Keine Lust auf Jubilarbesuche? Ortsvorsteherin wehrt sich gegen Kritik

Weil sie sich gegen Jubilarbesuche während der Corona-Pandemie entschied, wird Tatiana Herda Muñoz (SPD) von der Opposition scharf kritisiert. Nun meldet sich die Hechtsheimer Ortsvorsteherin zu Wort.

Keine Lust auf Jubilarbesuche? Ortsvorsteherin wehrt sich gegen Kritik

Hat die Hechtsheimer Ortsvorsteherin Tatiana Herda Muñoz (SPD) keine Lust, Jubilare an ihrem Ehrentag zu besuchen? Bereits im Juli hatte die CDU Hechtsheim ihr vorgeworfen, Jubilare würden seit der Amtseinführung „vergeblich“ auf einen persönlichen Besuch warten (wir berichteten). Die Lokalpolitikerin wehrte sich daraufhin via Facebook gegen die Kritik. „Dass ich seit Amtseinführung noch nicht bei einem Jubiläum gewesen sein soll, ist schlicht eine Lüge — diese Behauptung ist in der Tat etwas unfein.“

Nun meldet sich Herda Muñoz erneut via Facebook zu Wort. Anlass dafür ist eine Anfrage der CDU und der Freien Wähler (FW) in der vergangenen Ortsbeiratssitzung sowie die Berichterstattung des Stadtteilportals Hechtsheim und der „Lokalen Zeitung“ darüber. Demnach haben die Fraktionen Herda Muñoz erneut vorgeworfen, sie würde ihrer Pflicht nicht nachkommen, Jubilare zu besuchen — es sei deswegen zum Streit zwischen den Fraktionen im Ortsbeirat gekommen. In der Begründung zur Anfrage heißt es: „Die Hechtsheimer Ortsvorsteherin sieht diese aus Sicht der anfragenden Parteien bestehende Ehrenpflicht, den Bürgerinnen und Bürgern durch einen Vertreter der Stadt Mainz persönlich gratulieren, weder als ihre vordringliche Aufgabe an, noch lassen ihr nach eigenen Angaben ihre Projekte die notwendige Zeit dazu.“

In dem Facebook-Post nimmt Herda Muñoz ausführlich Stellung zu den Vorwürfen und der Berichterstattung. Jubilarbesuche seien ihr nach eigener Aussage „natürlich nicht egal“. „Diesen Eindruck aber versuchen zur Zeit eine Handvoll Menschen, die CDU und die Freien Wähler Hechtsheim in ihrer selbstgewählten Rolle als Opposition sowie die Redakteur:innen des Stadtteilportals Hechtsheim zu vermitteln. Diesen Eindruck könnte man auch durch den Artikel der Lokalen gewinnen, der leider nicht ganz die Diskussion um die absolut berechtigte Anfrage der CDU Hechtsheim und der Freien Wähler Hechtsheim wiedergibt.“

Herda Muñoz erklärt daraufhin den Hintergrund der Anfrage. „Die CDU Hechtsheim und die FW Hechtsheim haben mir angeboten, mich bei den Jubilarbesuchen zu unterstützen. Meine Antwort: Herzlichen Dank für das Angebot, ich finde es im Grunde genommen sehr gut, wenn wir uns gegenseitig unterstützen“, so Herda Muñoz. Nach Rücksprache mit der Stadtverwaltung aber ist das rechtlich nicht möglich. „Die Jubilarbesuche geschehen in Vertretung vom OB. Ihn vertreten können nur ich als Ortsvorsteherin und meine Stellvertreterinnen.“

„Das kann man gut finden oder nicht. Aber es ist meine Verantwortung und somit meine Entscheidung.“ - Tatiana Herda Muñoz

Wegen der Corona-Pandemie habe sie außerdem den grundsätzlichen Beschluss gefasst, keine Besuche zu machen. „Das kann man gut finden oder nicht. Aber es ist meine Verantwortung und somit meine Entscheidung.“ Ohne Pandemie aber besuche sie samstags und wenn möglich auch freitags die Jubilare. „Bei ganz besonderen Anlässen versuche ich auch tagsüber unter der Woche es mir einzurichten. Wenn nicht, dann werde ich vertreten.“ Außerdem feile sie an alternativen Projekten wie einem Tanzcafé. „Bei meinen Besuchen und in vielen Gesprächen habe ich bei Senior:innen gefragt, was sie von der Idee eines Geburtstagscafés mit Tanz halten. Die meisten waren sehr begeistert, weil sie Gesellschaft haben. Das erste Café sollte im Mai stattfinden.“

Viel „unsichtbare Arbeit“

Grundsätzlich wolle Herda Muñoz in den nächsten vier Jahren ihr Engagement auf viele Menschen verteilen. „Junge Menschen, Menschen mit Migrationsgeschichte, Familien, älteren Menschen, Gewerbe und Einzelhandel. Ganz unabhängig von ‘Wählerklientel’ und ich will mich auch nicht treiben lassen, von denjenigen, die am lautesten schreien oder die größte Reichweite haben. Ganz im Gegenteil, ich möchte diejenigen finden, die leise sind und deswegen nicht gehört werden.“

Dieser Politikstil führe dazu, dass sie angreifbar werde, dass Menschen erzählen, sie würde nicht arbeiten, „dass mein ‘Ehrbesold’ politisch instrumentalisiert wird gegen mich und vor allem in bestimmten Hechtsheimer Kreisen sich empört wird“, so Herda Muñoz abschließend. „Das ist okay für mich, das halte ich aus. Auch, weil ich soviel Unterstützung und positive Rückmeldungen bekomme — oft von denjenigen, die man nicht hört.“ (ts)

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