Diese Mainzer Lokale werden schmerzlich vermisst

Manche Lokale kommen und gehen und man merkt es gar nicht. Bei diesen ist es anders: Wir stellen Euch frühere Kneipen und Bars vor, die im Mainzer Nachtleben fehlen. Heute: Teil 2.

Diese Mainzer Lokale werden schmerzlich vermisst

Die Jahre 2020 und 2021 waren für die Gastronomie wohl die schwersten überhaupt. Immer wieder mussten die Lokale wegen der Corona-Pandemie schließen. Seit Ende Mai darf die Außengastronomie in Mainz wieder öffnen, seit Anfang Juni auch die Innengastronomie.

Doch einige Lokale gab es schon vor der Corona-Pandemie nicht mehr. In unserer Serie stellen wir Euch Kneipen und Bars vor, die in den vergangenen Jahrzehnten schließen mussten – und die wir schmerzlich vermissen. In unserem ersten Teil haben wir euch bereits vier Lokale vorgestellt, hier sind vier weitere, die im Mainzer Nachtleben fehlen:

Winzerkeller

Was haben Harald Schmidt, „Goldfinger“ Gert Fröbe und Dieter Hildebrand gemeinsam? Sie alle waren damals im „Winzerkeller“ in der Emmerich-Josef-Straße. Denn fast alle Künstler gingen nach ihren Auftritten im Mainzer Unterhaus noch in die Kneipe von Schorsch und Ludwig. Sie galten als handfeste Wirte, sympathisch, gastfreundlich.

Im Winzerkeller konnte man rauchen, was das Zeug hält, und bekam oft noch bis 5 Uhr morgens etwas zu essen.“ Handkäs, Wurst und natürlich viel Wein – die Speisekarte war typisch Mainzerisch. Stars wie Schmidt, Fröbe, Reinhard Mey oder Jürgen von der Lippe trugen sich ins Gästebuch ein, das noch heute im Kabarettarchiv zu finden ist.

Ende 1994 enden die Einträge abrupt. Schorsch starb im Alter von etwa 50 Jahren. Weil er alleiniger Pächter war, bedeutete sein Tod gleichzeitig das Aus für die Kneipe. Die Erinnerungen an den Winzerkeller aber leben nicht nur in den Regalen des Deutschen Kabarettarchivs weiter. Über der Theke im Unterhaus hängen hunderte Bilder, die früher an den Wänden des Winzerkellers hingen: Autogrammkarten der berühmten Kabarettisten und Schauspieler.

L’Arcade

Mehr als 30 Jahre lang gab es das L’Arcade am Leichhof – seit Sommer 2019 nicht mehr. Die Fastnachtspartys in der rustikalen Altstadt-Kneipe galten als legendär, zu den prominenten Gästen gehörten unter anderem Ex-Mainz 05-Trainer Jürgen Klopp oder 05-Sportvorstand Christian Heidel.

Vor allem der langjährige Betreiber Dirk Zylla ist in Mainz sehr bekannt. 1999 fing er im L’Arcade als Spülhilfe an, wurde Zapfer, Bedienung und Ende 2000 schließlich Chef. Am Fastnachtsdienstag 2017 hörte er schließlich auf. „17 Jahre reichen – 17 großartige Jahre“, sagte Zylla damals. Mittlerweile befindet sich das „August“ in den Räumen.

Kinoklause

Heute kennt man Roland Bockius als Chef der Kneipe „Sixties“ in der Großen Langgasse. Was jüngere Mainzer aber nicht mehr wissen dürften: Von 1974 bis 2000 führte er die legendäre Kinoklause in der Residenz-Passage. Wo heute eine große Baustelle und bis 2017 noch die „Filmriss“-Bar war, traf sich damals halb Mainz. Rolands’ Sohn Dennis Bockius erinnerte sich einmal gegenüber Merkurist. „Ich habe selbst noch zwei Jahre in der Kinoklause gearbeitet. Vor allem der Sportlerabend am Dienstag ist mir noch in Erinnerung.“

Damals hätten sich 05-Spieler, Handballer und Leichtathleten in der Kinoklause getroffen. Vor allem einer kam besonders gerne: Ex-05er Guido Schäfer. Der sei auch mal am Freitagabend bis 3 oder 4 Uhr an der Bar gesessen. „Dann sagte er irgendwann, dass er noch seine Sachen packen muss, weil er am nächsten Tag ein Spiel hat“, so Bockius. In der Kinoklause arbeitete auch Jürgen Klopps heutige Frau Ulla. Ex-Kicker Guido Schäfer glaubt sogar, dass Klopp seine spätere Ehefrau in der Kinoklause kennenlernte. „Ich war öfter mit Mannschaftskollegen wie Jürgen oder Steffen Herzberger da. Es war eine urige Kneipe direkt neben dem Kino. Vor und nach den Filmen haben wir hier das eine oder andere Getränk zu uns genommen.“ Im Jahr 2000 musste das Lokal schließen.

Golden Harp

Open Stage, Pub Quiz oder Karaokeabend – das „Golden Harp“ im Mainzer Hauptbahnhof war vor allem für seine Events bekannt. Doch im Oktober 2017 war plötzlich Schluss: Das Harp musste wegen Unstimmigkeiten mit dem Vermieter Deutsche Bahn schließen.

Vorübergehend kam das Golden Harp im Hardrockclub „Alexander The Great“ unter – als „Golden Harp in Exile“. Dann sollte der Irish Pub gegenüber vom Hauptbahnhof im ehemaligen „Biertunnel“ unterkommen. Doch aus der Eröffnung unter dem neuen Namen „Sloc’s“ wurde nichts. Die Facebook-Seite des Lokals gibt es immer noch. Fans dürfen also noch hoffen.

In den Räumen des alten „Harps“ befindet sich jetzt übrigens ein Rewe to go.

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