St. Christoph: Überraschender Fund einer Zeitkapsel

Fünf Pergament- und Papierurkunden enthalten

St. Christoph: Überraschender Fund einer Zeitkapsel

Eine Zeitkapsel aus dem Turmhahn der Kirche St. Christoph ist im Mainzer Diözesandepot entdeckt worden. Das teilt das Bistum Mainz mit.

Die rund 20 Zentimeter lange Bleikapsel enthielt fünf ineinander gerollte Pergament- und Papierurkunden, die unter anderem über die Neuanfertigung des Turmhahns, spätere Neuvergoldungen und weitere Arbeiten an der Kirche berichten. Die bis ans Ende des 17. Jahrhunderts zurückreichenden Urkunden geben zeitgeschichtliche Einblicke zu der heutigen Ruinenkirche.

Die Kapsel und die Urkunden wurden zur dauernden Aufbewahrung an das Mainzer Dom- und Diözesanarchiv übergeben, wo die Unterlagen künftig auch eingesehen werden können. Zwei Urkunden sind laut Bistum Mainz bereits transkribiert. Zwei weitere Urkunden weisen starke Schäden durch Hitze auf und sind derzeit noch zu zerbrechlich, um sie komplett aufzufalten. Um sie zu entziffern, wäre eine Restaurierung notwendig.

Bereits im September gefunden

Entdeckt wurde die Zeitkapsel von Konservatorin Diana Ecker von der Kirchlichen Denkmalpflege bereits im September 2020. Damals wurde das Diözesandepot, in dem ausrangierte Kunst- und Ausstattungsgegenstände aus verschiedenen Kirchen der Diözese gelagert werden, aufgelöst und an einem neuen Standort untergebracht. Wie und wann die Kapsel in das Diözesandepot gelangt ist, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, da in den Anfängen des wohl seit den 1970er Jahren angelegten Depots keinerlei Dokumentation stattgefunden hat. Darüber hinaus ist das Depot zwischenzeitlich auch mindestens zweimal umgezogen.

Eine Erklärung könnte laut Bistum Mainz sein, dass die Kapsel vielleicht bei den Luftangriffen auf Mainz 1942, als Brandbomben Kirche und Pfarrhaus trafen, herausgeschleudert und von einem Finder geborgen wurde. Möglicherweise gelangte sie dann später über ein ausrangiertes Möbelstück aus dem Pfarrhaushalt in das Depot.

Enthalten sind in der Zeitkapsel folgende Urkunden:

  1. Pergament-Urkunde, beschädigt, Datierung etwa 1695-1700, zu erschließen aus den Angaben: Papst Innozenz XII. (1691-1700) und Erzbischof Lothar Franz von Schönborn (1695-1729)

  2. Pergament-Urkunde, beschädigt, vom 10. April 1846, berichtet von der Neuanfertigung des Hahns auf dem Turm von St. Christoph

  3. Pergament-Urkunde, Anfang Oktober 1868, vom Jesuitenkonvent ausgestellt, berichtet von der Neuherstellung und Vergoldung des Hahns

  4. Papier-Urkunde, 21. Oktober 1868, ausgestellt von der Casino-Gesellschaft im Frankfurter Hof, berichtet von der Neuherstellung und Vergoldung des Hahns

  5. Pergament-Urkunde, 1. August 1896, Kirchenvorstand von St. Christoph, Neuanfertigung Turmkreuz und Neuvergoldung des Hahns

    (pk)

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