Bausünden in Mainz: Wie die Residenzpassage ihr Gesicht verlor

Wo einst ein Kult-Kino und eine berühmte Marilyn-Monroe-Fassade waren, steht heute ein Neubau. Doch die neue Mainzer Residenzpassage steht in der Kritik – und ein Laden ist bereits wieder leer. Der erste Teil von Bausünden in Mainz.

Bausünden in Mainz: Wie die Residenzpassage ihr Gesicht verlor

Vielen Mainzern ist sie noch in Erinnerung: die alte Residenzpassage mit dem Kino „Residenz & Prinzess“ und einem ikonischen Wandbild. Nach dem Abriss 2018 wich der beliebte Treffpunkt einem modernen Neubau, der bis heute für Diskussionen sorgt. Dies ist der erste Teil der Merkurist-Serie über Bausünden in Mainz.

Über 60 Jahre lang war das „Residenz & Prinzess“ eine Institution in der Mainzer Kinolandschaft, bis es am 8. Januar 2017 endgültig schloss. Ein echter Blickfang der Passage war seit 1992 auch das große Wandgemälde von Marilyn Monroe. Zusammen mit der „Filmriss“-Bar und weiteren Läden prägte die Passage die Mainzer Altstadt zwischen Schillerstraße und Großer Langgasse. Der Vorgänger der „Filmriss“-Bar war die legendäre Kinoklause (1974-2000) von Roland Bockius, der später das „Sixties“ in der Großen Langgasse eröffnete. In der Kneipe arbeitete auch Jürgen Klopps heutige Frau Ulla, vermutlich lernte sich das Paar dort kennen.

Ernüchterung nach der Eröffnung

Später galt das Gebäude als baufällig. Der Bauträger Fischer & Co, der das Grundstück 2010 kaufte, entschied sich gegen eine Sanierung und für einen kompletten Abriss, der im Herbst 2018 folgte. An seiner Stelle entstand ein vier- bis sechsgeschossiges Gebäude mit 33 Wohnungen und zwei Gewerbeflächen, das 2022 fertig wurde. Der Prokurist des Bauträgers versprach damals, die neue Passage werde „hell und richtig schön“.

Die Realität nach der Eröffnung zeichnet für viele jedoch ein anderes Bild. In die beiden Ladenflächen zogen eine Naturdrogerie und ein Geschäft für medizinische Versorgung. Doch bereits im Februar 2024 musste die Naturdrogerie nach nur rund eineinhalb Jahren am neuen Standort Insolvenz anmelden und schließen. Mittlerweile steht die Fläche seit zwei Jahren leer.

In der Passage erinnern Informationstafeln mit Bildern an die Geschichte des alten Kinos und die Glanzzeiten als „Kino-Metropole“. Für viele Kritiker wirkt dieser Rückblick wie eine Verhöhnung.