Mainzer entwickelt App gegen Cybermobbing

Jährlich sind fast 6 Millionen Deutsche von „Cybermobbing“ betroffen. Darunter fallen Beleidigungen, aber auch Belästigungen in den sozialen Medien. Weil die wenigsten Opfer Anzeige erstatten, will ein Mainzer nun mit einer neuen App helfen.

Mainzer entwickelt App gegen Cybermobbing

Eine Frau wird auf einem Datingportal belästigt, ein Junge auf Facebook beleidigt - beides sind Formen von Straftaten, die jeden Tag im Internet stattfinden. Doch in den wenigsten Fällen erstatten die Opfer von Beleidigungen oder Belästigungen im Internet auch Anzeige. Dem möchte ein Mainzer mit seinen Kollegen nun entgegentreten: Gemeinsam haben sie die App „Pushback“ entwickelt.

Die Idee dazu kam allerdings nicht aus dem Nichts - ganz im Gegenteil. „Das Thema ist im Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder aufgetaucht. Auch ich selbst habe mal in Spanien eine Strafanzeige stellen müssen, das war keine gute Erfahrung“, erzählt Leo Dieter, Entwickler der App „Pushback“. Diese schlechte Erfahrung möchten er und seine Kollegen anderen Leuten ersparen, die Opfer einer Straftat werden. „Durch einen Betroffenen im gemeinsamen Bekanntenkreis wurde uns klar, dass Opfer digitaler Belästigung und Beleidigung es sehr schwer haben, den Schritt zur Strafanzeige zu wagen. Wir fragten uns, ob Strafanzeigen für Bürger nicht auch einfacher gestaltet werden könnten und kamen zu der Erkenntnis, dass man das am besten über eine App regeln kann.“

Der Mainzer hat die App gemeinsam mit seinen Kollegen Oliver, Reiner und Nikita in den vergangenen Wochen entwickelt. „Nachdem wir die Idee ausgebaut und durchdacht hatten, hat Nikita versucht das Ganze in einer App umzusetzen. Die Applikation ist bereits über die Webseite und für Androidgeräte verfügbar.“ Doch wie funktioniert „Pushback“ eigentlich?

Informationen über die Rechtslage

Das Konzept dahinter ist einfach: „Pushback“ soll es den Betroffenen ermöglichen, eine Strafanzeige in wenigen Minuten zu erstatten. Außerdem bietet es die Möglichkeit, sich über das Thema Belästigung und Cybermobbing im juristischen Sinne zu informieren. Dadurch könne man über einen benutzerfreundlichen Weg geltendes Recht schnell und einfach ausüben, so Leo.

In der ersten Version der App, geht es vor allem um eine Übersicht über die Gesetzeslage: „Wir wollen den Betroffenen helfen indem wir ihnen einen einfachen und benutzerfreundlichen Weg bieten eine Strafanzeige zu stellen“, erklärt Leo. In Zukunft soll es nicht mehr nur im Belästigung und Beleidigung gehen. „Da wollen wir aber erstmal schauen, wie die Leute auf die App reagieren und was sie sich vielleicht auch noch wünschen.“

Das große Ziel: „Pushback“ will die erste Anlaufstelle für Opfer digitaler Straftaten werden und diese aktiv unterstützen. Doch sie wollen nicht nur junge Leute ansprechen - „die Zielgruppe umfasst die breite Masse der Internetnutzer, da jeder zu irgendeinem Zeitpunkt Gefahr laufen kann, Opfer von Belästigung oder Beleidigung zu werden“. Bei sexueller Belästigung umfasse die Zielgruppe zum Beispiel Nutzer von Dating-Portalen, bei denen die Hälfte aller Frauen von 18 bis 55 Jahren betroffen sei; aber auch Männer, die zu einem Viertel von sexueller Belästigung berichtet haben.

Förderung durch Startnext

Nachdem sie die Idee ausgearbeitet hatten, ging es für die Gründer an die Finanzierung. „Da wir für den Service kein Geld von den Nutzern nehmen, bemühen wir uns derzeit um Crowdfunding bei Startnext“, erklärt Leo. Startnext ist eine Crowdfunding-Plattform für junge Unternehmer und Gründer. Der Mainzer freut sich auf das, was ihm und seinem Team noch bevorsteht: „Ich bin gespannt, wie die App bei den Leuten ankommt und hoffe, dass wir möglichst vielen Leuten damit helfen können.“ (df)

Logo