Nach Wurf aus dem Fenster: Hund Nicki kommt ins Tierheim

Nicki hatte Glück: Sie lebt. Nachdem die kleine Mischlings-Hündin am Freitag in Ingelheim durch ein Fenster geworfen wurde, erlitt sie schwere Verletzungen. Derzeit ist Nicki noch in einer Tierklinik, danach soll sie ins Tierheim.

Nach Wurf aus dem Fenster: Hund Nicki kommt ins Tierheim

Völlig steif und überstreckt habe Nicki am Freitag auf dem Boden vor dem Wohnhaus gelegen. „Der Hund schrie vor Schmerzen, als unsere Tierheimsleiterin bei ihm ankam“, sagt Barbara Blachnik vom Verein „Tierhelfer Ingelheim“. Die kleine Hündin war am Freitag in Ingelheim aus einem Fenster im ersten Obergeschoss geworfen worden (wir berichteten). Melanie Weingart, die das Tierheim in Ingelheim leitet, kümmerte sich kurz danach um das Tier. „Sie brachte sie sofort in eine Tierklinik“, sagt Blachnik. Weingart selbst kann am Dienstagabend keine Fragen dazu beantworten - sie ist bereits auf dem nächsten Notfalleinsatz mit einem anderen Hund. „Sie ist wirklich eine Tierschützerin mit Leib und Seele“, sagt Blachnik.

Für den kleinen Jack Russel Terrier-Mischling Nicki habe es erst nicht gut ausgesehen. Am Montag und auch am Dienstag besuchte Weingart die 13 bis 14 Jahre alte Hündin in der Klinik und machte sich selbst ein Bild davon, wie es ihr geht. „Inzwischen ist wohl eine deutliche Besserung zu sehen“, so Blachnik. Der Hund erlitt demnach ein Wirbelsäulentrauma und muss erst einmal stationär in der Klinik behandelt werden, stehen kann er derzeit nicht.

„Bei einem Besuch war auch der stellvertretende Tierheimleiter Thomas Geyer dabei und hat Nicki ein bisschen massiert, damit sie sich etwas entspannen kann“, erzählt Blachnik. „Wenn es ihr besser geht, kommt sie zu uns ins Tierheim.“ Vielleicht sei das schon nächste Woche der Fall, sicher könne man das aber noch nicht sagen.

Nicki soll sich im Tierheim erholen

Im Tierheim soll sich der Hund dann in Ruhe erholen: „Wir stellen uns ganz individuell auf die Bedürfnisse unserer Tiere ein. Bei Nicki wird es erst einmal darum gehen, dass ihr Gesundheitszustand wieder stabil wird“, sagt Blachnik. Dann wird die Hundedame vermutlich auch die anderen Bewohner des Tierheims kennenlernen: Sechs Hunde, neun Katzen und dreizehn Nagetiere sind hier momentan zuhause. „Gerade geht es ganz gut. Wir haben auch Zeiten, in denen deutlich mehr Tiere hier sind.“ Sie sind aus unterschiedlichen Gründen im Tierheim gelandet: Meerschweinchen „Strubbel“ etwa wurde völlig verwahrlost in der Silvesternacht gefunden. Andere Tiere wurden von ihren Besitzern abgegeben oder auch von den Behörden in die Obhut des Tierheims gegeben.

„Der Tierschutz ist viel Arbeit und man sieht schlimme Dinge, aber es gibt auch viel zurück.“ - Barbara Blachnik

Blachnik erinnert sich auch an den Fall Ende 2015, als mehr als 200 Katzen und Kaninchen in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Wiesbaden entdeckt wurden. „Die Besitzerin hielt die Tiere in gestapelten Käfigen und Schachteln, sie waren in einem total verwahrlosten Zustand.“ Weil es so viele Tiere waren, unterstützen die Tierheime Mainz und Ingelheim das Wiesbadener beim Abtransport und der Unterbringung. „Der Tierschutz ist viel Arbeit und man sieht schlimme Dinge, aber es gibt auch viel zurück“, sagt Blachnik.

Tierheim ist auf Spenden angewiesen

Zwar gibt es im Ingelheimer Tierheim auch angestellte Mitarbeiter, viele Helfer seien aber ehrenamtlich aktiv. „In unserem Verein haben wir fast 800 Mitglieder“, sagt Blachnik. Das sei auch wichtig für die Finanzierung: „Wir bekommen zwar eine Pauschale für Fundtiere von den Gemeinden, für die wir zuständig sind. Aber das reicht leider nicht, um alle Kosten zu decken.“ Die Tiere werden im Heim nicht nur untergebracht und gefüttert, sondern auch gechipt, geimpft und mit Halsband und Co. ausgestattet. „Einmal die Woche kommt eine Tierärztin zu uns und macht kleinere Untersuchungen vor Ort, für größere Sachen müssen wir in eine Tierklinik.“ Damit das alles bezahlt werden kann, ist das Tierheim neben der Pauschale und den Mitgliederbeiträgen auch auf Spenden angewiesen.

Neue Fundtiere werden in den ersten Wochen noch nicht vermittelt, falls sich ein Besitzer meldet. „Wir stellen sie auch online, damit sie wiedergefunden werden können.“ Neben den eigenen Tieren sind auch „Pensionsgäste“ im Tierheim: Tierbesitzer, die sich etwa im Urlaub nicht um ihren Vierbeiner kümmern können, können ihn für diese Zeit dort in Pflege geben. Außerdem versucht das Tierheim, mit dem Projekt „Jede Pfote zählt“ auch verhaltensauffälligen oder schwierigen Hunde eine Chance zu geben. „Unser Bordercolli Django ist zum Beispiel taub“, sagt Blachnik. „Aber er macht im Training bei uns schon gute Fortschritte und reagiert inzwischen auf Zeichen und Gesten.“ Das Ziel des Vereins ist es, für die Heimtiere ein liebevolles Zuhause zu finden. Vielleicht kann auch Nicki bald vermittelt werden, wenn sie sich von ihrem Schock und den Verletzungen erhohlt hat.

Wer mehr über das Tierheim Ingelheim erfahren möchte oder Interesse an einem der Tiere dort hat, kann sich auf der Internetseite von „Tierhelfer Ingelheim e.V.“ oder bei Facebook darüber informieren.

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