Warum an der „Real“-Fleischtheke nicht mit Hygiene-Handschuhen bedient wird

Dass das Personal an der Fleischtheke Hygiene-Handschuhe trägt, ist in einigen Supermärkten oder Metzgereien Standard. Manchmal nutzen die Fleischereifachverkäufer diese aber nicht. Wird hier gegen eine Vorschrift verstoßen?

Warum an der „Real“-Fleischtheke nicht mit Hygiene-Handschuhen bedient wird

Fleisch gehört zu den Lebensmitteln, die schnell verderben. Besonders anfällig für Bakterien ist es, wenn es nicht ausreichend gekühlt wird. Aber auch beim Kontakt mit schmutzigen Händen werden diverse Keime auf das Fleisch übertragen. Unter Umständen kann dies später für schwere gesundheitliche Probleme bei demjenigen sorgen, der das Fleisch isst. Aus diesem Grund gingen in den vergangenen Jahren einige Märkte und Metzgereien dazu über, dass das Personal an der Theke die Wurst- und Fleischwaren nur noch mit Hygiene-Handschuhen anfassen darf.

Leser Nik hat zuletzt beobachtet, dass dies aber nicht in jedem Betrieb der Fall ist. In seinem Snip fragt er: „Wieso trägt beim Real (Haifa-Allee) das Personal an der Wursttheke keine Handschuhe, aber in anderen Supermärkten schon?“ Leserin Johanna glaubt zu wissen: „Weil Handschuhe nicht hygienischer sind als bloße Hände und Händewaschen?“

Handschuhe keine Pflicht

Das bestätigt auch Ernährungsexpertin Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Handschuhe sind nicht hygienischer, sie suggerieren eine Art Pseudo-Hygiene.“ Besser sei es, wenn Gabeln, Folien oder Zangen benutzt würden, die dann aber regelmäßig gereinigt werden sollten. Grundsätzlich gebe es auch keine Pflicht für das Personal an der Fleischtheke, Handschuhe zu tragen, so Umbach. Es sei jedoch eine Zeit lang üblich gewesen, Hygiene-Handschuhe einzusetzen. „Deshalb haben viele Verbraucher die Erwartung, dass dies sauberer ist.“ Vielen Forschungsarbeiten zufolge sei dies aber nicht der Fall. Die Keimbelastung sei auch durch den Einsatz von Handschuhen nicht niedriger, so Umbach.

Bei der Supermarktkette „Real“ ist der Umgang mit Handschuhen an der Bedientheke eindeutig geklärt. „Wir verzichten darauf. Denn Studien belegen, dass der Einsatz feuchtigkeitsdichter Handschuhe im Verkauf von Lebensmitteln keinen Hygienevorteil bietet“ sagt „Real“-Pressereferentin Jasmin Voigthaus. Denn durch das regelmäßige Tragen feuchtigkeitsdichter Handschuhe wäre die Haut besonderen Gefährdungen ausgesetzt, wie zum Beispiel Hautaufweichung, Feuchtigkeitsstau oder auch Allergenen im Handschuhmaterial.

Somit würde die Widerstandsfähigkeit der Haut gegenüber äußeren Einflüssen herabgesetzt, der Fett- und Säureschutzmantel zerstört und die Haut anfälliger für Krankheiten. „Das Schwitzklima unter den Handschuhen fördert sogar das Bakterienwachstum“, so Voigthaus. Das regelmäßige Händewaschen und -desinfizieren sei dagegen als Arbeitsanweisung in der Hygienerichtlinie von „Real“ verpflichtend enthalten. Um eine Berührung der Ware mit der bloßen Hand an den Fleisch-, Wurst- und Käsetheken zu vermeiden, stünden den Mitarbeitern auch Hilfsmittel wie zum Beispiel Gabeln, Folien und Mehrwegbehälter zur Verfügung. (df)

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