Unnützes Wissen über Mainz

Was haben RAF-Terroristen mit der Hautklinik zu tun? Warum ist ein Gebäude der Uni nach einem Bibliothekar benannt und wieso berichteten 1969 Zeitungen über den Werteverfall in Mainz? Fünf unnütze Fakten zur Mainzer Geschichte.

Unnützes Wissen über Mainz

Wieso US-Präsident George Bush in Mainz eine blutige Nase bekommen hat, das wissen aufmerksame Merkurist-Leser bereits. Und auch, wie die Mainzer Polizei die Modewelt erobert hat, ist mittlerweile bekannt. Mit diesem überflüssigen Wissen kann man in Gesprächen immer wieder beeindrucken. Deshalb haben wir fünf unnütze Fakten zur Regionalgeschichte gesammelt, die jeder Mainzer kennen sollte.

Freimaurer

Nicht erst seit Dan Browns Bestseller „Das verlorene Symbol“ ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien um diesen geheimnisvollen Männerbund der Freimaurer. Dessen Ziele sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Humanität in allen sozialen Schichten. Da die Mitglieder zur Verschwiegenheit verpflichtet sind, gibt es seit der Gründung der ersten Freimaurer-Logen wilde Spekulationen über die Rituale der Freimaurer. In Mainz gibt es seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Freimaurer-Logen, wie es auf der Homepage der „Freunde zur Eintracht“ heißt. Die Mainzer Loge feierte 2003 ihr 200-jähriges Bestehen.

Universitätsbibliothekar und Revolutionär

Das „Georg-Forster-Gebäude“ auf dem Universitätsgelände ist nach einem Bibliothekar und Revolutionär benannt. Georg Forster wurde 1754 in Danzig geboren, als Gehilfe seines Vaters nahm er mit knapp 20 Jahren an der Weltumseglung von James Cook teil. Währenddessen vertiefte er seine Kenntnisse in Botanik, Physik, Geographie, Ethnologie und Meteorologie. Deshalb konnte er nach den Reisen als Naturwissenschaftler an verschiedenen Universitäten - auch in Mainz - unterrichten.

1788 wurde der mittlerweile promovierte Forster zum Universitätsbibliothekar der Stadt Mainz. Das war damals eine große Ehre, schließlich waren die 50.000 Bücher der Bibliothek besonders kostbar. Seine Leidenschaft galt jedoch nicht nur den Büchern, er engagierte sich auch politisch. So wurde sein Haus zum Treffpunkt für Bauern, Bürger und Beamte, die sich für die „Mainzer Republik“ aussprachen.

Sex-Skandal bei Presseball

Im Jahr 1969 blickte die ganze Bundesrepublik auf Mainz, denn die „Bild-Zeitung“ und die „Welt“ hatten über den angeblichen Werteverfall in Mainz berichtet. Auslöser war der jährliche Presseball der Studentenzeitung „Nobis“, der im Januar stattgefunden hatte. Bei der Tanzveranstaltung in der Mensa sei es zum Geschlechtsverkehr auf der Bühne gekommen. Daraufhin forderten Rektor Manfred Mezger wie auch Kultusminister Bernhard Vogel die Einstellung der Zeitschrift. Aus den Unterlagen des Uni-Archivs geht hervor, dass der „Allgemeine Studierendenausschuss“ (AStA) schließlich den Vertrag mit der „Nobis“ kündigte. Die Studentenzeitung musste kurze Zeit später eingestellt werden.

Bis heute ist nicht klar, was sich während des Balls tatsächlich ereignete. Beweise konnten nämlich keine gefunden werden, die Beschreibungen des Vorfalls waren zudem sehr verschieden. Weiterhin ist nicht sicher, ob die Sex-Gerüchte vielleicht auch bewusst platziert wurden, um zu provozieren.

Besetztes Institut

Zwei Jahre später besetzten Studenten das Mainzer Publizistik-Institut, um ihre Unzufriedenheit über die Studienbedingungen zu verdeutlichen. Auf der Homepage der Universitäts-Bibliothek wird ein Flugblatt zitiert, das über die Besetzung informierte: „Kommilitonen! Institut für Publizistik befreit! Solidarisiert euch!“

Doch anders als bei Hausbesetzungen in Frankfurt oder Berlin musste in Mainz keine Polizei mit Wasserwerfern und Schlagstöcken anrücken, um die angespannte Situation aufzulösen. Peter Schneider, der damalige Rektor der Universität, ließ für die Besetzer zunächst Spaghetti kochen und diskutierte mit den Studenten. Da die Institutsbesetzung jedoch weiter andauerte ließ er kurzerhand die Heizung des Gebäudes abdrehen und beendete die Hausbesetzung ganz ohne einen Polizeieinsatz.

Im Hungersteik

Mit der linksextremistischen terroristischen Vereinigung „Rote Armee Fraktion“ (RAF) verbindet man Orte wie Stuttgart-Stammheim, Berlin oder Frankfurt. Mainz bringt man jedoch nicht mit den RAF-Terroristen in Verbindung. Doch auch in Mainz und Umgebung kam es zu einigen kleineren Anschlägen der linksextremen Terroristen. Am 2. Mai 1975 wurde beispielsweise eine Bombe vor der Industrie- und Handelskammer in Mainz gezündet.

Doch Mainz hat noch weitere Verbindungen zur RAF. So wurde der Terrorist Holger Meins 1974 in Mainz obduziert. Er hatte im Gefängnis einen Hungerstreik begonnen und war schließlich gestorben, nach seinem Tod wog er nur noch 39 Kilo. Ebenfalls im Hungerstreik befanden sich zu diesem Zeitpunkt die RAF-Mitglieder Wolfgang Grundmann und Klaus Jünschke. Die Häftlinge wurden zur medizinischen Versorgung in den noch nicht fertiggestellten Neubau der Mainzer Hautklinik gebracht. Dort wurden sie zwangsernährt. (pk)

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