So sah der erste Rosenmontagszug nach dem Krieg aus

Mainz im Jahr 1945: Die Stadt liegt in Trümmern. An Fastnacht ist für viele nicht zu denken. Und es sollte noch fünf Jahre dauern, bis der erste Rosenmontagszug wieder stattfand. Ein Rückblick.

So sah der erste Rosenmontagszug nach dem Krieg aus

Wer an Fastnacht denkt, hat vermutlich ausgelassenes Feiern beim Rosenmontagszug, die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ und bunte Kostüme im Sinn. Doch wie sah die Mainzer Fastnacht nach dem Zweiten Weltkrieg aus?

Damals lag die Stadt in Trümmern, zahlreiche Mainzer waren gestorben oder schwer verletzt. Viele trauerten um ihre Angehörigen - an Fastnacht war für viele daher nicht zu denken. Der französische Stadtkommandant Louis Théodore Kleinmann wollte die Traditionen dennoch wiederbeleben. So erreichte er im Oktober 1945, dass die Kampagne für das folgende Jahr geplant werden sollte. Es gab „Mainzer Abende“ unter dem Fastnachtsmotto „Lache unter Tränen“, MCV und MCC nahmen ihre Arbeit wieder auf, es gründeten sich neue Vereine, Sitzungen fanden wieder statt.

Erster Zug im Jahr 1950

Doch es gab auch viel Kritik an der Wiederbelebung: Die CDU-Stadtratsfraktion beantragte 1948, Fastnachtsaktivitäten auszusetzen, „weil dies dem gesunden Sinn der Mehrheit unseres Volkes widerspricht und von dem Ausland nicht verstanden wird“. Das konnte Oberbürgermeister Emil Kraus verhindern.

Bis zum ersten Rosenmontagszug nach dem Krieg sollte es aber noch etwas dauern. Er fand im Jahr 1950 unter dem Motto „Lachen spende, Trübsal wende“ statt.

300.000 Besucher waren am 20. Februar dabei, über 100 Zugnummern nahmen teil. Ihre Themen: die Politik in Berlin und die nach dem Krieg zu Wiesbaden gehörenden rechtsrheinischen Stadtteile. Zur Finanzierung wurden erstmals Zugplakettchen verkauft - 100.000 Stück sollten es in diesem Jahr sein. Das Motiv des Plakettchens: der Bajazz mit Laterne.

In den Folgejahren etablierten sich außer den üblichen Sitzungen, Stehungen, Maskenbällen und Umzügen auch die Fernsehsitzungen. 1955 strahlte der Südwestfunk erstmals „Mainz, wie es singt und lacht“ aus, 1965 lief das erste Mal „Mainz bleibt Mainz“ im ZDF. Für Fastnachter wie Ernst Neger („Heile, heile Gänsje“) oder Lutz Franck („Ui-jui-jui-au-au-au“) boten die Sendungen eine gute Plattform: Sie erlangten schon bald Kultstatus machten die Mainzer Fastnacht zu dem, was sie heute ist. (rk)

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