Giftköder in Mainz: Mehren sich die Fälle?

Ob Rattengift oder mit Nägeln präparierte Wurststücke: Immer wieder gibt es aktuell Meldungen zu Giftködern in Mainz. Müssen Hundebesitzer jetzt besonders vorsichtig sein?

Giftköder in Mainz: Mehren sich die Fälle?

Zwei Tage lang hing die Hündin der Mainzerin Nina am Tropf, Chancen zu überleben gaben die Ärzte ihr kaum noch. Noch am Morgen waren die beiden auf Feldwegen bei Bretzenheim unterwegs gewesen, „ganz normal spazieren“, wie Nina gegenüber Merkurist erzählt. Zwei Stunden später ging es Bella immer schlechter: „Sie wurde plötzlich ganz unruhig, begann zu zittern und hatte ganz schlimme Krampfanfälle. Sie lag auf dem Boden und war nicht mehr ansprechbar.“

Nina fuhr mit ihr zur Tierklinik nach Hofheim. „Ich war am Boden zerstört, als ich sie in diesem Zustand sehen musste.“ Zur Überraschung aller wurde Bella jedoch nach zwei Tagen wieder wach. Einige Zeit später stand sie wieder auf den Beinen, Nina konnte sie mit nach Hause nehmen.

Giftköder liegen auf beliebten Spazierwegen

Solche Geschichten gehen nicht immer so glimpflich aus. Aktuell macht den Hundebesitzern vor allem ausgelegtes Gift Sorgen. Wie auf dem Portal „Dogorama“ erkennbar, werden Hunde immer wieder Opfer von ausgelegtem Gift, oft wird Rattengift vermutet. Wie der Tierschutzverein Tasso warnt, werden Köder mit Rattengift oder scharfen Gegenständen oft von Hundehassern dort platziert, wo die Tiere häufig entlanglaufen.

Der Mainzer Polizei gemeldet wurden im Zeitraum von Januar bis April aber lediglich elf Fälle „vermeintlicher Giftköder“, teilt eine Pressesprecherin im Namen der Kriminalinspektion auf Anfrage mit. „In keinem der gemeldeten Fälle kam ein Hund zu Schaden“, so Sarah Lehnen. Im Mai seien der Polizei gar keine Fälle bekannt geworden.

Die gemeldeten Fälle hätten sich auf das gesamte Stadtgebiet verteilt, ein Schwerpunkt sei nicht festzustellen gewesen. Ob es sich dabei tatsächlich um Giftköder gehandelt hat, könne die Polizei nicht genau sagen. „In den überwiegenden Fällen wurden die vermeintlichen Köder bereits durch die Finderinnen beziehungsweise Finder entsorgt“, so Lehnen. Die restlichen Proben hätten keine Anhaltspunkte für Gift gezeigt.

Hundehalter steht in Beweispflicht

Wer einen Verdacht auf Giftköder hat, steht allerdings meistens in der Beweispflicht, muss also Beweise vorlegen, die den Verdacht erhärten. Die Tierschutzorganisation Tasso rät daher, möglichst Fotos vom ausgelegten Gift zu machen, den Köder zu sichern und Daten von Zeugen aufzunehmen. Auf jeden Fall solle man eine Strafanzeige bei der Polizei erstatten.

Außerdem soll man laut Tasso von eigenen Erste-Hilfe-Maßnahmen absehen und stattdessen direkt zum Tierarzt fahren, wenn auch nur der kleinste Verdacht einer Vergiftung bestehe. „Die meisten Giftköder verursachen schon binnen kürzester Zeit erste Vergiftungsanzeichen“, heißt es auf der Webseite. Symptome für eine Vergiftung können Erbrechen und übermäßiges Hecheln, vermehrt weißer Speichel und blasse Schleimhäute sein. Auch die Pupillen sind oft verändert und der Hund wirkt allgemein teilnahmslos.

Hohe Strafen für die Täter

Wenn der Hund Rattengift zu sich genommen hat, können die ersten Anzeichen aber auch erst Tage später auftreten. „Neben Müdigkeit und Erbrechen sind blutiger Durchfall oder auch eine herabgesetzte Körpertemperatur typische Anzeichen“, so Tasso. Nach zwei bis drei Tagen können Blutungen auftreten. Der Hund verstirbt meist innerhalb von drei bis fünf Tagen an Organversagen. Neben Rattengift werden oft auch Köder mit Insektenbekämpfungsmitteln, Betäubungsmitteln oder scharfkantigen Gegenständen wie Rasierklingen oder Nägeln ausgelegt.

Wer Giftköder auslegt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen, die Tat wird dann nach dem Tierschutzgesetz als „vorsätzliches Töten von Wirbeltieren“ bestraft, „mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe“, so Polizeisprecherin Lehnen. Zusätzlich komme eine versuchte beziehungsweise vollendete Sachbeschädigung in Betracht, da Tiere strafrechtlich als Sache gelten. „Diese kann mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder ebenfalls mit Geldstrafe bestraft werden.“

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