Diese Mainzer Lokale werden schmerzlich vermisst

Manche Lokale kommen und gehen und man merkt es gar nicht. Bei diesen ist es anders: Wir stellen Euch frühere Kneipen und Bars vor, die im Mainzer Nachtleben fehlen. Heute: Teil 2.

Diese Mainzer Lokale werden schmerzlich vermisst

Die Kneipenlandschaft in Mainz verändert sich ständig – und das nicht immer zur Freude der Mainzer. Gerade in den vergangenen Monaten kam es zu einem regelrechten Kneipensterben. Lomo, L’Arcade, Schillerklause, Viva Moguntia – sie alle gibt es nicht mehr. In unserer neuen Serie stellen wir Euch Kneipen und Bars vor, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schließen mussten – und die wir schmerzlich vermissen. Hier sind vier Lokale, die im Mainzer Nachtleben fehlen:

Winzerkeller

Was haben Harald Schmidt, „Goldfinger“ Gert Fröbe und Dieter Hildebrand gemeinsam? Sie alle waren damals im „Winzerkeller“ in der Emmerich-Josef-Straße. Denn fast alle Künstler gingen nach ihren Auftritten im Mainzer Unterhaus noch in die Kneipe von Schorsch und Ludwig. „Sie waren handfeste Wirte, sympathisch, gastfreundlich“, erinnerte sich Jürgen Kessler, Leiter des Deutschen Kabarettarchivs im Proviant-Magazin, gegenüber Merkurist.

Auch Michael Esser vom Unterhaus erinnerte sich an die dunkle, weinselige Kneipe. „In seiner besten Zeit war der Winzerkeller sehr populär, man konnte dort unten rauchen, was das Zeug hält, und bekam oft noch bis 5 Uhr morgens was zu essen.“ Handkäs, Wurst und natürlich viel Wein – die Speisekarte war typisch Mainzerisch. Stars wie Schmidt, Fröbe, Reinhard Mey oder Jürgen von der Lippe trugen sich ins Gästebuch ein, das heute im Kabarettarchiv zu finden ist.

Ende 1994 enden die Einträge abrupt. Schorsch starb im Alter von etwa 50 Jahren. Weil er alleiniger Pächter war, bedeutete sein Tod gleichzeitig das Aus für die Kneipe. Die Erinnerungen an den Winzerkeller aber leben nicht nur in den Regalen des Deutschen Kabarettarchivs weiter. Über der Theke im Unterhaus hängen hunderte Bilder, die früher an den Wänden des Winzerkellers hingen: Autogrammkarten der berühmten Kabarettisten und Schauspieler.

L’Arcade

Mehr als 30 Jahre lang gab es das L’Arcade am Leichhof – und seit drei Monaten nicht mehr. Die Fastnachtspartys in der rustikalen Altstadt-Kneipe galten als legendär, zu den prominenten Gästen gehörten unter anderem Ex-Mainz 05-Trainer Jürgen Klopp (wir berichteten) oder Ex-05-Manager Christian Heidel.

Die bisherige Pächterin habe das L’Arcade aus „persönlichen Gründen“ aufgegeben, hieß es vor drei Monaten. Sie hatte die Kneipe im Frühjahr 2017 von Vorbetreiber Dirk Zylla übernommen. Mittlerweile steht ein Nachfolger für die Kneipe fest, was dieser allerdings mit dem ehemaligen L’Arcade vorhat, ist nicht bekannt.

Kinoklause

Heute kennt man Roland Bockius als Chef der Kneipe „Sixties“ in der Großen Langgasse. Was jüngere Mainzer aber nicht mehr wissen dürften: Von 1974 bis 2000 führte er die legendäre Kinoklause in der Residenz-Passage. Wo heute eine große Baustelle und bis vor zwei Jahren noch die „Filmriss“-Bar war, traf sich damals halb Mainz. Rolands’ Sohn Dennis Bockius erinnert sich gegenüber Merkurist. „Ich habe selbst noch zwei Jahre in der Kinoklause gearbeitet. Vor allem der Sportlerabend am Dienstag ist mir noch in Erinnerung.“

Damals hätten sich 05-Spieler, Handballer und Leichtathleten in der Kinoklause getroffen. Vor allem einer kam besonders gerne: Ex-05er Guido Schäfer. Der sei auch mal am Freitagabend bis 3 oder 4 Uhr an der Bar gesessen. „Dann sagte er irgendwann, dass er noch seine Sachen packen muss, weil er am nächsten Tag ein Spiel hat“, so Bockius. In der Kinoklause habe auch Jürgen Klopps heutige Frau Ulla gearbeitet. Ex-Kicker Guido Schäfer glaubt sogar, dass Klopp seine spätere Ehefrau in der Kinoklause kennenlernte. „Ich war öfter mit Mannschaftskollegen wie Jürgen oder Steffen Herzberger da. Es war eine urige Kneipe direkt neben dem Kino. Vor und nach den Filmen haben wir hier das eine oder andere Getränk zu uns genommen.“

Im Jahr 2000 musste das Lokal schließen und für einen „Nobel-Italiener“ Platz machen, wie Bockius sagt. Das damalige Stammpublikum der Kinoklause sei teilweise ins „Sixties“ mitgegangen, andere säßen heute in der „Andau“. Die Kinoklause lebt dagegen nur noch in Erinnerungen: Im vergangenen Jahr wurde die ganze Passage abgerissen.

Golden Harp

Open Stage, Pub Quiz oder Karaokeabend – das „Golden Harp“ im Mainzer Hauptbahnhof war vor allem für seine Events bekannt. Doch im Oktober 2017 war plötzlich Schluss: Das Harp musste wegen Unstimmigkeiten mit dem Vermieter Deutsche Bahn schließen. „Am 4. Oktober hieß es plötzlich, dass wir sofort raus müssen. Wir hatten keine Zeit mehr, uns angemessen von unseren Gästen zu verabschieden“, so einer der Geschäftsführer des Golden Harp damals gegenüber Merkurist.

Vorübergehend kam das Golden Harp im Hardrockclub „Alexander The Great“ unter – als „Golden Harp in Exile“. Dann sollte der Irish Pub gegenüber vom Hauptbahnhof im ehemaligen „Biertunnel“ unterkommen (wir berichteten). Doch aus der Eröffnung unter dem neuen Namen „Sloc’s“ wurde nichts. Ob es irgendwann mit dem Pub an anderer Stelle weitergeht, ist nicht bekannt. Das letzte Lebenszeichen stammt aus dem Dezember 2018.

In einem Facebook-Post hieß es: „373 Tage nichts drin im Bahnhof, ca. 100.000 Nettokaltmiete NICHT erhalten, mehr als € 1 Mio. Umsatz verhindert, ca. € 150.000 Lohnsumme vernichtet ...... und der Bahnhof ist wieder tot, der Vorplatz hässlich, unsere Freunde und Gäste immer noch wohnzimmerlos, .... und vieles mehr. Hat sich gelohnt, liebe Deutsche Bahn. Oder?“ Mittlerweile wurde ein Nachfolger im Hauptbahnhof gefunden: Im Juni eröffnete in den Räumen ein Rewe to go. (pk)

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