Wie ein Visier eine gehörlose Frau glücklich macht

Masken sind eine wichtige Maßnahme gegen das Coronavirus - allerdings kann die Kommunikation dadurch erschwert werden. So geht es auch einer Mainzerin: Sie ist gehörlos und braucht das Lippenlesen. Für ihr Problem gibt es allerdings eine Lösung.

Wie ein Visier eine gehörlose Frau glücklich macht

Ein Visier verändert das Leben einer Mainzerin. Sie ist wieder glücklich, kann mit ihrer Familie kommunizieren. Für die gehörlose Almut sind die durchsichtigen Visiere, wie sie auch eine Oppenheimer Schülerfirma herstellt, ein Segen. Ihr Sohn Stefan entdeckte die Alternative zu den Mundschutzmasken unter einem Merkurist-Snip und war sofort begeistert. Nun berichtet er Merkurist, wie das Visier das Leben seiner Mutter in der Corona-Krise verändert.

Kommunikation erschwert

Die aktuelle Situation ist für Almut schon schwierig genug. Zu dem aktuellen Besuchsverbot kam ein weiteres Problem, was es Sohn Stefan fast unmöglich gemacht hat, mit dem nötigen Corona-Schutz mit seiner Mutter zu sprechen. Denn: Die 85-Jährige ist von Geburt an gehörlos. „Die Isolation im Altenheim wurde durch die Behinderung und die Pflicht, bei Kontakt Masken zu tragen, nur noch vergrößert“, erzählt Stefan. Seine Mutter kann nur über Gebärdensprache und das Lippenlesen kommunizieren und das war mit den Masken nicht mehr möglich.

„Ich habe verzweifelt nach einer Möglichkeit gesucht, die zum einen den nötigen Schutz bietet, aber es meiner Mutter auch ermöglicht, mein Gesicht zu sehen und mir dann von den Lippen zu lesen.“ Bei seiner Suche stieß er dann auf den Artikel über die Visiere der Oppenheimer Schülerfirma (wir berichteten). „Ich war so glücklich und sehr froh, aber habe mich auch ein bisschen geärgert, dass ich diese Visiere nicht schon früher entdeckt habe. Denn die gibt es für andere Zwecke ja schon sehr lange.“ Danach hat er sie auch sofort bestellt.

Große Erleichterung

Am vergangenen Montag hat er die Visiere dann erstmals mit seiner Mutter getestet. „Ich habe sie bisher am Gartenzaun mit dem nötigen Abstand getroffen. Aber trotzdem konnte sie mich sehen und meine Lippen lesen. Sie war nach diesem Treffen glücklicher denn je“, erzählt Stefan. Wie emotional die Situation für ihn ist, merkt man sofort: „Ich habe das Gefühl, dass das Visier eine deutlich bessere Gesprächsatmosphäre ermöglicht und meine Mutter durch diese Nähe wieder aufblüht und neuen Lebensmut gefunden hat.“

Die letzten Wochen haben die 85-Jährige sehr mitgenommen. Wie Stefan erzählt, sei sie sehr isoliert gewesen, da es schwer für sie sei, mit anderen zu kommunizieren, die keine Gebärdensprache sprechen. Zwar sei man im Altenheim für sie da gewesen, die sozialen Kontakte zu ihrer Familie haben ihr dennoch gefehlt.

Seine Erleichterung nach dem Treffen mit seiner Mutter war groß - sie wieder glücklich zu sehen, erleichtert auch Stefan. „Es ist nicht einfach, wenn man sich nicht sehen darf. Und auch wenn man sich mit Abstand sieht, ist es sehr hart, sich nicht umarmen zu dürfen.“ Mittlerweile hat er noch einige Visiere bestellt - auch für die anderen Familienmitglieder. „Bald darf ich sie ja in ihrer Wohnung im Altenheim für maximal eine Stunde besuchen und muss nicht mehr nur über den Zaun mit ihr sprechen. Das Heim, unter der Leitung von Geschäftsführer Oliver Backhaus, versucht wirklich, sehr viel möglich zu machen. Das Engagement der Pfleger ist vorbildlich und aller Ehren wert.“

Doch auch wenn es vermutlich noch ein bisschen dauern wird, bis die beiden sich wieder umarmen dürfen, ist ein Treffen mit Visieren bis dahin die beste Lösung. Stefan sagt: „Ich habe die Hoffnung, dass wir uns bald wieder länger und öfter sehen dürfen. Aber bis dahin bin ich froh, dass wir mit den Visieren vor dem Gesicht wieder kommunizieren können.“ (mm)

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