Das sind die neuen Ortsvorsteher

Die Stichwahl am 16. Juni hat entschieden - die Ortsvorsteher der 15 Mainzer Stadtteile stehen fest. In sieben von ihnen gibt es neue Gesichter. Wir stellen sie in einer kleinen Serie vor.

Das sind die neuen Ortsvorsteher

15 Mainzer Stadtteile, 15 Ortsvorsteher - und unter ihnen sieben neue Gesichter. Bei der Stichwahl am 16. Juni sind sie in ihre Ämter gewählt worden. Wir stellen sie vor.

Finthen: Manfred Mahle (SPD)

„Ich war sprachlos und hab mir immer wieder die Zahlen angeschaut. In der Nacht zum Montag war ich noch so aufgedreht, dass ich nicht schlafen konnte.“ So erlebte Manfred Mahle, der neue Ortsvorsteher in Finthen, seinen Wahlsieg. Der 66-jährige Rentner wohnt seit 1977 im Stadtteil und schätzt vor allem das gesellschaftliche Engagement der Bewohner. „Durch ein freundliches ‘Gude’ beim Begegnen auf der Straße wird ein Gefühl der Zugehörigkeit vermittelt.“ Und auch die Umgebung begeistert ihn: „Die Wege um Finthen, zu den Weihern, zum Lennebergturm oder in den Ober-Olmer Wald laden dazu ein, stundenlange Spaziergänge zu unternehmen.“

Für seine Amtszeit hat der SPD-Politiker unter anderem eine stärkere Förderung des ÖPNV im Blick. „Das ÖPNV-Angebot für die Ortsteile Römerquelle und Layenhof muss deutlich erweitert werden. Eine kostenlose Nutzung des ÖPNV wird angestrebt.“ Neben dem Bau neuer Einfamilienhäuser fordern er und seine Fraktion ein stärkeres Engagement für den Bau von preiswertem Wohnraum.

Auch für Jugendliche setzt sich der 66-Jährige ein. „Die Förderung des Ehrenamtes in den Vereinen liegt mir sehr am Herzen. Über meine ehrenamtlichen Tätigkeiten bei VfL Fontana Finthen und im Vereinsring kenne ich die Situation ganz gut: Vielen Vereinen fehlt der Nachwuchs in der Vorstandsarbeit und an Räumlichkeiten für Veranstaltungen. Deshalb brauchen wir im neuen Bürgerhaus für die Vereine eine Nutzungsregelung zu akzeptablen Konditionen.“

Auch für eine Zusammenarbeit der im Ortsbeirat vertretenen demokratischen Parteien wolle sich Mahle stark machen. „Denn ich weiß: Die Durchsetzungsmöglichkeiten von Ortsbeiräten sind begrenzt - aber durch gemeinsames Handeln lässt sich etwas bewegen. Ich betrachte die weitere Entwicklung von Finthen als Aufgabe aller Finther. Entsprechend zu den Leitlinien für eine Bürgerbeteiligung wollen wir die Bürger in die Entscheidungsprozesse einbeziehen: von der Planung von Projekten bis zur Umsetzung.“

Neustadt: Christoph Hand (Grüne)

Für Christoph Hand, den neuen Neustadt-Ortsvorsteher, war der Wahlabend mit großer Anspannung verbunden. „Danach war meine Freude und die aller Parteifreunde, die mit mir gemeinsam in der Landesgeschäftsstelle auf die Ergebnisse warteten, unbeschreiblich. Wir hatten auf diesen Ausgang gehofft, aber man weiß ja nie, was bei einer Stichwahl wirklich passiert und ob die Mobilisierung der Wähler gelungen ist.“

Besonders wichtig ist dem 40-Jährigen, der seit 15 Jahren in der Neustadt wohnt, dass Freiflächen (Plätze, Spielplätze, Straßen und das Rheinufer) zukunftsorientiert nachhaltig entwickelt und erhalten werden. „Unser Stadtklima ist stark davon abhängig, dass vor allem große Bäume erhalten und zusätzliche Bäume gepflanzt werden.“

Außerdem setze er sich dafür ein, dass der Stadtteil entschleunigt werde. „Der Autoverkehr soll zunächst verlangsamt werden, den Fahrrädern und Fußgängern muss mehr Raum gegeben werden. Meine Vision wäre, dass verschiedene Quartiere der Neustadt nach und nach autofrei werden und der öffentliche Nahverkehr und die Fahrradwege so gut ausgebaut sind, dass das Auto kaum noch eine Rolle spielen muss.“

An seinem Stadtteil schätzt Hand, der als Bauleiter arbeitet, am meisten das Lebensgefühl. „Die Menschen sind sehr freundlich und offen, es gibt viel Leben. Besonders an den öffentlichen Plätzen und Spielplätzen, am Rheinufer und in der sehr vielseitigen Straßengastronomie kommt man immer wieder ins Gespräch. Der Freizeitwert ist hier einfach unglaublich hoch.“

Hechtsheim: Tatiana Herda Muñoz (SPD)

Tatiana Herda Muñoz hat von ihrem Wahlsieg auf dem Feuerwehrfest in Hechtsheim, wo sie mit ihrem Team war, erfahren. „Wir waren natürlich sehr glücklich und auch sehr erschöpft, weil wir bis an unsere Grenzen gegangen sind. Direkt auf dem Fest sind sehr viele Menschen auf mich zugekommen, eigentlich bin ich für den Rest des Abends von Biertisch zu Biertisch gewandert, um mit allen anzustoßen.“ Die 34-Jährige wohnt mit ihrem Mann seit vier Jahren in Hechtsheim. Als Selbstständige berät sie mit ihrer Agentur „Die Verwaltungsmanufaktur“ den öffentlichen Sektor.

Gerade die Ortsmitte liegt der neuen Ortsvorsteherin am Herzen: „Als Fünf-Jahres-Projekt sehe ich die Neugestaltung der Ortsmitte und die alte Bürgermeisterei. Hier müssen wir ein Konzept erstellen, das nachhaltig und modern ist. Eine neue rad- und fußfreundliche Verkehrsführung, mehr Grünflächen und vor allem die Aktivierung der Hechtsheimer Kaufkraft, um den Einzelhandel im Ortskern zu stärken und diesen attraktiv zu machen für Neuansiedlungen.“

Auch die Schaffung von neuem, bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum ist ein Thema, das sie begleiten möchte. „Als Ortsvorsteherin habe ich zwar formal nicht viel Handlungsspielraum. Aber ich werde mich immer dafür einsetzen, sehr frühzeitig in die Projektplanung der Stadt eingebunden zu werden. Außerdem habe sie in den letzen Monaten ein Liste von Themen angefertigt, die den Menschen hier wichtig sind. „Kita-Plätze, Hundekot auf Grünflächen, das Miteinander auf dem Zagrebplatz oder der Wunsch nach einem Grillplatz.“

An ihrem Stadtteil schätzt die 34-Jährige vor allem die Menschen. „Wir sind eine tolle Gemeinschaft, modern, divers und doch sehr bodenständig. Der ländliche Charakter zusammen mit der Nähe zur Stadt macht aus Hechtsheim eine tolle Mischung. Ländliche Urbanität sozusagen. Ich liebe es einfach, hier im Ort unterwegs zu sein.“ (pk)

Logo