Diese Mainzer Originale fehlen einfach

Sie wurden in Mainz zu Legenden: In unserer Serie stellen wir euch Mainzer Größen aus Fastnacht, Politik und Gesellschaft vor, die leider nicht mehr leben. Heute: Teil 5.

Diese Mainzer Originale fehlen einfach

Im fünften Teil unserer Legenden-Serie stellen wir euch vier weitere Mainzer Originale vor, die leider nicht mehr unter uns sind (zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4).

Joe Ludwig

Anfang dieses Jahres verlor Mainz ein echtes Original: Fastnachtsstar Joe Ludwig starb kurz vor seinem 93. Geburtstag. Ludwig hatte 1946 die „Gonsbachlerchen“ mitgegründet, der Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV) schaffte es mit ihm in die Fernsehfastnacht. Nicht nur als kreativer Kopf der „Gonsbachlerchen“, sondern auch als Büttenredner machte er seinen Verein und die Mainzer Fastnacht deutschlandweit bekannt, wie der GCV nach seinem Tod erklärte.

Als Sitzungspräsident und Protokoller habe Ludwig durch „grandiose Rhetorik und schlagfertigen Humor“ Maßstäbe gesetzt, seine Büttenvorträge und Lieder hätten jahrzehntelang zum Besten gehört, was die Mainzer Fastnacht ausgezeichnet habe. „Dabei standen seine Verbundenheit und Liebe zu Gonsenheim und seiner Vaterstadt Mainz immer im Mittelpunkt.“

Barbara Hofmann

Wer im „Bodega Valencia“ in der Holzstraße Tapas, Paella und spanische Weine erwartete, wurde erst einmal enttäuscht. Stattdessen wartet auf die Gäste etwas anderes: ein zweites Wohnzimmer. 2002 übernahm Kultwirtin Barbara Hofmann („Betty“) die Hinterhofkneipe, nachdem sie zuvor 22 Jahre im Weinhaus Bacchus gearbeitet hatte. 99 Prozent der Gäste waren Stammkunden, tranken Bier, spielten Skat oder schauten Bundesliga, erzählte Betty einmal gegenüber Merkurist. Ende 2017 hörte sie schließlich auf. Drei Jahre später starb Betty völlig überraschend im Alter von 67 Jahren.

Schorsch und Ludwig

Bald eröffnet in der Emmerich-Josef-Straße das Archiv. Früher gingen dort „Unterhaus“-Künstler wie Harald Schmidt, Dieter Hildebrandt oder Jürgen von der Lippe nach ihren Auftritten in den „Winzerkeller“ zu Schorsch und Ludwig. Die beiden Mainzer galten als handfeste Wirte, sympathisch, gastfreundlich.

Im Winzerkeller konnte man rauchen, was das Zeug hält, und bekam oft noch bis 5 Uhr morgens etwas zu essen. Handkäs, Wurst und natürlich viel Wein – die Speisekarte war typisch Mainzerisch. Die Stars trugen sich ins Gästebuch ein, das noch heute im Kabarettarchiv zu finden ist.

Ende 1994 enden die Einträge abrupt. Schorsch starb im Alter von etwa 50 Jahren. Weil er alleiniger Pächter war, bedeutete sein Tod gleichzeitig das Aus für die Kneipe. Die Erinnerungen an den Winzerkeller aber leben nicht nur in den Regalen des Deutschen Kabarettarchivs weiter. Über der Theke im Unterhaus hängen hunderte Bilder, die früher an den Wänden des Winzerkellers hingen: Autogrammkarten der berühmten Kabarettisten und Schauspieler.

Seppel Glückert

Im „echten Leben“ war Seppel Glückert Schreibwarenhändler, in der Fastnacht glänzte er als Büttenredner und war Vorsitzender des Mainzer Carneval-Vereins (MCV). 1891 war er als Sohn eines Schreibwarenhändlers in Mainz geboren worden und trat 1925 in den MCV ein. Er war bekannter Kritiker des Nationalsozialismus, nur wenige Wochen nach der Machtergreifung dichtete er: „Zu reden hier heut braucht man Mut, Weil, eh mer sich vergucke dut, Als Opfer seiner närrischen Kunst kann einquartert wer'n ganz umsunst.“

In der Kampagne 1938 kam es zum Eklat, als Glückert das KZ Dachau erwähnte. Die Direktübertragung im Radio wurde abgebrochen. Vermutlich schützt ihn seine große Popularität in der Bevölkerung. Von 1947 bis zu seinem Tod 1955 war Glückert Präsident des MCV. Der „Spiegel“ nannte ihn den „König der Büttenredner“. In der Mainzer Innenstadt ist eine Straße nach Glückert benannt.

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