Diese Mainzer Lokale werden schmerzlich vermisst

Manche Lokale kommen und gehen und man merkt es gar nicht. Bei diesen ist es anders: Wir stellen Euch frühere Kneipen und Bars vor, die im Mainzer Nachtleben fehlen. Heute: Teil 1.

Diese Mainzer Lokale werden schmerzlich vermisst

Die Kneipenlandschaft in Mainz verändert sich ständig – und das nicht immer zur Freude der Mainzer. In dieser Woche sorgte das angekündigte Aus der Ballplatz-Bar „Lomo“ (wir berichteten) für viel Frust. Nach 17 Jahren wird das „Lomo“ Ende des Monats schließen, so wie das benachbarte Ballplatzcafé Novum zwei Jahre zuvor.

In unserer neuen Serie stellen wir Euch Kneipen und Bars vor, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schließen mussten – und die wir schmerzlich vermissen. Hier sind fünf Lokale, die im Mainzer Nachtleben fehlen:

Südbahnhof

In den 80er und 90er Jahren war es der Treffpunkt für Nachtschwärmer: der „Südbahnhof“. Wenn andere Kneipen schlossen, öffnete das Lokal erst – meist um vier Uhr nachts. Die Gäste tranken Bier, aßen Schnitzel mit Pommes oder spielten im Nebenraum Billard und Flipper. Zur Gaststätte gehörte auch ein Kiosk mit Süßigkeiten. Dietmar König, der selbst in den Kultkneipen „Schachtel“ und „Äppelwoikeller“ sowie in der Diskothek „Tangente“ arbeitete, erinnert sich: „Im Südbahnhof endeten die meisten Nächte.“

Um die Jahrhundertwende schloss die Bahnhofsgaststätte. „Der Betreiber war ein alter Mann, ich glaube, er ist schließlich gestorben“, sagte ein anderer Gastwirt 2016 gegenüber Merkurist. Nachfolger wurde das „Schick und Schön“, das 2002 in die Räume am Südbahnhof einzog. Doch die Kulturlounge musste nach nur vier Jahren wieder umziehen: Aus „Mainz Süd“ wurde „Römisches Theater“. Der Bahnhof in der Holzhofstraße bekam 2006 nicht nur einen neuen Namen, sondern auch ein neues Gebäude. Der Klinkerbau von 1884 wurde bis auf die denkmalgeschützte Fassade in Richtung Bahngleise abgerissen.

Panama Bar

Nach 15 Jahren war Schluss für die „Bar mit der Kuh“: Im Sommer 2017 verabschiedete sich die Panama Bar in der Dagobertstraße mit einer letzten großen Party. Die Kuh im Schaufenster war aus Kunststoff und das Markenzeichen der Cocktailbar. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, es steckt viel Herzblut in der Bar“, sagte Patrick Tegtmeyer, Gründer der Bar, damals gegenüber Merkurist.

Der Betrieb habe sich wirtschaftlich nicht mehr gerechnet. „Das Ausgehverhalten hat sich in den letzten Jahren komplett geändert“, so Tegtmeyer. „Durch die vielen medialen Angebote etwa bleiben die Leute öfter zu Hause.“ Außerdem gebe es in Mainz gerade im Sommer zu viele Feste. Tegtmeyer verkündete das Aus zuerst auf Facebook: „Danke für 15 wunderbare Jahre.“

Viva Moguntia

Das Konzept des „Viva Moguntia“ in der Kartäuserstraße war in Mainz einzigartig: Die Gäste zapften an den Tischen ihr Bier selbst. Jeder Tisch hatte dabei ein bestimmtes Länderbier, sei es „Schmucker“ für Hessen oder Bitburger für Rheinland-Pfalz. Am Ende des Abends wurde ausgewertet, welcher Tisch am meisten gezapft hat.

Dieses Konzept sorgte allerdings immer wieder für Ärger. „Es ist darauf ausgelegt, dass die Gäste viel trinken“, sagte bereits 2016 ein genervter Anwohner gegenüber Merkurist. „Beim Viva Moguntia geht es nicht nur um ein wenig Lärm, sondern um Gäste, die vor dem Laden die Sau rauslassen.“ Seit Jahren hatte das Lokal deshalb Ärger mit dem Ordnungsamt. Nun ist das „Viva“ Vergangenheit: Am 30. Juni 2019 öffnete es zum letzten Mal.

Doctor Flotte

Uriges Ambiente, gutbürgerliche Küche und eine Hochburg in der Kneipenfastnacht: Das war „Doctor Flotte“. Günther Seifert eröffnete die Gaststätte Ende 1978, zwölf Jahre später übernahm seine Tochter Daniela. Im März 2016 kam das Aus – der Pachtvertrag wurde nicht verlängert. Nachfolger war zunächst das spanische Lokal „Don Pintxo“, mittlerweile ist das Restaurant „Bergschön“ in den Räumen.

Und „Doctor Flotte“? Daniela Seifert unternahm noch einen Versuch und eröffnete mit ihrem Team in der Holzstraße „Zum Römerschiff“. Doch das „Flotte“-Feeling kam in den neuen Räumen nicht mehr auf, schon nach einem Jahr, im Mai 2017, kam das Aus für das „Römerschiff“.

Die Schachtel

Wo heute ein Friseur drin ist, befand sich früher einer der Schmelztiegel des Mainzer Nachtlebens: die „Schachtel“ in der Großen Langgasse. Dietmar König war Barkeeper in der Kneipe und hatte fast immer Nachtschichten. „Die Schachtel hatte von 10 Uhr morgens bis spät in die Nacht geöffnet. Hier trafen sich Mainz 05-Spieler, Huren, Reiche von außerhalb – einfach alle, die nachts noch unterwegs waren.“

Wann die Kneipe zum letzten Mal öffnete, weiß König noch genau. „Das war am 15. Dezember 2000.“ Der Pachtvertrag war ausgelaufen. „Eine Kneipe wie die Schachtel fehlt heute definitiv.“ (ms)

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