So sah Mainz in den 90ern aus

Die 90er Jahre sind noch gar nicht so lange vorbei. Doch seitdem hat sich Mainz stark verändert. In unserer Serie stellen wir euch die Unterschiede zwischen damals und heute vor.

So sah Mainz in den 90ern aus

Man spielte auf dem Gameboy statt auf dem Smartphone, hörte Boy-Bands und Trash-Techno und schaute Filme auf VHS: Das und vieles mehr waren die 90er Jahre. Doch wie sah Mainz in dieser Zeit aus? Wir geben euch einen Überblick. Im fünften Teil unserer Serie zeigen wir euch weitere Veränderungen im Mainzer Stadtbild (zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5).

Kaiserstraße

Zugegeben: So wie auf dem folgenden Bild sah die Kaiserstraße nicht in den kompletten 90ern, sondern nur im Januar 1991 aus. Die Fastnachtskampagne 1990/91 war damals in vollem Gange. Doch eigentlich war den Mainzer Narren gar nicht zum Feiern zumute. Denn es war auch die Zeit des Irak-Kriegs. An einem Abend Mitte Januar trafen sich deshalb Vertreter von 44 Fastnachtsvereinen und Garden zu einer Krisensitzung.

Und sie beschlossen einstimmig: Die Fastnacht fällt aus. Keine Sitzungen, kein „Mainz bleibt Mainz“, kein Rosenmontagszug. „Wer jetzt noch Fastnacht feiert, macht sich ethisch und moralisch unmöglich“, sagte der damalige MCV-Präsident Rudi Henkel am Rande der Versammlung. Und es regte sich auch öffentlicher Protest, wie er eben in dem Bild vor der Christuskirche zu sehen ist.

Übrigens: Seitdem ist der Rosenmontagszug noch zwei Mal ausgefallen: 2016 wegen eines Unwetters und in diesem Jahr wegen der Corona-Krise.

Mainzer Gefängnis

Heute kaum vorstellbar, aber mitten im Mainzer Bleichenviertel befand sich bis zum Jahr 2002 noch ein Gefängnis. Die meisten der etwa 250 bis 300 Häftlinge saßen in Untersuchungshaft, darunter auch extreme Fälle wie der „Wormser Hammermörder“, der später zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Der Mann tötete im September 1997 seine Mutter, seinen Bruder und dessen Freundin mit einem Maurerhammer.

2002 kam schließlich das Aus für die JVA Mainz. Schon in den Jahren zuvor war auf der grünen Wiese bei Wöllstein die Justizvollzugsanstalt Rohrbach entstanden. Zunächst wurde im Jahr 2002 die JVA Kaiserslautern geschlossen und die Häftlinge nach Mainz versetzt, noch im November folgte dann der endgültige Umzug nach Wöllstein. Das Mainzer Gefängnis entsprach nicht mehr den modernen Anforderungen. Es war ein altes Gebäude mit maroder Bausubstanz und schlecht abgesicherter Elektrizität – nicht mehr zu renovieren. Die Bilder stammen vom ehemaligen Justizvollzugsbeamten Hans Peter W., der von 1989 bis 2002 im Mainzer Gefängnis arbeitete.

Als dann 2002 der Gefängnisbetrieb in Mainz vorbei war, passierte zunächst lange nichts. Erst ab 2009 wurde das ehemalige Gefängnis saniert und in ein modernes Verwaltungsgebäude verwandelt. Die denkmalgeschützten Fassaden aus Sandstein blieben weitestgehend erhalten. Auch eine historische Haftzelle ist noch heute im Isenburg-Karree zu sehen. In den Büros arbeiten jetzt der Landtagspräsident und die Landtagsverwaltung von Rheinland-Pfalz.

Den ausführlichen Artikel zur Geschichte des Mainzer Gefängnis findet ihr hier.

MediaDrom in Finthen

Der Flugplatz Finthen hat eine bewegte Geschichte hinter sich: In den 30er-Jahren bauten ihn die Nazis, in den 80er-Jahren feierte Papst Johannes Paul II. mit 250.000 Menschen einen Gottesdienst und Jahre später stand dort das „MediaDrom“.

Die Geschichte des MediaDroms beginnt Mitte der 90er-Jahre und geht auf eine Idee des ZDF zurück. Wie die Seite quotenmeter.de schreibt, wollte der Sender damals seinen Altersdurchschnitt senken. Dafür erfanden die Verantwortlichen das neue Fernsehformat „Power Vison“, das vor allem jüngeres Publikum ansprechen sollte. Das ZDF versprach den Zuschauern ein „musikalisches Beben“ - und dieses sollte im MediaDrom stattfinden. Bis zu 4000 Besucher und zwei Bühnen fasste die extra für die Show entworfene, transportable und aufblasbare Hightech-Halle.

Zum Auftakt des Formats am 24. November 1995 stand das MediaDrom dann auf dem Flugplatz Finthen, wo man innerhalb von wenigen Tagen gleich mehrere Shows aufzeichnete. Die Titel der einzelnen Konzerte waren „Deutsch pur“, wo unter anderen PUR und Schwester S (Sabrina Setlur) auftraten, sowie „Alternative Rock“ mit Fury In The Slaughterhouse und Alanis Morissette. Mit die besten Quoten hatte die Ausgabe „Dancecharts“ mit Techno- und Euro-Dance-Stars wie Scooter, Dune und Culture Beat.

Insgesamt blieben die Quoten jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Nach einer weiteren Ausgabe mit dem Titel „Die Fete“ setzten die Verantwortlichen des ZDF das Format wieder ab. Mit dem Ende von „Power Vision“ wurde auch das MediaDrom überflüssig. Nach Aussagen der ZDF-Pressestelle sei es vom Architekten zunächst eingelagert, dann mehrfach verkauft und zuletzt am Hamburger Hafen aufgestellt worden. Der aktuelle Verbleib ist ungeklärt.

Party in den 90ern

Ob Quartier Mayence, Caveau oder jetzt seit 2009 „Zum Löwen“ in Gonsenheim: Seit fast 40 Jahren ist Wolfgang Klein eine feste Größe in der Mainzer Gastro- und Kneipenszene. Von 1989 bis 2000, also in den kompletten 90ern, war „Wolfi“ Pächter des „Caveau“. In dieser Zeit gab es auch immer wieder Live-Auftritte von namhaften Künstlern. „Manche Bands haben so gute Stimmung gemacht, dass keiner mehr was getrunken hat - nur in der Pause“, erinnert sich Wolfi. „So hatte ich Zeit zu feiern.“ Die nutzte er manchmal, indem er auf dem Tresen tanzte.

Auch das Personal und natürlich die Gäste ließen sich von der guten Stimmung anstecken.

Auch Alexander Kiefer, der Initiator des Zollhafen-Projekts Heilige Makrele, legte von 1989 bis 1992 im Caveau auf. Das Bild zeigt ihn aus dieser Zeit:

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