Diese Mainzer Lokale werden schmerzlich vermisst

Manche Lokale kommen und gehen und man merkt es gar nicht. Bei diesen ist es anders: Wir stellen euch frühere Kneipen, Bars, Restaurants und Clubs vor, die in Mainz fehlen. Heute: Teil 9.

Diese Mainzer Lokale werden schmerzlich vermisst

In unserer Serie stellen wir euch Kneipen, Bars, Restaurants und Clubs vor, die in den vergangenen Jahrzehnten schließen mussten – und die wir schmerzlich vermissen. Im ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften, sechsten, siebten und achten Teil haben wir euch bereits frühere Lokale vorgestellt, hier sind vier weitere, die in Mainz fehlen:

Gutenberger

Steinpilzkartöffelchen mit gegrilltem Sellerie, Lauchauflauf mit Feta überbacken und rheinhessische Weine: Im Weinlokal Gutenberger in der Kapuzinergasse waren alle Speisen und Weine vegan. im April 2015 war das Weinlokal in die ehemaligen Räume des Gasthauses „Templer“ eingezogen. Wie Inhaberin Marion Lohsse Merkurist erzählte, kam das Konzept des Lokals bei den Gästen gut an. Auch im Internet gab es sehr gute Bewertungen für den Gastronomie-Betrieb. Dennoch mussten Lohsse und ihr Partner Tobias Franz das Gasthaus schon im Oktober 2016 wieder schließen.

Während das Lokal im Sommer 2015 viele Gäste hatte, nahm die Zahl in den Wintermonaten stark ab. Durch den verregneten Sommer 2016 sei das Restaurant dann in eine schwere finanzielle Schieflage geraten. Ein generelles Problem sei gewesen, dass der Umsatz durch die geringe Anzahl an Sitzplätzen begrenzt gewesen sei. Zudem hätten es viele Gäste vorgezogen, im kleineren oberen Gastraum zu sitzen, unten blieb es weitestgehend leer. Auch weil es unten Feuchtigkeitsprobleme, teils nasse Wände gab.

Einen Auszug aus den Räumen erwogen die Inhaber jedoch nicht. Das Startkapital war schon komplett aufgebraucht. Die Mietausgaben für das Lokal und die Personalkosten seien letztlich für sie zu hoch gewesen. „Finanziell hat uns das dann das Genick gebrochen“, so Lohsse damals.

Heute befindet sich das „Gasthaus Willems“ in den Räumen.

Joey’s Pizza

Acht Jahre lang gab es Joey's Pizza in der Eppichmauergasse in Mainz, 2016 dann wurden immer mehr Joey's-Filialen von der Pizza-Kette Domino’s übernommen. Der Chef des Mainzer Joey's hatte darauf keine Lust – und machte sich selbstständig. Ab November 2016 verkaufte das Team unter dem Namen „Pizza Fuchs“ Pizza, Burger und Salate in der ehemaligen Joey's-Filiale. Doch im März 2017 war schon wieder Schluss.

Es folgte „Pizza Team“, das allerdings schon 2018 wieder ein paar Meter weiter in die Ludwigsstraße zog. Am 31. Dezember 2018 eröffnete „Pizzeria Giordano“ – und schloss nicht mal ein Jahr später wieder. Ab November 2019 gab es dann im Grillrestaurant „Chill’n Grill“ Currywurst, Schnitzel und Co. Doch ein paar Monate später war auch für dieses Lokal Schluss. Seit September 2020 sitzt in dem Gebäude mit „LaufZeit“ ein Laden für Laufschuhe und -textilien; gastronomisch wird das Eckhaus zur Weißliliengasse also nicht mehr genutzt.

Zero Club

Als Norbert Schön im Jahr 2010 das „Schon Schön“ in der Großen Bleiche eröffnete, war es nicht der erste Versuch, einen Club im früheren Allianzcafé zu eröffnen – aber bei weitem der erfolgreichste. Das „Schon Schön“ gibt es nun schon seit zwölf Jahren, der Vorgänger „Zero Club“ war nur etwa drei Jahre lang in den Räumen. Auch vorher habe „schon mancher Betreiber erfolglos versucht“, die Räume „zu neuem Leben“ zu erwecken, wie die Rhein-Zeitung zur Eröffnung des „Schon Schön“ im Oktober 2010 schrieb.

Im März 2007 hatte der „Zero Club“ noch Grand Opening gefeiert – mit Elektrobeats, Sektempfang und viel nackter Haut. „In den Bereichen Club, Cocktail-Bar, Lounge, Bistro und Biergarten wird in Zukunft allen Gästen ein vielfältiges Programm geboten“, hieß es damals. Auch die Empore konnte damals noch genutzt werden, wie auch in den ersten Jahren im „Schon Schön“.

Aber ob den „Zero Club“ noch viele vermissen? Angesichts der Beliebtheit des „Schon Schöns“ wohl eher nicht.

Zum Schambes

Die Kneipe „Zum Schambes“ gibt es schon seit Anfang 2020 nicht mehr, im vergangenen Jahr eröffnete in den Räumen am Hopfengarten das „Hopfen und Malz“ (wir berichteten). Noch zu finden sind allerdings die Google-Rezensionen zum Vorgänger. Für einige Gäste war „Zum Schambes“ eine echte Mainzer Kultkneipe, andere gingen nach ihrem Besuch allerdings ziemlich verstört nach Hause.

So habe ein Gast den Fehler gemacht, ein Colaweizen zu bestellen. „Das schien ein wunder Punkt, denn der […] Wirt machte uns an: ‘So etwas serviere ich nicht, ihr könnt gleich wieder gehen.’“ Dann habe sich der Wirt im Weggehen noch einmal umgedreht und gebrüllt: „Das war mein Ernst! Verpisst euch!“

Andere Gäste wurden laut Google-Rezensionen rausgeschmissen, weil sie nach der Karte gefragt hätten. Ein weiterer User berichtet auf Englisch davon, dass seine Kollegin es gewagt habe, einen Stuhl vom Nebentisch zu nehmen, als sie später dazukam. Die Folge: „Der Barkeeper schreit auf Deutsch, dass dies ein Tisch für zwei Personen sei, nimmt den Stuhl direkt aus ihren Händen, wirft ihn zurück, wo er war, und flucht in deutscher Sprache.“

Okay, nicht alle Gäste scheinen „Zum Schambes“ also schmerzlich zu vermissen. Doch ein User vergibt eine versöhnliche Bewertung. „Mit viel Humor und nem dicken Fell kann man hier entspannt ne Weinschorle trinken, allerdings: Der Wirt ist selbst sein bester Kunde, hasst Gäste, die etwas trinken möchten, das nicht Bier oder Wein ist, hat keinen Service-Gedanken und will eigentlich seine Ruhe. Wenn man das weiß und dementsprechend nichts erwartet, ist es äußerst unterhaltsam.“

Logo