Unimedizin Mainz weigert sich, schwule Blutspender zuzulassen

Weil der Mainzer Adam bisexuell ist, wurde er 2020 von der Unimedizin Mainz von der Blutspende ausgeschlossen. Für den Mann ein echter Skandal. Warum in der Transfusionszentrale Homo-, Bi- und Transsexuelle noch immer kein Blut spenden dürfen.

Unimedizin Mainz weigert sich, schwule Blutspender zuzulassen

Anderen Menschen mit seiner Blutspende das Leben retten – das wollte der Mainzer Adam im Februar 2020 in der Transfusionszentrale der Mainzer Unimedizin. Doch noch ehe er seinen Arm freimachen konnte, scheiterte sein Vorhaben. Denn Adam war als Blutspender unerwünscht. Doch wieso? Jeder, der Blut spenden möchte, ist dazu verpflichtet, vor der Blutentnahme einen Fragebogen auszufüllen. Und gerade die Beantwortung dieser Fragen wurden dem Mainzer zum „Verhängnis“.

Unimedizin sperrte Adam

Denn in dem Fragebogen gibt es Kriterien, die einen potenziellen Spender von der Blutentnahme ausschließen – unter anderem gehört Geschlechtsverkehr unter Männern dazu. Das betrifft auch Adam, denn er ist bisexuell. Die Bluttransfusionszentrale der Unimedizin sperrte ihn deswegen lebenslang für eine Blutspende, obwohl der Mainzer die veränderten Richtlinien aus dem Jahr 2016 erfüllte: Demnach dürfen sowohl homo- als auch bisexuelle sowie transidente Menschen Blut spenden, wenn sie zwölf Monate kein „Risikoverhalten“ zeigen, das heißt: sexuell abstinent gelebt haben.

Laut Adam ist diese Regelung noch immer diskriminierend, da sie Männer, die Sex mit Männern haben – sogenannte MSM-Spender –, pauschal als Gruppe und nicht nach ihrem individuellen Risikoverhalten beurteilt. Wie Adam sagt, sei diese Richtlinie quasi ein Ausschluss über Umwege. „Kaum ein Mensch lebt ein Jahr lang abstinent.“ Doch auch wenn Adam gegen die Entscheidung der Uni-Medizin protestierte, spenden durfte er trotzdem nicht. „Beim Ausschlussgespräch am Spendetag wurde mir damals mitgeteilt, dass es kein Recht auf Blutspenden gäbe und die Blutspende-Richtlinie eben nur Richtlinie sei und deswegen nicht zwingend so umgesetzt werden müsse“, sagt Adam. Doch während die SPD-geführte Landesregierung im September 2020 beschlossen habe, sich auf Bundesebene für ein Ende der 2016 eingeführten einjährigen Sperrzeit einzusetzen, sei die Unimedizin noch nicht einmal auf dem Stand von 2016 angekommen und schließe MSM-Spender seit Jahren weiterhin pauschal lebenslang aus, so Adam weiter.

Darum gilt das Verbot weiterhin

Die Weigerung der Unimedizin, die Richtlinienänderung von 2016 umzusetzen, halten Adam als Betroffener sowie die „SPDqueer Rheinland-Pfalz“, bei der er Vorstandsmitglied ist, für eine unbegründet fortgeführte Diskriminierung von homo- und bisexuellen sowie transidenten Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität.

Auf Anfrage von Merkurist an die Mainzer Unimedizin hieß es noch im Oktober 2020 dazu, dass sich die Blutspende der Transfusionszentrale der Unimedizin Mainz grundsätzlich nach geltendem Recht richten müsse. Dies sehe unter anderem vor, dass Personen „zeitlich begrenzt für 12 Monate von der Spende zurückzustellen sind, deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten bergen“. Darunter fallen beispielsweise auch Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM), so wie es bei Adam der Fall ist.

Doch Anfang 2021 fühlte sich Adam von der Unimedizin Mainz immer noch nicht ernstgenommen. „Wenn die Universitätsmedizin behauptet, gemäß der Richtlinie zu handeln und MSM ‘nur’ ein Jahr zurückstellt, warum wird dann auch Monate nach der Behauptung noch immer ein Fragebogen verwendet, der den Zeitpunkt des Risikokontaktes gar nicht erfragt, sondern einen „jemals stattgefundenen gleichgeschlechtlichen Sexualverkehr?“ So lautet Frage 21 im Fragebogen (Stand 15. April 2021): „Für Männer: Hatten Sie schon einmal Intimkontakt mit einem anderen Mann?“

Zudem werde auf der letzten Seite des Fragebogens einmaliger homosexueller Geschlechtsverkehr weiterhin als pauschaler Ausschlussgrund genannt, erklärt Adam. Hier heißt es konkret (Stand 15. April): „Personen (…) sind von der Blutspende auszuschließen und dürfen kein Blutspenden: Männer, die schon einmal Sexualverkehr mit einem anderen Mann hatten.“ Was die Unimedizin hier mache, sei einfach nur dreist, so Adam. Sie schließe spendetaugliche MSM-Spender wie ihn mithilfe des Fragebogens gezielt aus, behaupte aber öffentlich das Gegenteil. Er werde deshalb nun Klage gegen die Unimedizin einreichen, um seinen „erniedrigenden Ausschluss“ trotz bester Gesundheit und Erfüllung der Richtlinie nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz prüfen zu lassen.

Auf die gezielte Anfrage, ob homo-, bisexuelle sowie transidente Menschen nach Einhaltung der Sperrfrist spenden dürfen, wollte die Uni-Medizin keinen Kommentar abgeben. Dafür nennt eine Quelle aus dem Umkreis der Uni-Medizin Gründe, warum die Regelungen bis heute (Stand Juli 2021) nicht geändert wurden. Demnach soll das Problem in der Führungsspitze der Transfusionszentrale liegen. Dort würde die Umsetzung der neuen Regelungen aus persönlichen, weltanschaulichen und wirtschaftlichen Gründen blockiert. „Es wird damit gedroht, dass man den Fragenbogen nicht ändern kann, weil angeblich die Kunden, also die Abnehmer der Blutkonserven, dies so wünschen und sonst keine Konserven mehr kaufen würden“, so die Quelle aus dem Umfeld der Uni-Medizin gegenüber Merkurist. Doch dies seien haltlose Behauptungen. Der Fragebogen in seiner jetzigen Form sei somit ein völlig inakzeptables Verfahren, um die passenden Spender auszuwählen, und in dieser diskriminierenden Form nur aufgrund des veralteten Weltbildes einer Führungskraft der Transfusionszentrale in Kraft, so die Quelle. Homo- und bisexuelle Menschen würden somit unnötigerweise seit Jahren weiterhin pauschal von der Blutspende ausgeschlossen.

„Zeit, Missstand zu beheben“

Für den bisexuellen Mainzer Adam sind das unhaltbare Zustände. „Dass eine renommierte Institution wie die Universitätsmedizin Mainz seit Jahren zulässt, dass die Führungsriege ihrer Transfusionszentrale die Richtlinien der Bundesärztekammer nicht umsetzt, lässt mich fassungslos zurück. Es wird Zeit, dass die Universitätsmedizin diesen gravierenden Missstand behebt, die pauschale Diskriminierung beendet und sich für die seit 2016 unnötig fortgesetzte Diskriminierung von homo- und bisexuellen sowie transidenten Spendern entschuldigt“, so Adam.

Zwischenzeitlich hat eine vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzte Kommission bekannt gegeben, dass die einjährige Sperrfrist für MSM-Spender fallen soll. Vorausgesetzt der Zustimmung der Bundesärztekammer könnte die Rückstellungsfrist bereits ab Herbst 2021 auf vier Monate reduziert werden. Des Weiteren sollen dann alle Paare, ob hetero-, homo- oder bisexuell, jederzeit Blut spenden dürfen, solange sie in den vier Monaten vor der Spende nur mit dem eigenen Partner Sex gehabt haben. Ob die Uniklinik diese für den Herbst angekündigte Richtlinienänderung dann auch wirklich umsetzen wird, werden die Mainzer Blutspender und Bürgerrechtler wie Adam sicherlich im Auge behalten.

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