Mainzer Kriminalfälle: Tod in der Steingasse

In unserer Serie stellen wir euch berühmte Mainzer Kriminalfälle vor. In Teil 2 geht es um eine Befreiungsaktion, die in einer Tragödie endete.

Mainzer Kriminalfälle: Tod in der Steingasse

Es gibt Verbrechen, die die Bevölkerung auch Jahre nach der Tat nicht loslassen. Wir präsentieren euch in unserer Reihe einige dieser berühmten Mainzer Kriminalfälle, von denen manche bis heute ungeklärt sind.

Tödlicher Fenstersturz

Ein besonders tragischer Fall war der Tod von Reza S. 1983 in Mainz. Eigentlich wollte er nur seinen Onkel unterstützen, als sein Leben ein Ende fand. Erst wenige Tage vor dem Verbrechen war Reza S. nach Mainz gereist. Dort besuchte er seinen Neffen Medi H., einen iranischen Geschäftsmann, der im ersten Stock eines Hauses in der Steingasse einen Laden mit exklusiven Orientteppichen betrieb. Als H. zu einem Termin nach Hamburg aufbrechen musste, übernahm Reza kurzfristig den Geschäftsbetrieb.

Am Morgen des 3. Juni betrat ein unbekanntes Paar, von dem die Polizei annimmt, dass es bereits eine Woche zuvor das Geschäft ausgekundschaftet hatte, das Haus in der Steingasse. Kurz nachdem das Paar von Reza S. hereingelassen wurde, überwältigten sie den jungen Studenten, legten ihm Handschellen an und verbanden ihm mit Klebeband Mund und Augen. Zudem fesselten sie seine Beine. Dann begannen sie, die wertvollen Teppiche aus dem Geschäft in einen vermutlich in der Nähe geparkten Wagen zu schaffen.

In der Zwischenzeit schaffte es der junge Iraner jedoch, seine Fußfesseln zu lockern und sich an die große Fensterfront heranzutasten. Dort sprang er mit dem Rücken voran mehrfach gegen die Glasscheibe, um auf sich aufmerksam zu machen. Bei einem seiner Befreiungsversuche durchstieß der Iraner dann die Fensterfront und stürzte hinterrücks aus dem ersten Stock mitten in die Fußgängerzone.

Dabei zog sich der Student schwere Hirnschäden, innere Verletzungen und mehrere Knochenbrüche zu und fiel anschließend ins Koma. Seine Verletzungen erwiesen sich als so schwer, dass der junge Mann letztlich zwei Jahre nach dem Raubüberfall starb. Die Täter flüchteten mit fünf Teppichen im Gesamtwert von 50.000 Euro. Einer der Täter wurde später wegen Raubes und Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.

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