Die Nazi-Pläne mit dem Mainzer Volkspark

Ein Platz für bis zu 200.000 Menschen sollte in den 1930er-Jahren auf dem heutigen Volksparkgelände entstehen. Die Nationalsozialisten planten dort, einen sogenannten Thingplatz für völkische Feiern und politische Kundgebungen zu errichten.

Die Nazi-Pläne mit dem Mainzer Volkspark

In Mainz gehört der Volkspark zu den größten Grünanlagen. Das Areal in der Oberstadt ist seit Jahrzehnten vor allem im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel. Auch in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war das Gelände Anlaufpunkt für tausende von Mainzern. Damals war der Volkspark auch unter dem Namen „Thingplatz“ bekannt. Doch was hat es damit genau auf sich?

Gigantisches Freilichttheater geplant

Geprägt wurde der Begriff, der im Wesentlichen auf die Zeit der Germanen zurückgeht, von den Nationalsozialisten. Diese planten auf den Thingplätzen, gigantische Freilichttheater für monumentale Aufführungen vor riesigem Publikum zu errichten. Außerdem sollten dort nationale Feste gefeiert und Propaganda-Veranstaltungen abgehalten werden. Vor allem in der Frühphase des Dritten Reichs wurden Thingplätze staatlich gefördert. Ziel war es, die „Volksgemeinschaft“ zu stärken. Im gesamten Reich wollten die Nationalsozialisten etwa 400 solcher Plätze schaffen.

Schließlich gab es auch Pläne, in Mainz einen Thingplatz zu schaffen. Zu diesem Ergebnis kommen jedenfalls die Wissenschaftler Esther Kronsbein und Amilca Sosa y Fink. In ihrem Aufsatz beschäftigen sie sich mit dem Thema: „ Gab es einen Thingplatz in Mainz?“ Demnach bemühte sich die Stadt Mainz sogar 1934 um einen solchen Platz. Das zeigt auch der Besuch des Reichstatthalters und Gauleiters Sprenger. Denn der Bau eines Thingplatzes durfte nur mit der Genehmigung des zuständigen Gauleiters und des Reichspropagandaministeriums erfolgen.

Gemäß dem Bauplan des damaligen Mainzer Gartenbaudirektors sollte der Thingplatz rund 200.000 Menschen fassen. Allein 100.000 Menschen sollte ein Aufmarschplatz in Richtung Weisenau fassen, der über Treppen und Terrassen auf ein 16.000 Quadratmeter großes Rasen-Oval führte. Im Oval selbst wollte man noch einmal 48.000 Menschen unterbringen und auf der Freilichtbühne sollten bis zu 1000 Schauspieler gleichzeitig auftreten können. Ein 40.000 Menschen fassender und um acht Meter abfallender Zuschauerplatz war zum Rhein hin geplant. Für Pferde und Wagen der Darsteller war ein Weg geplant, der von der Weisenauer Straße direkt zur Rückseite der Bühne führte.

Am 1. Mai 1935 fand dann eine erste große Feier auf dem Gelände des heutigen Volksparks statt. Zum „Tag der nationalen Arbeit“ gab es dort ein Volksfest. Miteingebunden war der Einmarsch der Parteiorganisationen wie SA (Sturmabteilung), SS (Schutzstaffel) und HJ (Hitlerjugend). Auch Adolf Hitler spielte eine Rolle bei der Veranstaltung. So wurde eine Rede von ihm live nach Mainz übertragen. Zudem fand ein Chorspiel statt. Dabei kamen an diesem Tag insgesamt 35.000 Menschen in den Volkspark, der sich zu dieser Zeit im Umbau befand. Direkt nach dem Volksfest wurde der Park wieder für Besucher geschlossen.

Begriff „Thingplatz“ durchaus üblich

Ende Juni 1935 fand schließlich eine zweite große Feier auf dem Gelände statt. Anlass war die Sonnenwende, die gleichzeitig die offizielle Eröffnung des Volksparks darstellte. Dabei wurde dann zumindest in der Mainzer Presse von einem „Thingplatz“ am ehemaligen Fort Weisenau berichtet. Aber auch bei einigen Mainzern hat sich der Begriff wohl etabliert. Laut dem ehemaligen Ortsvorsteher von Weisenau, Max Brückner, ist es für viele Weisenauer seines Alters ganz normal gewesen, vom „Thingplatz“ zu sprechen.

Letztlich gibt es jedoch keine Dokumente, die belegen, dass der Mainzer Volkspark vom Propaganda-Ministerium jemals als offizielle Thingstätte geführt wurde. Die Nationalsozialisten verwarfen zudem noch in den 1930er-Jahren generell die Idee der Thing-Bewegung. Deshalb stoppten sie auch die finanziellen Fördermittel für Thingplätze im gesamten Reichsgebiet.

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