Mainzer Kriminalfälle: Totschlag in der Zanggasse

In unserer Serie stellen wir Euch berühmte Mainzer Kriminalfälle vor. In Teil 1 geht es um Christine R., die aus bis heute unbekannten Gründen brutal mit einem Messer getötet wurde.

Mainzer Kriminalfälle: Totschlag in der Zanggasse

Am 19. August 2011 verlässt Christine R. ihre Mainzer Wohnung zum letzten Mal. Es ist später Freitagabend, R. möchte noch einmal ins Mainzer Nachtleben eintauchen. Doch die Nacht endet in einer Tragödie. Die 30-Jährige wird am frühen Samstagmorgen brutal getötet.

Als sie nicht nach Hause zurückkehrt, wird ihr Lebensgefährte skeptisch und meldet sie bei der Polizei als vermisst. Die Beamten suchen nach R. und werden schließlich auf eine Wohnung in der Zanggasse aufmerksam. Den Polizisten kommt starker Verwesungsgeruch entgegen. Als sie schließlich eine Wohnungstür aufbrechen und die Räume durchsuchen, stoßen sie am 25. August auf die Leiche von Christine R. Vom Mieter der Wohnung fehlt jede Spur. Er stellt sich erst einen Tag später der Polizei.

DNA-Abgleich bringt Gewissheit

Ob es sich bei der Leiche wirklich um Christine R. handelt, ist zunächst nicht klar. Erst rund zwei Wochen, nachdem der tote Körper entdeckt wurde, bringt ein DNA-Abgleich die traurige Gewissheit. Klar hingegen ist schnell, dass sie durch Gewalteinwirkung getötet wurde. Der Verdächtige Jörg S. kommt umgehend in Untersuchungshaft.

Ein Dreivierteljahr nach der Tat wird Jörg S. (damals 32 Jahre alt) vom Mainzer Schwurgericht zu acht Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Jörg S. Christine R. mit einem Stich in den Hals getötet hat. Täter und Opfer hatten sich zuvor offenbar in einer Bar gegenüber der Wohnung, in der man später die Leiche fand, getroffen und Zärtlichkeiten ausgetauscht. Gegen zwei Uhr sollen beide in die Wohnung von Jörg S. gegangen sein. Besonders bizarr: Jörg S. kehrt nach der Tat in die Bar zurück und verhält sich laut Zeugenaussagen „völlig normal“. Was die Zeugen zu dieser Zeit nicht wissen: In seinem Bett liegt die blutüberströmte Leiche von Christine R.

Hintergründe bleiben unklar

Warum Jörg S. Christine R. getötet hat, erklärt er auch während der Gerichtsverhandlung nicht. Ein Mord kann ihm von der Staatsanwaltschaft nicht nachgewiesen werden, daher auch die Verurteilung wegen Totschlags. Gestanden hatte S. den Mord während der Gerichtsverhandlung zwar, Hintergründe nannte er jedoch nie. Die Allgemeine Zeitung (AZ) zitierte eine Vertreterin der Anklage im Mai 2012 mit den Worten: „Es kam ihm keine Entschuldigung über die Lippen, er wirkte gleichgültig und lethargisch. Offenbar hat er sich mit seiner Tat arrangiert.“ (rk)

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