Tempo 30 in der Innenstadt: Ist es wirklich gut für die Umwelt?

Seit einem Monat darf man auf der Rheinachse und in anderen Teilen der Innenstadt nur noch mit 30 km/h unterwegs sein. Das erhöht den Spritverbrauch. Ist damit der Umweltgedanke, der hinter der Einführung des Limits steht, nichtig?

Tempo 30 in der Innenstadt: Ist es wirklich gut für die Umwelt?

Seit dem 1. Juli gilt in weiten Teilen der Mainzer Innenstadt Tempo 30. Das neue Tempolimit soll vor allem an der Rheinachse für sauberere Luft sorgen und so ein drohendes Dieselfahrverbot verhindern. Doch viele Autofahrer sehen das kritisch, fordern die Rückkehr zur vorherigen Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h. Sie meinen: Durch Tempo 30 ist der Spritverbrauch deutlich höher, allein wegen der Drehzahl und wegen des häufigen Anfahrens und Bremsens. Das sieht auch Merkurist-Leserin Maria so und fragt in ihrem Snip: „Wie soll das denn die Umwelt schonen?“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sagt auf Anfrage von Merkurist: „Es gibt mittlerweile viele Untersuchungen dazu, wie sich die Luftqualität auf Hauptstraßen bei Tempo 30 entwickelt. Laut Umweltbundesamt reduziert Tempo 30 die Luftschadstoffbelastung, wenn die Qualität des Verkehrsflusses beibehalten oder verbessert werden kann.“ Mit einer Umstellung auf Tempo 30 müsse also zwingend eine Anpassung der Ampelanlagen erfolgen. „Wir gehen davon aus, dass dies in Mainz geschieht.“ Laut Stadt Mainz werden die Ampeln derzeit nach und nach umprogrammiert, auf der Kaiserstraße, Parcusstraße, Rheinstraße und Peter-Altmeier-Allee sind die Arbeiten bereits abgeschlossen (wir berichteten).

Eine Studie des ADAC sieht das allerdings anders. Der Automobil-Club empfiehlt Tempo 30 als städtische Regelgeschwindigkeit nicht. Laut einer Untersuchung fördert eine flächendeckende Tempo-30-Zone Schleichverkehre, vor allem durch „sensible Wohnbereiche“. Auch der ÖPNV werde auf Hauptverkehrsstraßen durch ein solches Tempolimit massiv behindert - dies verursache höhere Betriebskosten und Zeiteinbußen. „Tempo 30 als städtische Regelgeschwindigkeit ist zudem aus Umweltgründen unwirksam.“ Die genauen Messwerte zu dieser These findet Ihr hier. Das allgemeine Fazit des ADAC: Weder aus Sicherheits- noch aus Umweltgründen sei ein flächendeckendes Tempolimit von 30 km/h zielführend.

Die DUH wiederum kritisiert das Vorgehen des ADAC bei dieser Untersuchung. „Ganz allgemein erachten wir das staatliche Umweltbundesamt als unabhängigere Quelle als den ADAC. Der ADAC hat sich eine einzige Studie der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg herausgesucht.“

Was sagt das Umweltbundesamt?

Laut Umweltbundesamt, das in einer Evaluation mehrere Studien verglichen hat, sind die Zusammenhänge „komplex und schwer nachweisbar“. Das liegt auch daran, dass andere Faktoren wie die „regionale und städtische Hintergrundbelastung und unterschiedliche Ursachen (zum Beispiel Motor, Abrieb, Aufwirbelung)“ eine Rolle spielen. „Die wenigen, empirischen Untersuchungen zum Thema zeigen insgesamt eine leichte Abnahme der Luftschadstoffbelastung nach Einführung von Tempo 30“, heißt es in der Studie. Und weiter: „Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass auch die Qualität des Verkehrsflusses einen großen Einfluss auf die Luftschadstoffbelastung hat. Kann eine Verstetigung des Verkehrsflusses erreicht werden, sind auch deutliche Reduktionen der Luftschadstoffe möglich.“

Je gleichmäßiger der Verkehr fließe, desto besser sei also das Emissionsverhalten der Fahrzeuge, so die DUH. „Bei Tempo 30 sind Anfahrtsvorgänge generell kürzer als bei Tempo 50, dadurch wird die Beschleunigungsphase reduziert. Das ist gut für die Luftqualität.“ Eine noch größere Wirkung haben laut DUH jedoch die Effekte, die sich durch die großräumige Tempo-30-Zonen ergeben. „Dass Menschen auf andere Verkehrsmittel umsteigen, weil man mit Bus und Rad genauso schnell und sicher unterwegs ist, wird voraussichtlich einen höheren Einfluss auf die Luftqualität haben als die reine Geschwindigkeitsreduzierung.“

Die Studien des ADAC und des Umweltbundesamtes findet Ihr hier und hier. Wie sich das Tempolimit auf die Luftqualität in Mainz auswirkt, könnt Ihr hier sehen. (mm)

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