Diese Mainzer Originale fehlen einfach

Sie wurden in Mainz zu Legenden: In unserer Serie stellen wir euch Mainzer Größen aus Fastnacht, Politik und Gesellschaft vor, die leider nicht mehr leben. Heute: Teil 2.

Diese Mainzer Originale fehlen einfach

Zwei Fastnachtsstars, ein Mainz-05-Urgestein und eine Gastrolegende: Im zweiten Teil unserer Legenden-Serie stellen wir euch vier Mainzer Originale vor, die leider nicht mehr unter uns sind (zu Teil 1).

Martin Mundo

Mit dem Lied „Heile, heile Gänsje“ schuf der Mainzer Volksdichter und Fastnachter Martin Mundo 1929 ein Stück Mainzer Kultur. Im Leben jenseits der Fastnachtsbühnen verdiente er sein Geld als Weinhändler und Likörfabrikant. Als die Nationalsozialisten Institutionen, Vereinigungen und Medien in Deutschland gleichschalteten, hielt Mundo weiterhin kritische Fastnachtsvorträge - verglich den Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, in einer Rede mit einem Hering.

Bereits ein Jahr zuvor hatten die Nazis ihre Muskeln spielen lassen: An Aschermittwoch 1935 ließ Gauleiter Jakob Sprenger Mundo und andere Fastnachter in einem Mainzer Hotel verhaften. Später lud er die Fastnachter zu einem Aschermittwoch-Frühstück ein. Die Inhaftierung sei nur ein Scherz gewesen, behauptete Sprenger anschließend. Mundo starb 1941 im Alter von 59 Jahren.

Peter Arens

Er führte einen Friseursalon in der Großen Bleiche, aber war in Mainz vor allem als langjähriges Vorstandsmitglied bekannt: Peter Arens. „In aller erster Linie aber war Peter nicht nur unser langjähriger Vizepräsident und Ehrenmitglied, sondern vor allem ein großartiger Mensch, einer, der Dinge immer aus dem Herzen heraus gemacht und jedem große Empathie entgegengebracht hat“, sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Hofmann über Arens.

Nach 37 Jahren im Amt zog sich Arens 2017 aus der Vereinsspitze von Mainz 05 zurück. 2020 starb er im Alter von 83 Jahren.

Rolf Braun

25 Jahre Sitzungspräsident, insgesamt 35 Jahre in der Fernsehfastnacht - Rolf Braun gehörte zu den ganz Großen der Mainzer Fastnacht. Im zivilen Leben außerhalb der Fastnacht arbeitete er in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, war unter anderem Redenschreiber für Dr. Helmut Kohl.

Das unverkennbare Merkmal des Kastelers war die dunkle Hornbrille, dazu die laute, unüberhörbare Stimme. Im Juli 2006 starb Braun im Alter von 77 Jahren. In den Jahren zuvor hatte er sich nach einem Schlaganfall bereits weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Onkel Willi

Viele Mainzer kannten Wilhelm Schlismann vor allem unter seinem Spitznamen Onkel Willi. Sein gleichnamiger Pub in der Binger Straße galt und gilt als absolute Mainzer Kult-Kneipe. Mit seinen langen Haaren, dem Rauschebart und der getönten Brille fiel Willi jedem Besucher sofort auf. Ein bisschen eigen, aber optimistisch und herzensgut: So lernten ihn viele Freunde und Gäste des Pubs kennen.

Im Jahr 1973 eröffnete er mit gerade einmal 26 Jahren Onkel Willis Pub. Das Besondere: Willi lebte über der Kneipe in seinem Geburtshaus. Nachdem Willi im Jahr 2004 einen Schlaganfall erlitten hatte, führte seine Tochter Rebecca die Geschäfte des Vaters weiter. Willi arbeitete noch einige Jahre an ihrer Seite. Ab 2010 nahm er sich dann zurück. Trotzdem kam er jeden Abend nach unten und sah nach dem Rechten - einmal um 18 Uhr und einmal um 22:30 Uhr. Am 24. Februar 2018 hörte Willis Herz auf zu schlagen. Seine Tochter sagte damals: „Er ist zu Hause ganz friedlich im Schlaf gestorben.“

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