Mainz sollte die „modernste Stadt der Welt“ werden

Ein völlig neues Mainz mit Großflughafen und gigantischen Wohnanlagen: Diesen Plan verfolgten die französischen Besatzer kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine SWR-Doku beschäftigt sich mit den Ideen dieser Zeit.

Mainz sollte die „modernste Stadt der Welt“ werden

Als der Zweite Weltkrieg vorbei war, glich Mainz einem Trümmerhaufen. Rund 80 Prozent der Innenstadt waren zerstört und verwüstet. So stellte sich bei Einheimischen und Besatzern die Frage: Wie könnte Mainz wieder errichtet werden? Während es vielen Mainzern darum ging, wieder ein Dach über dem Kopf zu haben, hatten die französischen Besatzer andere, größere Pläne im Sinn. Mainz sollte die „modernste Stadt der Welt“ werden, die Stadt der Zukunft.

Die SWR-Dokumentation „Wiederaufbau in Rheinland-Pfalz - Was geplant und was umgesetzt wurde“ erzählt die architektonische und städtebauliche Geschichte von fünf rheinland-pfälzischen Städten nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Abschnitt über Mainz geht es unter anderem um den Pariser Architekten Marcel Lods. Er plante ein neues Mainz samt neuem Hafen und Großflughafen auf der rechten Rheinseite. Dazu sollten ein neuer Hauptbahnhof sowie der Anschluss an ein überregionales Autobahnnetz folgen.

Das neue Mainz

So spektakulär die strukturellen Ideen von Lods auch waren, so unromantisch wären seine Planungen für die Mainzer Bevölkerung gewesen. Denn außer einer „Traditionsinsel“ rund um den Dom und die Altstadt wäre vom alten linksrheinischen Mainz nichts mehr übrig geblieben. Der übrige Teil von Mainz wäre planiert worden, als Stellfläche für gigantische Wohnanlagen, die sogenannten Wohnmaschinen. Die Verbindung zum neuen Mainz hätte über einen Rheintunnel erfolgen sollen, Wohn-, Verwaltungs- und Gewerbeflächen wären streng voneinander getrennt gewesen.

Andererseits sollte das neue Mainz grüner werden. Die Lods-Seite versuchte mit Plakataktionen die Mainzer Bevölkerung zu überzeugen: Statt in engen, verwinkelten Gassen sollten sich die Mainzer künftig auf großen Freiflächen bewegen können. Umgesetzt wurden Lods’ Pläne nie, der Widerstand aus der Bevölkerung wurde immer größer. Die Mainzer wollten sich ihre Stadt, so wie sie sie kannten, nicht nehmen lassen. Und so scheiterten die Pläne auch aus finanziellen Gründen im Jahr 1948.

Die gesamte SWR-Doku könnt ihr hier sehen. Der Abschnitt über Mainz beginnt bei Minute 14:07.

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