgang mit Biontech. „Das ist ein Mainzer Unternehmen, das sitzt vor Ihrer Haustür. Warum wussten Sie als Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz nicht schon im August, dass dort exzellenter Impfstoff entwickelt wurde und man mehr bestellen müsste. Waren Sie da nicht im Austausch mit Herrn Sahin (Biontech-Chef) oder Spahn (Bundesgesundsheitsminister)?“

„Sie können jetzt nicht von einer Ministerpräsidentin erwarten, dass sie den Überblick über alle Impfstoff-Hersteller hat“ - Malu Dreyer

Doch Dreyer ließ sich von Lanz nicht aus der Ruhe bringen. Man stehe immer wieder im engen Austausch mit Biontech, so die Ministerpräsidentin. Dennoch gebe es eine klare Aufgabenteilung: Der Bund beschaffe den Impfstoff über die Europäische Kommission und „wir müssen es zusammen mit den Kommunen wuppen, die Impf-Infrastruktur bereitzustellen“.

Hätte Dreyer über Biontech besser informiert sein müssen?

Lanz wollte sich mit dieser Antwort aber nicht zufrieden geben. „Ich will Ihnen da nichts unterstellen, aber das ‘Schwarze-Peter-Spiel’ bei der Impfstoffbeschaffung zieht sich ja hin.“ Und weiter: „Aber nochmal zu Biontech - ein Unternehmen, das sogar direkt in Ihrer Stadt sitzt, da müssten Sie doch Herrschaftswissen haben an dem Punkt. Sie sind doch im Austausch mit den Leuten“, so Lanz. Dreyer hätte doch früher wissen müssen, an welchem Punkt der Impfstoff-Entwicklung Biontech gewesen sei.

Zeitgleich wurde ein Foto eingeblendet, das Dreyer und Biontech-Chef Ugur Sahin bei einer Besprechung zeigt. Und Lanz legte nochmal nach: „Tauscht man sich da nicht aus, redet man da nicht miteinander beziehungsweise mit Spahn: Wir haben exzellente Resultate, gute Ergebnisse - das ist unser Kandidat (Biontech). Das kann doch nicht sein, dass der Impfstoff, der dort (in Mainz) entwickelt wurde, überall auf der Welt verimpft wird, wir aber an den jetzt nicht rankommen.“

Dreyer blieb auch diesmal ruhig und stellte nochmals klar, dass man die Forschung von Biontech auch schon vorher begleitet habe. Und dann in Richtung Lanz: „Aber Sie können jetzt nicht von einer Ministerpräsidentin erwarten, dass sie den Überblick über alle Impfstoff-Hersteller hat, denn die Verhandlungsebene ist eine andere. Das hat gar nichts mit ‘Schwarzem-Peter-Spiel’ zu tun. Meine Aufgabe als Ministerpräsidentin ist es, die Impfungen gut zu organisieren - und das tun wir in unserem Bundesland.“

Lanz stimmte Dreyer schließlich zumindest bei ihrem letzten Satz zu, verzichtete auf eine weitere Nachfrage und entließ die Ministerpräsidentin wenig später aus der Videoschalte.

Die komplette Sendung mit Ministerpräidentin Malu Dreyer gibt es in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Logo