Warum eine Blutspende so wichtig ist

Nur wenige Minuten dauert eine Blutspende. Wer sich die Zeit nimmt, kann einer anderen Person damit das Leben retten. In der Mainzer Transfusionszentrale hat sich Merkurist angeschaut, was hinter den Kulissen passiert.

Warum eine Blutspende so wichtig ist

Ein kleiner Pieks - schon läuft das Blut aus Gabriele Wagners Arm in einen Beutel. Sie ist nervös. Zum ersten Mal spendet sie Blut. Dass sie aufgeregt ist, merkt man ihr an. Nachdem die Krankenschwester die Nadel in ihre Vene gestochen hat, wird sie ruhiger. Nach nur viereinhalb Minuten ist sie fertig. Warum es für sie wichtig war Blut zu spenden, darüber hat sie mit Merkurist gesprochen.

Der Weg einer Spende

Gabriele ist am Donnerstagmorgen gemeinsam mit ihrer Tochter in die Mainzer Transfusionszentrale gekommen. „Ich habe selbst schon Konserven gebraucht. Es war mir wichtig, auch etwas zurück zu geben.“ Zur Spende hatte sie ihre Tochter motiviert: „Wir sind heute ganz spontan hergekommen und machen aus der Blutspende sozusagen einen Mutter-Tochter-Ausflug.“ Gabriele ist froh, die Spende gemacht zu haben. Sie werde auf jeden Fall gemeinsam mit ihrer Tochter wieder spenden.

Nachdem die Spender ihre Blut- oder Thrombozyten-Spende abgegeben haben, geht es für die Konserven auf eine weite Reise durch die Transfusionszentrale. Eine Blutspende muss zunächst für etwa eine Stunde von 38 Grad Körpertemperatur auf etwa 20 Grad heruntergekühlt werden. Danach wird in einem Labor die Blutgruppe bestimmt. „Hier kann dann auch die Verträglichkeit zwischen Spender und Empfänger getestet werden. Es ist sehr wichtig, hier sehr sorgfältig zu arbeiten. Wenn die Blutgruppen nicht zusammenpassen, kann es für den Patienten lebensgefährlich werden“, erklärt Dr. Roland Conradi, leitender Oberarzt in der Mainzer Transfusionszentrale.

Nach einem weiteren Schritt, bei dem die weißen Blutzellen herausgefiltert und das Plasma vom Rest getrennt wird, geht es für das Blut weiter in die Kühlung. In mehreren Kühlräumen lagern die Konserven bei vier Grad Celsius, bis ein Patient sie braucht. Von jeder Blutgruppe hat Conradi etwa 300 Konserven verfügbar. „Bei einer Routine-OP werden zwischen eine bis sechs Konserven verbraucht. Es gibt aber auch Notfälle, da werden 100 Konserven auf einmal benötigt.“

Anderen Menschen helfen

Ingo Tritthardt gibt am Donnerstagmorgen eine ganz andere Spende. „Ich bin quasi Stammkunde. Ich mach das schon seit zehn Jahren. Am Anfang habe ich Blut gespendet, seit etwa drei Jahren spende ich Thrombozyten“, erzählt er. Während des Gesprächs liegt er auf dem Liegestuhl, aus seinem rechten Arm wird das Blut entnommen und läuft in eine Maschine, die die Thrombozyten herausfiltert. Das gefilterte Blut fließt dann wieder in seinen Körper zurück. Er liegt dabei ganz entspannt auf dem Behandlungsstuhl. Während der Spende habe er Zeit für sich, ganz alleine, einfach nichts tun, sagt er. Etwa eine Stunde dauert das Ganze. Dass er damit kranken Menschen helfen kann, weiß er. „Von der Spende merkt man fast gar nichts. Es piekst nicht einmal. Ich kann für alle, die Angst vor Schmerzen haben sagen, dass es wirklich nicht wehtut. Die Mitarbeiter hier wissen, was sie tun“, sagt Ingo.

Alle vier Wochen darf er spenden und das möchte er auch. „Ich warte auf den Anruf. Dann machen wir einen Termin aus und los geht’s“, erzählt er. Doch Spender wie Ingo, die ihr Blut oder ihre Thrombozyten spenden, gibt es in der Transfusionszentrale Mainz nicht genug. Das weiß auch Conradi: „Eigentlich brauchen wir mehr Spender. Wir leben mehr oder weniger von der Hand in den Mund.“

Die Thrombozyten, die Ingo bei seiner Spende abgibt, sind wichtig für die Blutgerinnung. Besonders schwer kranke Patienten, die beispielsweise unter Blutkrebs leiden, können selbst nicht genügend Thrombozyten bilden, sodass die Blutgerinnung nicht mehr funktioniere, erklärt der leitende Oberarzt. Auch während einer Chemotherapie brauchen Patienten immer wieder Thrombozyten, weil sie selbst nicht mehr genug haben. Deshalb seien sie auf Spenden, wie die von Ingo, angewiesen.

40.000 Konserven Blutplasma

Neben Thrombozyten- und Vollblutspenden lagern in der Transfusionszentrale auch Blutplasma-Konserven. Das Plasma, eine durchsichtige und leicht gelbliche Flüssigkeit, ist unter anderem für die Blutgerinnung im Körper zuständig. Hiervon lagern etwa 40.000 Konserven in großen Gefrierschränken. „Das Plasma kann aufgrund seiner Zusammensetzung aus Proteinen eingefroren werden. Das macht es länger haltbar“, erklärt der leitende Oberarzt. Die Plasma-Konserven sind nach den Spendern sortiert. Nach einer Spende können sie aber nicht sofort freigegeben werden - zunächst muss die Spende erst auf mögliche Krankheiten untersucht werden. Nur wenn ein Spender vier Monate nach seiner ersten Spende wieder negativ getestet wurde, so Conradi, kann die Plasma-Spende freigegeben werden.

Vorteile für die Spender

Wer sein Blut oder seine Thrombozyten spendet, bekommt zusätzlich zu einer kleinen Aufwandsentschädigung auch immer wieder seine aktuellen Blutwerte mitgeteilt. „Die ersten 30 Milliliter Blut werden in einen kleinen separaten Beutel abgeleitet. Dieses Blut wird dann im Labor auf Auffälligkeiten untersucht. Sollte dabei etwas auffallen, wird der Spender von uns darüber informiert“, sagt der Oberarzt.

Eine Sache haben Ingo und Gabriele gemeinsam: Sie sind froh, mit ihrer Spende anderen Menschen helfen zu können. Auch Conradi ist es wichtig, auf die Bedeutung von Blutspenden aufmerksam zu machen: „Wir haben zu wenige Spender. Die größte Motivation ist die Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir hoffen deshalb in Zukunft darauf, dass sich noch mehr Spender motivieren lassen.“ Auch Ingo konnte mit seiner Leidenschaft für Blutspenden anstecken: „Meine Tochter habe ich jetzt auch zum Spenden gebracht. Sie hat es jetzt zum ersten Mal gemacht und hatte ein sehr gutes Gefühl dabei. Es ist schön, helfen zu können.“ (df)

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