Teurer wohnen: Das zahlen Studierende in Mainzer Wohnheimen

Nicht erst seit Energiekrise und Inflation sind die Mieten des Mainzer Studierendenwerks im bundesweiten Vergleich an der Spitze. Warum hat sich daran immer noch nichts geändert?

Teurer wohnen: Das zahlen Studierende in Mainzer Wohnheimen

Alle Jahre wieder winkt die Mieterhöhung. Für die Studierenden in Mainz ist das nichts Neues – und das, obwohl die Mieten in den Wohnheimen des Mainzer Studierendenwerks ohnehin schon die teuersten in ganz Deutschland sind. Seit Jahren ist die Problematik bekannt, doch getan hat sich seitdem wenig. Angesichts der aktuellen Energiekrise und stark gestiegenen Inflation bekommt das Thema nun eine neue Dringlichkeit.

Die Hintergründe

In den Erhebungen des Deutschen Studierendenwerks stehen die Mieten in Mainzer Wohnheimen seit Jahren an der Spitze. Demzufolge lag die Durchschnittsmiete des Mainzer Studierendenwerks 2015 mit 345 Euro fast 90 Euro über dem Bundesdurchschnitt – und das günstigste Wohnheimzimmer mit knapp 300 Euro deutlich über der damaligen BAföG-Wohngeldpauschale von 250 Euro.

2017 veröffentlichte der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) Mainz ein Statement auf Facebook, in dem er die dafür verantwortlichen „Luxussanierungen“ kritisierte und das Studierendenwerk Mainz zu Preisminderungen aufforderte. Das Studierendenwerk wiederum begründete die Sanierungen mit neuen Bauvorschriften und Energiesparverordnungen und beklagte zu geringe Zuschüsse vonseiten des Landes, wie Campus Mainz berichtete.

Inflation, Energiekrise – und weiterhin teure Mieten

Und nun? Mittlerweile hat sich die Diskrepanz zwischen Mainzer Wohnheimmieten und BAföG-Wohngeldpauschale zwar verringert. Das dürfte jedoch eher an der deutlichen Anhebung des BAföG-Satzes in den vergangenen Jahren liegen als an neuen Finanzierungsstrategien für die Wohnheime des Studierendenwerks Mainz. Dort steigen die Mieten nämlich weiterhin kontinuierlich. Laut Aussage des Mainzer Studierendenwerks liegt die Miete durchschnittlich aktuell bei 361 Euro und somit immer noch leicht über der Wohngeldpauschale von 360 Euro. Die für März 2023 geplante Mieterhöhung um 20 Euro pro Monat würde diesen Abstand wieder deutlich vergrößern.

Die Heizkostenzuschüsse des Bundes für BAföG-Empfänger – 230 Euro waren es im Juli 2022, 2023 sollen nochmals 350 Euro ausgezahlt werden – sind angesichts der aktuellen Energiekrise und immer weiter ansteigenden Inflation für diejenigen, die überhaupt BAföG-berechtigt sind, sicherlich eine Entlastung. Das Grundproblem jedoch, die überdurchschnittlich teuren Mieten in Mainzer Wohnheimen, können sie nicht lösen. Da die Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Trägerschaft des Landes Rheinland-Pfalz ist, ist hier die Landesregierung gefragt – oder genauer gesagt: das Wissenschaftsministerium.

Das sagt das Wissenschaftsministerium

Auf Merkurist-Anfrage erklärt ein Sprecher des Ministeriums, dass das Land die Förderwürdigkeit des Studierendenwerks Mainz als besonders hoch einschätze. „Die Grundlage hierfür ist die große Nachfrage der Mieterinnen und Mieter auf dem Mainzer Wohnungsmarkt und die sich daraus ergebende, schwierige Situation für Studierende.“ Neben Zuschüssen für Mensa, Kinderbetreuung und Investitionskosten würde die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) für den Wohnheimneubau zinsverbilligte Grunddarlehen bereitstellen. Zuschüsse erfolgten in Form von Tilgungszuschüssen – also einer Minderung der für das Darlehen zurückzuzahlenden Kosten. Diese lägen bei bis zu 35 Prozent, für klimagerechte Baumaßnahmen sogar bei bis zu 50 Prozent.

Soweit die Theorie. Aber wie viel von diesen Zuschüssen kommt tatsächlich beim Studierendenwerk Mainz an? „Das Studierendenwerk Mainz profitiert nicht von diesem Programm, da die Grunddarlehen und Tilgungszuschüsse bei derzeitigen Bau-, Grundstücks- und Finanzierungskosten nicht ausreichend sind, um die Mietobergrenze einzuhalten“, so ein Sprecher des Studierendenwerks. Einer Kostenaufstellung zufolge betragen die Zuschüsse vom Land zu den Baukosten der Wohnheime in Realität somit nur 9 Prozent. Zudem seien die Zuschüsse für die Hochschulgastronomie über Jahre hinweg noch nicht einmal der Inflation angepasst worden.

Das fordern Studierendenwerk und AStA

Um der Aufwärtsspirale von Baukosten und Wohnheimmieten zu entgehen und neuen Wohnraum für Studierende zu schaffen – die aktuelle Warteliste für Wohnheimzimmer soll 460 Personen umfassen –, fordern Studierendenwerk und AStA Mainz vom Land nun die kostenlose Überlassung des Grundstücks Inter I. Das jahrelang leerstehende ehemalige Wohnheim auf dem Mainzer Campus wurde 2020 abgerissen, doch seitdem tut sich wenig.

„Gespräche um dieses Grundstück laufen seit Jahren, und seit Jahren weigert sich das Land, feste Aussagen zu treffen“, so eine AStA-Vertreterin. „Außerdem fordern wir höhere Zuschüsse für das Studierendenwerk in den Bereichen Wohnen und Mensa, die in Rheinland-Pfalz rekordverdächtig niedrig sind, einen Schuldenschnitt und einen Inflationsausgleich.“

Ob das Land Rheinland-Pfalz diesen Forderungen in naher Zukunft nachkommen wird, bleibt fraglich. Aktuell heißt es dort: „Gemeinsam mit dem Studierendenwerk Mainz erarbeitet die Landesregierung die Nachfolgelösung für das weggefallene Inter I, um den dort zugesagten studentischen Wohnraum gemeinsam mit dem Studierendenwerk Mainz zu realisieren.“ Eine konkrete Aussage ist das jedenfalls nicht.

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