„Flotter Spruch“ und Jubilar-Besuche: CDU-Kritik an Ortsvorsteherin

Weil sie sich auch als Politikerin „der Straße“ sieht, wurde die Hechtsheimer Ortsvorsteherin Tatiana Herda Muñoz (SPD) von der CDU kritisiert. Nun hat sie sich in einem ausführlichen Facebook-Post zu Wort gemeldet.

„Flotter Spruch“ und Jubilar-Besuche: CDU-Kritik an Ortsvorsteherin

Vor rund einem Jahr ist Tatiana Herda Muñoz (SPD) von den Hechtsheimern zur neuen Ortsvorsteherin gewählt worden. Sie trat die Nachfolge von CDU-Mann Franz Jung an - nach mehr als 40 Jahren christdemokratischer Ortsvorsteher. In den vergangenen Tagen ist in sozialen Medien nun ein heftiger Streit zwischen der Hechtsheimer CDU und Ortsvorsteherin Herda Muñoz losgebrochen.

Ausgangspunkt des Streits war offenbar ein Tweet, den Herda Muñoz Ende Juni abgesetzt hatte: „Nach 9 Monaten Ortsvorsteherin kann ich sagen: I belong to the streets (‘Ich gehöre auf die Straßen’, Anm. d. Red.). Deswegen verzichte ich auf mein Amtszimmer und nehme stattdessen ein mobiles Pad. Meine Kolleginnen vom Bürgeramt kriegen nun je ein Büro.“

CDU reagiert irritiert

Am 1. Juli reagierte die Hechtsheimer CDU, postete auf ihren Social-Media-Accounts: Man habe mit „Befremden“ wahrgenommen, dass Herda Muñoz auf ein eigenes Büro in der Ortsverwaltung verzichtet und stattdessen „auf der Straße“ ihrer Arbeit nachgehen will. „Ihr neuestes Motto ‘I belong to the street’ ist sicher ein flotter Spruch, aber von der Ortsvorsteherin eines Stadtteils mit über 15.000 Einwohnern können die Menschen, Vereine und Gewerbetreibende erwarten, dass sie ihr Anliegen in der Ortsverwaltung in einem vertraulichen Rahmen vorbringen können“, argumentiert die CDU.

Zudem würden Jubilare seit der Amtseinführung von Herda Muñoz und ihren Stellvertretern „vergeblich“ auf einen persönlichen Besuch warten, wirft die CDU der Ortsvorsteherin vor. Und weiter heißt es: „Selbst bei der Nutzung der offiziellen E-Mail bekommen wir häufig Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern, dass sie von der Ortsvorsteherin keine Rückmeldung erhalten. In der Ortsverwaltung ist sie äußerst selten zu erreichen, sodass die Bürgerinnen und Bürger auf einen glücklichen Zufall angewiesen sind, sie ‘auf den Straßen’ anzutreffen.“

Herda Muñoz reagiert auf Kritik

Am Donnerstagabend postete Herda Muñoz wiederum ihre Antwort auf die Stellungnahme der Hechtsheimer CDU: „Mit viel ehrlichem Interesse habe ich eure Pressemitteilung gelesen und ich nehme den Teil mit den sachlichen Anmerkungen sehr ernst.“ Weiter schreibt sie: „Die zwei Kolleginnen vom Bürgeramt bedienen Bürgerinnen und Bürger auch in höchstprivaten Angelegenheiten gleichzeitig in einem Raum. Zusätzlich haben wir eine Pandemie-Situation. Um mehr Privatsphäre zu schaffen und das Ansteckungsrisiko für alle zu minimieren, verzichte ich auf mein Amtszimmer, so dass die Nutzung zweier separater Bürgerservice-Büros ermöglicht wird.“

Zudem betonte Herda Muñoz, dass sie Hechtsheimer Bürger trotzdem in anderen Räumen der Ortsverwaltung empfangen könne. Zudem sei sie über „unzählige Kanäle“ erreichbar, ihre Handynummer sei außerdem öffentlich einsehbar, so Herda Muñoz weiter. „Für mich macht es keinen Sinn, ein leeres Zimmer aus repräsentativen Gründen zu haben, während nebenan der Bürgerservice auf engem Raum erfolgt.“

„Dass ich seit Amtseinführung noch nicht bei einem Jubiläum gewesen sein soll, ist schlicht eine Lüge – diese Behauptung ist in der Tat etwas unfein.“ - Tatiana Herda Muñoz

Auch zu weiteren Kritikpunkten der CDU bezog die Ortsvorsteherin Stellung: „Nach meinem Verständnis ist der Besuch von Jubilar:innen nicht mein ‘Hauptjob’, wie es mein Vorgänger bei der Übergabe bezeichnete. Er hatte andere Prioritäten als ich und das ist in Ordnung. Jeder Besuch auf einem privatem Geburtstag bedeutet auch, dass ich einer anderen Person oder einem Projekt absagen muss.“ Seit Beginn der Corona-Pandemie besuche sie zudem keine Patienten aus der Risikogruppe, so die Ortsvorsteherin weiter. Vorher habe sie diese Besuche nur an Samstagen machen können, so Herda Muñoz. Dies sei ihrem Hauptberuf geschuldet. „Dass ich seit Amtseinführung noch nicht bei einem Jubiläum gewesen sein soll, ist schlicht eine Lüge – diese Behauptung ist in der Tat etwas unfein.“

Ihre Rolle als Ortsvorsteherin definiert Herda Muñoz so: „Ich möchte meine Möglichkeiten und Kompetenzen nutzen, um einen Mehrwert für Hechtsheim zu schaffen. Diesen Mehrwert kann ich nach meinem Verständnis vor allem durch tatsächliche politische Arbeit für Viele und weniger durch die Präsenz bei privaten Feiern schaffen. Wenn möglich, nehme ich mir aber auch dafür gerne Zeit.“ (df)

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