Mainzer Tischtennisverein: Kantenbälle gegen Rechtsextremismus

Die Aktion „Klare Kante gegen Rechts“ des TTC Mainzer Füchse geht in die zweite Runde. Für jeden Kantenball spendet der Verein 50 Cent – diesmal für das Haus des Erinnerns in Mainz.

Mainzer Tischtennisverein: Kantenbälle gegen Rechtsextremismus

Der Tischtennisverein Mainzer Füchse startet in dieser Saison zum zweiten Mal seine Aktion „Klare Kante gegen Rechts“. Damit wolle sich der Verein für Vielfalt, Zusammenhalt und Demokratie stark machen und ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen. Dabei würden sie für jeden in der Saison gespielten Kantenball also einen Ball, der die Tischkante berührt, 50 Cent spenden, berichtet Tim Schaub (Mitglied des Vorstandes der Mainzer Füchse) gegenüber Merkurist. Weitere Spenden kämen von Spielern, Gegnern und Unterstützern dazu.

Im letzten Jahr seien dadurch insgesamt 860 Euro für die „Amadeu Antonio Stiftung“, eine Stiftung zur Stärkung der deutschen Zivilgesellschaft, zusammengekommen. Davon seien 411 Euro auf insgesamt 821 Kantenbälle zurückgegangen.

Auch in dieser Saison werde das Projekt weitergeführt. Denn „gerade an den aktuellen Landtagswahlen in anderen Bundesländern hat man auch gesehen, dass es wichtig ist, für Demokratie einzutreten“. Dieses Jahr solle das Geld einer lokalen Stiftung zugutekommen: dem „Haus des Erinnerns“. Dies sei eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus, die sich mit unterschiedlichen Projekten für Demokratieförderung einsetze.

Nachahmen erwünscht

Wie läuft das Projekt ab? Bei den Heimspielen würden sie ihr Projekt zunächst kurz vorstellen. Während des Spiels würden dann die Kantenbälle mitgezählt. Am Ende der Saison würden die Mainzer Füchse die Kantenbälle ihrer Mannschaften und der gegnerischen Mannschaften zusammenzählen und den dadurch entstehenden Betrag spenden. Außer den Kantenbällen würden die Füchse auch über andere Wege Spenden sammeln, etwa durch eine aufgestellte Spendenbox bei Heimspielen und einen QR-Code auf der Website. Ein weiterer positiver Nebeneffekt der Spendenaktion: Da man durch Kantenbälle im Spiel meistens den Punkt verliere, ärgere man sich leicht über solche Bälle. Dies geschehe jetzt weniger, da man damit nun auch etwas Gutes tue, erzählt Schaub.

Die Umsetzung der Aktion sei nicht viel Arbeit gewesen, berichtet Julian Roth, der in diesem Jahr Teil des Organisationsteams ist. „Eine Spendenbox, ein paar Flyer und mehr braucht man eigentlich nicht.“ Mit ihrem Projekt würden sie auch andere Vereine zum Nachahmen anregen wollen, erzählt Schaub. Wenn ein Verein sich engagieren möchte, „unterstützen wir gerne, zum Beispiel bei Design-Ideen oder durch Austausch.“

„Wir verstehen uns als Gemeinschaft“

„Klare Kante gegen Rechts“ sei nicht unabhängig vom Vereinsleben entstanden. Die Aktion gehe auf eine Wertecharta zurück, die sich der Verein aus der Mainzer Neustadt 2024 gegeben habe. Darin beschrieben seien Werte wie Respekt und Offenheit. Damit die Charta „nicht nur ein Blatt Papier bleibt, muss diese auch gelebt werden“, so Schaub. „Wir verstehen uns als Gemeinschaft zu der jeder etwas beiträgt.“ So würden die Füchse beispielsweise, entgegen der etablierten Tradition, bei Auswärtsspielen dem Heimverein helfen, die Tischtennisplatten auf- und abzubauen. Viele Vereine verwundere das zunächst.

Auch abseits der Halle würden sie sich als Verein engagieren und damit zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen wollen. Einen einzelnen Auslöser für „Klare Kante gegen Rechts“ habe es nicht gegeben. „Es war eher so ein Gefühl, dass wir was tun müssen, dass es so nicht weitergehen kann. Als Verein wollten wir ein Zeichen setzen.“ Schaub wünsche sich für die Gesellschaft, dass „wir mehr zusammenhalten, mehr miteinander reden und mehr positive Geschichten schreiben. Vielleicht ist ‚Klare Kante gegen Rechts‘ eine kleine Aktion, die dazu beiträgt.“ Bisher hätten sie dafür bei den Wettkämpfen viel Zuspruch bekommen.